InterviewImpfaktion der Stuttgarter Bühnen „Nur der Piks bringt uns zurück zum früheren schönen Leben“

Die Intendanten Sebastian Weingarten (links) und Axel Preuß schlüpfen in weiße Kittel, um dem Arztteam vom Klinikum beim Impfen zu helfen Foto: red
Die Intendanten Sebastian Weingarten (links) und Axel Preuß schlüpfen in weiße Kittel, um dem Arztteam vom Klinikum beim Impfen zu helfen Foto: red

Zehn Stuttgarter Bühnen bitten zum Piks: Sieben Tage lang wird in den Theatern geimpft, kostenlos, ohne Termin. Wir sprachen mit Axel Preuß, Intendant der Schauspielbühnen, über Solidarität in der Krise, Impfquoten und die Maskenwahl für den Kulturgenuss.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Der Weg zurück in die Normalität führt nur übers Impfen. Darin sind sich Stuttgarter Theatermacherinnen und Theatermacher einig, die sich für eine Impfwoche vom 30. Oktober bis zum 6. November zusammentun. Das mobile Team des Klinikums Stuttgart setzt den Piks ohne Termin, ohne Krankenkassenkarte, ohne Kosten. Dabei sind: Fitz!, Friedrichsbau Varieté, JES, Renitenztheater, Rosenau, Altes Schauspielhaus, Komödie im Marquardt, Theater der Altstadt, Theaterhaus und Wilhelma Theater. Einer der Organisatoren ist Axel Preuß, der Intendant der Schauspielbühnen.

Herr Preuß, Sie ziehen in der Komödie im Marquardt den weißen Kittel an?

Ja, genau! Aber keine Sorge: Ich selbst impfe nicht. Dies überlassen wir den Ärztinnen und Ärzten des Städtischen Klinikums. Mit meinem Kollegen Sebastian Weingarten vom Renitenztheater bilden wir quasi den Empfang, das tun wir wie Arzthelferinnen und Arzthelfer in entsprechender Kleidung. Wir kümmern uns um den Eintrag in den Impfpässen und die Organisation.

Wie kam es zu der gemeinsamen Impfaktion der Stuttgarter Bühnen?

Dass wir wieder spielen können, freut uns sehr. Der Lockdown war hart! Doch noch immer erkranken zu viele am Corona-Virus, noch immer bremst uns die Pandemie. Wir sind überzeugt, dass wir dem früheren schönen Leben nur dann rasch näherkommen, wenn sich möglichst viele Menschen für eine Impfung entscheiden. Da reichen Worte nicht, da müssen Taten her. Dies haben die Stuttgarter Theater nun gemeinsam organisiert. Wir impfen das erste, zweite oder dritte Mal, also die Booster-Impfung – mit Biontech oder Johnson & Johnson, ganz, wie gewünscht.

Sie spielen aktuell unter der 3-G-Regel. Wie viele Gäste sind bei Ihnen genesen, geimpft oder getestet?

An unserem Theater habe ich unsere Leute am Einlass gebeten, mal genau aufzulisten – natürlich anonym -, wie viele Menschen uns mit welchem Nachweis besuchen. Von etwa 400 Besuchern kamen nur acht mit einem Testnachweis, alle anderen waren geimpft oder genesen.

Wow, das sind ja 98 Prozent! Wenn das Kulturpublikum so vernünftig ist – warum müssen die Theaterhäuser dann selbst zur Impfung trommeln?

Wir sprechen nicht nur unsere Theaterbesucher an, sondern alle, die in der Nähe sind. Wir dürfen uns nicht nur in unserem unmittelbaren Umfeld umschauen, wo man wohl schon weiter ist. Deshalb werben wir mit Plakaten in den umliegenden Geschäften für die Impfwoche. Schon einmal haben wir in der Komödie im Marquardt eine Impfaktion veranstaltet – die ging ab wie eine Rakete!

„Wenn das Stück gut ist, vergisst man die Maske schnell“

Bei der 3-G-Regel, die in vielen Theatern gilt, muss man Maske tragen. Stört das nicht den Kulturgenuss?

Da gewöhnt man sich schnell dran. Wir empfehlen, eine OP-Maske zu tragen, die ist luftdurchlässiger als eine FFP 2-Maske. Wenn das Stück gut ist, vergisst man die Maske schnell.

Noch immer gibt es Menschen, die Bedenken gegen das Impfen haben. Wie kann man diese Bedenken abbauen?

Indem man einfach spielt und informiert. Wer erlebt, wie schön Theater und das gemeinsame Erleben mit anderen Menschen ist, erzählt es vielleicht weiter. Nicht nur das könnte ein Anreiz sein, sich zu immunisieren, um wieder ein normales Leben führen zu können.

„Dinner for One spielen wir dreisprachig“

Und damit alt werden! In ihrem Stück „Dinner for One – wie alles begann“, das am 26. November Premiere feiert, spricht Ihr Publikumsliebling Monika Hirschle als Miss Sophie einen berühmten Satz: „The same procedure as every year, James“. Wird das die schwäbische Fassung?

Wir spielen das Stück dreisprachig: Deutsch, schwäbisch, englisch. Ja, das ist ein riesiger Spaß! Allein die Moni mit ihrer weißen Perücke! Damit das Silvesterfest für den Jahreswechsel 2021/2022 sicher wird, ist es eine gute Idee, sich jetzt bei uns in den Theatern impfen zu lassen.

Infos

Die Impfwoche
der Stuttgarter Theater in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Stuttgart findet statt vom Samstag, 30. Oktober, bis zum Samstag, 6. November statt. Angeboten werden – bei freier Wahl – die Impfstoffe von BioNTech Pfizer und Johnson & Johnson. Es impfen die Ärztinnen und Ärzte des Mobilen Impfteams des Klinikums. Eine Voranmeldung ist nicht nötig. Hier die Termine:

30.10. Wilhelma Theater 11.30-17.00 Uhr

2.11. JES & Fitz! 11.30-17.30 Uhr

3.11. Komödie im Marquardt & Renitenztheater 11.30-16.30 Uhr

4.11. Theater der Altstadt 11.30-17.00 Uhr

5.11. Rosenau – Lokalität & Bühne 11.30-17.30 Uhr

6.11. Theaterhaus & Friedrichsbau Varieté 11.30-17.30 Uhr




Unsere Empfehlung für Sie