Historische Ortsmitte Damit Echterdingen bleibt, wie es einmal war

Von Philipp Braitinger 

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat mit der Sanierung der historischen Mitte von Echterdingen einige Aufgaben vor sich. Auch die Meinung und die Ideen der Bürger sind dabei gefragt. Und die haben recht konkrete Vorschläge.

Vielen Menschen im Ort liegt das historische Fachwerk in Echterdingen besonders am Herzen. Foto: Philipp Braitinger
Vielen Menschen im Ort liegt das historische Fachwerk in Echterdingen besonders am Herzen. Foto: Philipp Braitinger

Echterdingen - Über viele Monate, ja Jahre wurde das Projekt vorbereitet, und nun rückt die Umsetzung immer näher. Die „Historische Mitte“ von Echterdingen soll bis zum Jahr 2025 umfassend saniert werden. Ob die bislang veranschlagten drei Millionen Euro dafür reichen, ist ungewiss. Eine Aufstockung der Mittel ist für 2021 geplant.

Was ist die historische Mitte?

Das Sanierungsgebiet „Historische Mitte Echterdingen“ wurde 2018 durch den Gemeinderat festgelegt. Das Gebiet ist durch die Aufnahme in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ an besondere Vorgaben wie die Beteiligung der Einwohnerschaft und des Gewerbes gebunden. Die historische Mitte reicht von den Straßen rund um die Stephanuskirche, die Burgstraße, den Schafrain, die Backhausgasse, Im Gässle, Im Wengert und die Maiergasse bis zur Filderbahnstraße und die Hauptstraße. Auch die Bäckergasse und Teile der Bernhäuser Straße gehören dazu. Westlich der Hauptstraße könnten die Obergasse und die Kleine Obergasse dazukommen. Diese Entscheidung soll im Herbst im Gemeinderat fallen. Insgesamt umfasst das Gebiet rund zwölf Hektar. Damit sind weite Teile des alten Echterdingen, wie beim Blick auf eine Stadtkarte aus dem Jahr 1827 ersichtlich wird, abgedeckt.

Was wünschen sich die Bürger?

Im Januar 2020 wurde eine Bürgerbeteiligung zur historischen Mitte durchgeführt. Die Ergebnisse des Nachmittags mit rund 80 Teilnehmern wurden während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses von Sandra Heckelmüller vom Tübinger Büro „Dialog Basis“ öffentlich vorgestellt. Unter anderem wünschen sich viele Einwohner einen Erhalt des dörflichen Charakters, auch durch die Verwendung von Kopfsteinpflaster und eine Inszenierung des Fachwerks.

Ein weiterer Wunsch war der Abriss des neuen Rathauses, um das alte Rathaus freizustellen und damit besser zur Geltung zu bringen. Weitere Wünsche waren mehr Grün und Wasser. Dass nicht alle Ideen zu verwirklichen sein werden, macht ein Blick auf das Thema Mobilität deutlich. Einerseits wünschen sich viele Menschen ausreichend Parkplätze. Gleichzeitig besteht der Wunsch nach mehr Fahrradfreundlichkeit und einer Beruhigung des motorisierten Verkehrs.

Wie geht es jetzt weiter?

Unter anderem soll in den kommenden Wochen ein achtköpfiges Gremium gegründet werden, das über die Bestimmung sogenannter nichtinvestiver Städtebauprojekte – also keine Bauprojekte – entscheiden soll. Beschrieben wird die Bürgergruppe zur Mittelverteilung als „HiMi-Team“, wobei „HiMi“ die Abkürzung für „Historische Mitte“ ist. Insgesamt stehen 50 000 Euro Landesmittel für Projekte zur Verfügung, die beispielsweise den sozialen Zusammenhalt oder die Integration fördern sollen. Ideen, wie die Einrichtung eines Stadtstrandes, den Bau von Bienenquartieren oder ein Urban-Gardening-Projekt, gibt es bereits. Die ersten Dinge sollen noch dieses Jahr umgesetzt werden. Darüber hinaus möchte die Stadt im Juli mit den Planungen für die Burg- und Christophstraße beginnen, wo im nächsten Frühjahr mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden soll. Ebenfalls im Juli könnte der Beschluss des Rahmenplans „Öffentlicher Raum“ samt einer Einbindung der Einwohnerschaft je nach Themenlage erfolgen.

Und was passiert mit dem Konzept für die nächtliche Beleuchtung?

Zur Erneuerung der historischen Mitte wurde während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses beschlossen, ein externes Büro mit der Ausarbeitung eines neuen Beleuchtungskonzeptes zu beauftragen. Ziel ist es, eine einheitliche, insektenschonende und energiesparende Beleuchtung in der Mitte zu schaffen. Ferner solle die Beleuchtung „Orientierung und Sicherheit“ bieten und den Einkaufs- und Gastronomiestandort stärken. „Je schöner die Ortsmitte, desto mehr werden die Geschäfte frequentiert“, teilt die Stadt mit. Die Zeit drängt. Im Frühjahr soll mit den Arbeiten an Burg- und Christophstraße begonnen werden. Bis dahin sollte klar sein, welche Beleuchtung eingebaut wird.

Was sagen die Geschäftstreibenden?

„Wir sind froh darüber, dass etwas gemacht wird und dass es eine starke Bürgerbeteiligung gibt“, erklärt Ralf Schröder. Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Echterdingen betreibt das Geschäft Augenoptik Sassenscheidt an der Hauptstraße. Er ist überzeugt davon, dass die Maßnahmen in der historischen Mitte ein Gewinn für die Stadt sein werden.

Gleichzeitig weiß er, dass die für geplante Bauvorhaben notwendigen Baustelleneinrichtungen gerade in der momentan durch die Corona-Krise ohnehin schwierigen Situation von vielen Gewerbetreibende mit Sorge gesehen werden. Im September findet eine Mitgliederversammlung statt, die sich auch mit den Überlegungen für die historische Mitte befassen wird. Beim nun auf den Weg gebrachten Thema des neuen Beleuchtungskonzept sieht Schröder keine großen Konflikte. Werbe- und Schaufensterbeleuchtungen dürften sich kaum mit einem Straßenbeleuchtungskonzept beißen. „Wir haben keine Skyline wie in Los Angeles.“




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