Hockey-Trainer Der Neue aus dem Land der „Löwinnen“

In Matias Ramos’ Heimatland Argentinien  ist Hockey bei den Frauen die Sportart Nummer eins. Foto: Günter  Bergmann
In Matias Ramos’ Heimatland Argentinien ist Hockey bei den Frauen die Sportart Nummer eins. Foto: Günter Bergmann

Der Argentinier Matias Ramos ist seit März Trainer der Hockey-Frauen des HTC Stuttgarter Kickers. In der neuen Regionalliga-Saison traut er seinem Team viel zu.

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Degerloch - Wenn es um die Lieblingssportarten der Argentinier geht, dann nehmen ganz klar König Fußball, Basketball und Polo die führenden Positionen ein. Zumindest für den männlichen Part. Im Frauenbereich dominiert im 45-Millionen-Einwohner-Volk in Südamerika seit langem Feldhockey die Beliebtheitsskalas, was nicht zuletzt an den sportlichen Erfolgen der Nationalmannschaft liegt: der „Las Leonas“. Übersetzt: die Löwinnen. Fünfmal brachten sie von den vergangenen sechs olympischen Spielen eine Medaille mit nach Hause: dreimal Silber, zweimal Bronze. Auch vor wenigen Wochen in Tokio wurden die Blau-Weißen erst im Finale von den Niederländerinnen gestoppt. Daneben hinaus sind zwei Weltmeistertitel aus den Jahren 2002 und 2010 zu notieren.

„Von den Besten lernen“

Umso erstaunlicher ist es, dass ein 39-jähriger argentinischer Hockey-Enthusiast aus der Kleinstadt Rafaela (ziemlich genau zwischen Cordoba, dem Ort der großen Schmach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von 1978, und der uruguayischen Grenze gelegen) vor drei Jahren den Weg nach Deutschland gesucht hat, um dort als Frauentrainer sein Glück zu suchen. „Ich habe in meinem Sport ehrgeizige Ziele. Dafür hilft es immer, von den Besten zu lernen – und Deutschland gehört speziell in der Ausbildung von Trainern seit Jahrzehnten zum absolut Besten in der Welt“, sagt Matias Ramos. Drei Frauenteams hat der Südamerikaner seit seiner Ankunft bereits betreut: den Bietigheimer HTC, Karlsruher TV von 1846 und TSV Bemerode. Nebenher hat er einige Lehrgänge und Praktika absolviert und die B-Lizenz gemacht, dies alles mit einem großen Fernziel vor Augen: Ramos möchte „eines Tages eine Nationalmannschaft bei einem olympischen Turnier coachen“.

Seit März dieses Jahres ist Ramos nun aber erst einmal beim HTC Stuttgarter Kickers engagiert, in der Regionalliga. Er hat an der Hohen Eiche als Nachfolger von Marc Haller (als Männertrainer zum HC Ludwigsburg) die erste Frauenmannschaft übernommen. Seither pendelt er viermal pro Woche mit dem Zug die gut 80 Kilometer von Karlsruhe, wo er mit seiner italienischen Freundin lebt, ins Training nach Degerloch. Die jeweils drei Stunden auf dem Hin- und Rückweg nutzt Ramos, um Deutsch zu lernen. „Ich bin inzwischen schon ganz gut, aber ich möchte perfekt werden“, sagt er. Zusätzlich geht er in Karlsruhe auf eine Sprachschule.

Auftakt an diesem Sonntag

Die Konversation mit seinen HTC-Spielerinnen findet momentan noch mit einer Mischung aus Deutsch und Englisch statt. In der Vorbereitung hat sie allerdings schon so gut funktioniert, dass der neue Coach nach den jüngsten Testspielen mit guten Eindrücken in die Feldrunde geht. Letztere beginnt an diesem Sonntag um 12 Uhr im Hockeypark in den Bopser­äckern mit einem Heimspiel gegen die TG Frankenthal. „Wir müssen uns vor keinem Gegner verstecken. Wenn wir schnelles, technisch sauberes Hockey spielen, ist in dieser Saison alles möglich, sogar der erste Platz und der Aufstieg“, sagt der akribische Arbeiter Ramos. Alle sieben Gegner in der Südgruppe der dritthöchsten deutschen Spielklasse hat er bereits auf Video studiert und detailliert analysiert.

Nach dem Wunsch der Vereinsverantwortlichen soll die erste Frauenmannschaft der Kickers spätestens in fünf Jahren wieder dort spielen, wo sie bereits bis 2008 aktiv war, nämlich in der ersten Bundesliga. Ob Matias Ramos dann noch mit dabei ist oder eventuell schon bei einer europäischen Nationalmannschaft verantwortlich zeichnet, steht in den Sternen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, hier auch mittel- oder langfristig zu arbeiten. Das ist ein sehr gut geführter Verein mit viel Tradition“, sagt der Trainer, der im Fall eines längeren Engagements gerne nach Stuttgart ziehen würde.

Lieber Europa als Südamerika

Auch in den USA, in Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz hat der 39-Jährige bereits Erfahrungen im Jugend- und im Frauenbereich gesammelt. Eine eventuelle Übernahme der „Las Leonas“, der Nationalmannschaft seines Heimatlandes, ist für ihn allerdings kein Thema: „Ich liebe meine Heimat und bin gerne zuhause, aber in Sachen Hockey fühle ich mich in Europa besser aufgehoben“, sagt er. Dies gilt nebenbei auch noch als Spieler. Für das zweite Männerteam des HTC Stuttgarter Kickers greift Ramos in der Oberliga selbst noch zum Schläger.




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