Hip-Hop-Kolumne "Ich bleib ein Chimperator"

Von Katharina Sorg 

Seit Cro die Charts stürmt, ist auch seine Plattenfirma immer mehr im Fokus. Wir stellen das Stuttgarter Independent Label Chimperator mal vor.

Cro ist bei Chimperator unter Vertrag... Foto: dapd 2 Bilder
Cro ist bei Chimperator unter Vertrag... Foto: dapd

Stuttgart - Über zu wenig Aufmerksamkeit kann sich das Stuttgarter Independent-Label "Chimperator Productions" derzeit eher nicht beschweren. Seit Cro und die Orsons immer mehr Erfolg haben, wird auch ihr Plattenlabel häufiger erwähnt. Es ist eine kleine schwäbische Erfolgsgeschichte, die sich dahinter verbirgt. Das Label gibt es nämlich nicht erst seit ein paar Jahren, sondern bereits seit einem Jahrzehnt. In den ersten Jahren wurde aber eher nur gearbeitet und wenig verdient. Keine so gute Mischung. Der jetztige Durchbruch ist für den Chef Sebastian Schweizer daher eine späte Belohnung für die schwierigeren Jahre. "Die ganzen Jahre Arbeit und Anstrengung zahlen sich jetzt aus", sagt Schweizer. 

Im Jahr 1999 gründet er Chimperator Productions gemeinsam mit Christian Schädle und Steffen Wendelstein. Es war die Hochzeit des deutschen Hip-Hop, die Kolchose und die Fantastischen 4 waren groß und Max und die Massiven Töne Vorbilder für Schweizer. "Man war stolz aus Stuttgart zu sein", sagt Schweizer. Profitieren konnte er davon damals mit seiner noch jungen Firma nicht mehr. Wenige Zeit später nämlich ist der erste Hype vorbei, die Rap-Musik kommt nun eher aus Berlin und sie ist anders als jene aus Stuttgart. "Wir sind genau in die Zeit reingekommen, in der wir das gemacht haben, was die Leute gerade nicht haben wollten", sagt Schweizer und lacht. Doch sie machten weiter.

Ende 2003 bezieht Chimperator das erste Büro im Stuttgarter Filmhaus, danach ziehen sie ins Jugendhaus Mitte, in die Räume des Cumulus-Kulturbüros. Schweizer studiert nebenher "Musikbusiness" an der Popakademie und im Jahre 2004 können die beiden Rapper Maeckes und Plan B gewonnen werden. Mitbegründer Wendelstein verlässt das Label, hinzu kommt Kodimey Awouku. Seines Zeichen selbst Rapper und nun Mitglied der Führungsriege von Chimperator. Maeckes und Plan B werden zusehends erfolgreicher. Im Jahr 2008 veröffentlichen "Die Orsons" (zu denen auch Plan B und Maeckes gehören) ihr erstes Album bei Chimperator. Wenig später unterschreibt auch Rapper Kaas in Stuttgart. "Langsam begann sich die Erfolgsgeschichte in Stuttgart zu wiederholen", erinnert sich Schweizer. Nur weil sie genügend Zeit hatten, Erfahrung zu sammeln und eine Infrastruktur aufzubauen, wurde möglich, was dann im Jahr 2011 passieren sollte. "Die bisher größte Sache für das Label": Die Unterschrift von Cro. 

Was dann passierte ist bekannt. "Wir hätten nicht erwartet, dass das so durch die Decke geht", sagt Schweizer. Cro bekommt Angebote der großen Plattenfirmen, die Summen die ihm geboten werden sind immens, genaue Zahlen will Schweizer nicht nennen, aber vermutlich hätte der Pandamann erstmal ausgesorgt gehabt. Doch Cro entscheidet sich gegen die großen Plattenfirmen und für Chimperator. In seinem Song "King of Raop" heißt es: "Egal was kommt, ich bleib ein Chimperator, scheiß auf Majors". Bei der Produktion zu seinem ersten Album lassen ihm Schweizer und Co dann auch alle Freiheiten. "Er hat das meiste bei sich zuhause gemacht, wir haben ihn lediglich beraten und eben vor allem die Samples, die er genutzt hat, freigeben lassen", sagt Schweizer. 

Anfang des Jahres hat sich das Label vergrößert und die Booking-Agentur "Chimperator Live" gegründet. Gemeinsam mit 0711- Entertainment. Hier schließt sich der Kreis zu den früheren Stuttgarter Hip-Hop Erfolgen. Strachi und Schowi sind so auch wieder mit dabei. Von deren Erfahrung profitiert Chimperator ebenfalls. Aber jetzt machen sie was, was jeder hören will.