Homeoffice mit Kindergartenkind Zwischen Videokonferenz und Gespensterjagd

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Spielplätze sind tabu, Besuche bei Freunden oder den Großeltern auch: Die Kontaktsperre wegen des Coronavirus stellt auch Kinder vor große Herausforderungen. Welche Erfahrungen unser Redakteur gemacht hat:

Zurzeit Tabuzone: Ein gesperrter Spielplatz in Winterbach. Foto: Gottfried Stoppel
Zurzeit Tabuzone: Ein gesperrter Spielplatz in Winterbach. Foto: Gottfried Stoppel

Rems-Murr-Kreis - Dieser blöde Virus“, schimpft die Fünfjährige. Sie ist sauer auf Corona – und hat auch allen Grund dazu. Seit mehreren Wochen ist die Krankheit schuld daran, dass sie nicht mehr in den Kindergarten gehen darf, ihre Freunde nicht sehen kann. Und auch die Besuche der Großeltern sind erst einmal gestrichen. „Ich weiß, damit sich niemand ansteckt“, erklärt uns unser Mädchen augenrollend.

Auch Ausflüge in den Zoo oder zum geliebten Waldspielplatz sind tabu. Und trotzdem trägt die Kleine ihr Schicksal mit wirklich bewundernswerter Gelassenheit. Schließlich bieten die „Corona-Ferien“ ja auch einige Vorzüge. Sie kann ausschlafen, und weil meine Fahrt zur Redaktion wegfällt, haben wir etwas mehr Zeit für das gemeinsame Frühstück.

Kleine Spaziergänge zum Abenteuer machen

In die darauf folgende Videokonferenz der Rems-Murr-Redaktion schiebt sich jetzt manchmal ein kleiner, charmanter Wuschelkopf. Hinterher bekomme ich verzückte Mails von Kolleginnen – die frühstücksverkrümelte Schlafanzughose des Töchterchens scheint außerhalb des Bildrands geblieben zu sein. Und wenn schon: Auch das gehört dazu, irgendwie.

Die Mittagspause wird manchmal etwas ausgedehnt. Das lohnt sich, denn der Osterhase scheint die Gegend schon vor Ostern ausgekundschaftet zu haben. An unseren Spazierstrecken lagen jedenfalls – was für ein Zufall – immer wieder winzige Schoko-Eier. Damit wird jede Gassirunde zum kleinen Abenteuer.

Kind und Homeoffice – das birgt Konfliktpotenzial

Natürlich: Ganz reibungslos läuft es nicht immer. Zwei berufstätige Eltern, die jetzt oft daheim arbeiten, müssen ihre Termine noch genauer verzahnen als sonst. Und zwischen Videokonferenzen, Recherche und technischen Herausforderungen sind wir als Seelentröster, Gummitier-Ärzte, Puppenhausmeister und Buchbinder gefragt. Die Zeit muss eben drin sein.

Nach ein paar Tagen entwickelt unsere Tochter eine riesige Kreativität. Sie ruft ihre Kindergarten-Bande (das „Megateam“) an und erzählt ihnen, welche Geschichten sie sich ausgedacht hat. Zum Nachspielen, wenn die „Corona-Ferien“ vorbei sind. Sie malt den Kumpels Bilder ihrer erträumten Abenteuer – die werden dann per Whats-App an die anderen Eltern verschickt.

Per Whatsapp halten wir Kontakt zu den Kindifreunden

Per Dauerschaltung miteinander verbunden, macht sich das Megateam auf die Suche nach einem Hausgeist. Dass dieser daran schuld sein muss, wenn irgend ein Spielzeug unauffindbar ist, ist ja klar. Zudem baut sie das Klettergerüst im Garten zur Räuberfalle um. Und weil gerade kein anderes Kind mit ihr auf dem Trampolin springt, legt sie einen Tannenzapfen darauf. Dem gilt es jetzt, beim Springen auszuweichen.

Einige Zeit später bekommt das Töchterchen Post: Die Erzieherinnen des evangelischen Kindergartens Althütte vermissen ihre Kids. Daher wünschen sie sich selbstgemalte Bilder, mit denen sie den verwaisten Kindi schmücken können. Und in einem zweiten Umschlag steckt ein Osterhase zum Basteln – es wird wohl nicht das letzte Projekt gewesen sein, dass wir zusammen angehen. Und ich freue mich drauf.

Serie: Arbeiten in Zeiten des Coronavirus




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