«Ich hatte Riesenangst» Hausarrest gegen in Türkei angeklagte Kölnerin aufgehoben

Von dpa 

Sechs Monate lang saß die Kölnerin Gönül Örs in der Türkei wegen Terrorvorwürfen im Hausarrest. Nun wurde die Maßnahme aufgehoben und sie darf die Fußfessel ablegen. Zurück in ihre Heimatstadt darf Örs aber erst mal nicht.

Muss keine Fußfessel mehr tragen: Die seit mehr als einem Jahr in der Türkei festgehaltene Kölnerin Gönül Örs. Foto: Linda Say/dpa Foto: dpa
Muss keine Fußfessel mehr tragen: Die seit mehr als einem Jahr in der Türkei festgehaltene Kölnerin Gönül Örs. Foto: Linda Say/dpa

Istanbul - Ein Gericht in der türkischen Metropole Istanbul hat den Hausarrest gegen die wegen Terrorvorwürfen angeklagte Kölnerin Gönül Örs aufgehoben.

Sie dürfe jedoch das Land nicht verlassen, weil die Ausreisesperre bestehen bleibe, sagte ihre Anwältin Ayse Celik der Deutschen Presse-Agentur am Istanbuler Gericht Caglayan. Eine Fußfessel müsse ihre Mandantin nicht mehr tragen.

Der Prozess gegen Örs geht jedoch weiter und wird am 1. Oktober fortgesetzt. Örs zeigte sich nach der Verhandlung erleichtert: "Ich bin froh", sagte sie. "Ich hatte Riesenangst, aber es ist ok, ich bin damit zufrieden erst mal."

Vor Gericht sagte die Anwältin: "Meine Mandantin hat nicht im Entferntesten etwas mit diesem Vorfall zu tun."

Der menschenrechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, zeigte sich erleichtert über die Aufhebung des Hausarrests gegen Örs, forderte aber auch: "Gönül Örs ist eine unschuldige Frau. Sie darf nicht weiter ihrer Freiheit beraubt werden." Auch ihre Mutter müsse aus der Haft entlassen werden, sie sei im Gefängnis einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestages, Gyde Jensen (FDP), forderte das Auswärtige Amt dazu auf, Druck auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auszuüben, politische Gefangene freizulassen. Die türkische Justiz unterliege größtenteils der "Willkür" Erdogans, sagte sie.

Am Dienstag wurde in seiner Abwesenheit auch der Prozess gegen den wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation angeklagten Kölner Adil Demirci fortgesetzt. Die Verhandlung wurde nach Angaben seines Anwalts auf den 11. November vertagt.

Nach Angaben aus Berlin befinden sich 59 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft, aus "politischen Gründen" inhaftierte Deutsche werden nicht mehr gesondert aufgeführt. Zudem sind der Bundesregierung 66 Fälle von Deutschen bekannt, die aufgrund von Ausreisesperren die Türkei nicht verlassen können.




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