Hofener Scillamännle Die Bewahrer der traditionellen Fasnet am Neckar

Die Hofener Scillamännle bei ihrem Straßenumzug im Jahr 2012. Foto: Archiv  Ströbele
Die Hofener Scillamännle bei ihrem Straßenumzug im Jahr 2012. Foto: Archiv Ströbele

Die Hofener Scillamännle beziehen sich auf die Sage vom Greadeffele und die Blume Blaustern.

Lokales: Malte Klein (mfk)
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Stuttgart aktiv - Raimund Stetter hält nichts von Rock-Fasnet und dergleichen. Er ist Gründungsmitglied und Pressesprecher der Hofener Scillamännle und legt Wert auf die traditionelle Fasnet, die in Hofen am 6. Januar, dem Dreikönigstag, beginnt und zwar mit dem Häsabstauben. Das sei in etwa vergleichbar mit einer TÜV-Kontrolle für die Karnevalskleidung.

Gegründet haben sich die Scillamännle im Jahr 1985 im überwiegend katholischen Stadtteil Hofen. Dieser gehörte zunächst zum Kloster Hirsau und später zum ebenfalls katholischen Neuhausen auf den Fildern. Die Herren von Hofen blieben genauso katholisch wie die Neuhausener. Während die Menschen in den übrigen Stadtteilen Stuttgarts während der Reformation protestantisch wurden, galt dies nicht für die Hofener. Deshalb hat sich die katholische Tradition der Fastnacht dort gehalten. „Schon vor unserer Vereinsgründung gab es eine Fasnettradition in Hofen mit dem Spruch ‚Komma gschwomma‘.“ Dabei feierten die katholischen Familien die Straßenfastnacht.

Die Scillamännle indes haben die Fasnet zu einer Institution werden lassen. Benannt haben sie sich nach dem Blaustern, einer Pflanze, die wissenschaftlich als Scilla bezeichnet wird und im Naturschutzgebiet Scillawald bei Hofen wächst. Passend zur Blume tragen die Mitglieder ein Gewand aus Grün- und Brauntönen und eine Maske in Blau- und Fliedertönen. „Alle unsere Gruppen beziehen sich auf die Scillablume“, sagt Stetter.

„Man spürt als Zuschauer hier in den engen Gassen die Fasnet.“

Begonnen haben die Scillamännle mit zehn Personen. Mittlerweile hat der Verein 300 Mitglieder. Wer dazugehören möchte, muss am Anfang besonders viel Einsatz zeigen: „Ein Häs besteht aus bis zu 800 Filz-Plätzle, die die neuen Mitglieder aus bis zu acht Metern Stoff ausstechen müssen.“ Wer im neuen Häs die Fasnet mitfeiern möchte, muss mit einem Vierteljahr Vorbereitungszeit rechnen, sagt Stetter. „Oft helfen die Familie oder der Freundeskreis. Man muss sich aber überlegen, ob man so viel Zeit, Aufwand und Kosten investieren möchte.“ Denn zum Häs gehört noch die Maske, die ein Schnitzer aus Lindenholz herstellt. Kosten: rund 300 Euro.

Doch bevor die Saison dann beginnt, muss zunächst das „Greadeffele“ in der Hofener Burgruine geweckt werden. Der Sage nach soll dieses als hochmütig geltende Burgfräulein nach dem Feiern ausschweifender Feste vertrieben worden sein. Sie sei danach durch Wiesen geirrt und ihre Pantoffeln hätten sich grün verfärbt. Daher bedeutet der schwäbische Name „grüner Pantoffel“. „Welches junge Mädchen die Greadeffele wird, ist das am besten gehütete Geheimnis im Stadtteil“, sagt Stetter.

Das Finale der närrischen Tage in Hofen ist der Umzug am Fasnetsdienstag. „Man spürt als Zuschauer hier in den engen Gassen die Fasnet.“ Es sei auch kein Schaulaufen, sondern das miteinander Feiern stehe im Mittelpunkt. Der Verein wolle nicht mit dem Strom schwimmen. Das funktioniere. „Der Ruf der Scillamännle ist top“, sagt Raimund Stetter.

HOFENER SCILLAMÄNNLE:

Anschrift: Hartwaldstraße 19, 70378 Stuttgart
Telefon: 0711/539 02 49
Mail: erster.vorstand@scillamaennle.de
Homepage: www.scillamaennle.de
Vorsitzender: Torsten Streibig
Gründungsjahr: 1985
Mitgliederzahl: rund 300

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