Idee in Leinfelden-Echterdingen Wohnungstausch gegen Wohnungsnot

Der Wohnraum ist nicht nur knapp in der Region Stuttgart, zuweilen ist er auch  noch falsch verteilt. Foto: /Philipp Braitinger
Der Wohnraum ist nicht nur knapp in der Region Stuttgart, zuweilen ist er auch noch falsch verteilt. Foto: /Philipp Braitinger

Familien suchen größere Wohnungen, Senioren wollen sich räumlich oft lieber verkleinern. Warum nicht beide Seiten zusammenbringen?

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Leinfelden-Echterdingen - Wohnraum ist knapp, und er ist oftmals ungünstig verteilt. Während es beispielsweise junge Familien im Großraum Stuttgart schwer haben, größere Wohnungen oder Häuser zu bezahlbaren Preisen zu finden, leben manche Senioren allein oder zu zweit auf mehr als hundert Quadratmetern über mehrere Stockwerke und mit einem pflegeintensiven Garten. Zuweilen wünschen sich die Senioren eine kleinere und barrierefreie Wohnung, die vielleicht sogar noch in der Nähe eines Ortskerns liegt. Die Familien sehnen sich dagegen nach mehr Platz, der gerne auch am Ortsrand sein darf, wo es noch Raum für einen Garten gibt.

Familien und Senioren in Kontakt bringen

In Leinfelden-Echterdingen möchte die CDU-Fraktion Kontakt zwischen beiden Seiten herstellen. Die Idee: Eine Online-Wohnungstauschbörse soll eingerichtet werden. „Um Kontakte herzustellen zwischen Menschen, die ihr Zuhause gerne tauschen möchten“, schreiben die Christdemokraten in ihrem Antrag, den sie vor der Sommerpause eingebracht hatten und über den an diesem Dienstagabend zumindest kurz im Gemeinderat gesprochen wird. Die Seite solle über die Homepage der Stadt beworben und aufgerufen werden können. Das Einstellen und Aktualisieren von Wohnungsangeboten solle jedoch durch die Wohnungsanbieter erfolgen. „Sofern unser Antrag eine Zustimmung im Gemeinderat findet, könnte die Wohnungstauschbörse LE auch ein erfolgreiches neues Bürgerservice-Angebot werden“, erklärt Fraktionschefin Ilona Koch.

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Der Clou bei dem Tausch von Wohneigentum wäre, dass sich die Kosten für die beiden Arten der Wohnraumnutzung im besten Falle kaum unterscheiden würden. Doch die Tauschbörse müsste sich nicht allein auf den Tausch von Eigentum beschränken. Vorstellbar wären aus Sicht der Christdemokraten auch eine Untervermietung gegen Hilfe, was für Studenten spannend sein könnte. Für die Übernahme des Wocheneinkaufs oder die Pflege des Gartens könnten ein bis zwei Zimmer bewohnt werden. Auch ein Tausch zwischen Mietern wäre vorstellbar. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten“, sagt Koch. Andere Städte wie Berlin oder große Wohnbaugesellschaften haben bereits eine Wohnraumbörse. Eine Software müsste daher nicht eigens programmiert werden.

Nach dem Auszug der Kinder verändert sich die Situation

An der Notwendigkeit einer Wohnraumtauschbörse haben die Christdemokraten keinen Zweifel. Immer werde sie von Menschen angesprochen, die einen anderen als ihren bisherigen Wohnraum suchten, berichtet Koch aus eigener Erfahrung. „Durch die Tauschbörse käme man ins Gespräch“, sagt sie. Es fände seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Früher seien die Menschen weniger mobil gewesen und hätten ihr Haus, das sie in jungen Jahren gebaut oder gekauft haben, bis ins hohe Alter bewohnt. Allerdings veränderten sich die Lebenssituationen, beispielsweise nach dem Auszug der Kinder. Darauf werde nun häufiger mit dem Wunsch nach einer Anpassung des Wohnraums reagiert.

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Der Druck auf dem Immobilienmarkt ist in der gesamten Region Stuttgart hoch. In Leinfelden-Echterdingen werden Neubaugebiete wie die Schelmenäcker (rund 221 neue Wohnungen) oder die Goldäcker (etwa 180 Wohnungen) ausgewiesen, in welchen viele hundert Menschen künftig wohnen könnten. Dass die Nachfrage damit befriedigt ist, das glaubt Koch aber nicht. „Wir bauen schon viel, aber die Nachfrage wird nicht zurückgehen“, ist sie sicher. Der Standort Leinfelden-Echterdingen sei eben für viele Menschen attraktiv. Es gibt ein gutes Verkehrsangebot, viele hochwertige Arbeitsplätze und ein attraktives Naherholungsgebiet. Allerdings ist das Ausweisen von Neubauflächen nicht unendlich möglich. „Wir können nicht immer hinzubauen.“ Auch hier kann die Tauschbörse aus Sicht der CDU helfen. „Wenn ich tauschen kann, muss ich nicht neu bauen“, sagt Koch.

Tauschbörse soll auf verschiedene Weise helfen

Die Stadtverwaltung steht dem CDU-Antrag aufgeschlossen gegenüber. Im Juli ist vom Amt für Soziales im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss eine „Handlungsempfehlung Wohnen für Ältere in Leinfelden-Echterdingen“ vorgestellt worden. Eine Empfehlung lautete, eine Tauschbörse für Wohnraum einzurichten, erklärt der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Wir können uns das vorstellen“, sagt er. Der weitere Fahrplan sehe nun vor, dass der CDU-Antrag an diesem Dienstag in einen Ausschuss verwiesen werde. Dann werde die Verwaltung eine Vorlage mit einer Beschlussempfehlung formulieren. Sollte diese Sitzungsvorlage von einer Mehrheit der Stadträte befürwortet werden, kann es an die Umsetzung gehen.




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