„Impfen unter Palmen“ in Stuttgart So lief die Impfaktion in der Wilhelma

Krankenpflegerin Susanne Weiß impft einen der Wilhelma-Besucher. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Krankenpflegerin Susanne Weiß impft einen der Wilhelma-Besucher. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Wilhelma hat sich an der Landeskampagne „Dranbleiben“ beteiligt. Ein mobiles Team des Robert-Bosch-Krankenhauses setzte in der Wilhelmaschule Impfungen gegen Corona.

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Stuttgart - Die Sprenkel auf den kleinen Wachteleiern sehen aus wie von Künstlerhand aufgetupft. Wehrhaft kommt das Rochenei daher – die schwarze, rechteckige Kapsel trägt Stacheln. Auf einem anderen Tisch sind Tierschädel aufgereiht, in der Ecke bringt eine Palme exotisches Flair in den Raum. Auch für Bewirtung und Wissen ist gesorgt: Brezeln und Getränke stehen bereit, Biologin Ewa Paliocha weiß einiges zu den Exponaten zu sagen.

Ein Service, den die Stuttgarter Wilhelma am Samstag Frischgeimpften bot. Plus Verlosung: Die Teilnehmenden konnten Freikarten gewinnen sowie ein Besuch bei den Kamelen. „Wir wollten die 15 Minuten Beobachtungszeit nach dem Pieks so angenehm und kurzweilig wie möglich gestalten“, erläutert Florian Pointke, Wilhelma-Marketingmanager. „Impfen unter Palmen“ lautete denn auch das Motto, unter dem sich der Zoologisch-Botanische Garten an der Aktionskampagne „Dranbleiben“ des Landes zur Corona-Impfung beteiligte.

Durchsagen per Lautsprecher

Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin und sein Team stellten die Seminarräume der „Wilhelmaschule“ einem mobilen Impfteam des Robert- Bosch-Krankenhauses Stuttgart zur Verfügung. Das Angebot wurde immer wieder per Lautsprecher durchgesagt.

„Wir wollen ein Zeichen setzen, die Impfung ist ein Weg, die Gefährdung durch das Virus zu minimieren“, so Thomas Kölpin. „All jene, denen bisher die passende Gelegenheit oder der letzte Impuls zum Impfen fehlte – auch Mitarbeitende und Angehörige –, haben hier die Chance, dies unkompliziert und spontan zu tun.“ Die ergriff gleich am Morgen ein Beschäftigter, ließ sich mit Johnson & Johnson immunisieren. „Toll, dass das beim Arbeitgeber geht. Ich gehöre zur Risikogruppe.“ Das ständige Testen, das er kürzlich bei einem Ausflug mit seinem Patenkind durchführen lassen musste, koste zu viel Zeit.

Mehr Interesse erwartet

Eine Metzingerin verband den Familienausflug mit der Impfung. „Ich bin genesen, brauchte nur eine Spritze. Da dachte ich, die nehme ich hier gleich mit – Biontech.“

Bis 16 Uhr hatte das Impfteam – Ärztin Anna Reichert, Krankenpflegerin Susanne Weiß und Psychologiestudent Philipp Klotz – 28 Impfungen gesetzt und dokumentiert. „24 Biontech, vier Johnson & Johnson“, so Reichert. Man sei auf mehr eingestellt gewesen. „Aber jede Aktion zählt.“

Meiste Besucher bereits geimpft

Seit Monaten erlebe sie auf ihren mobilen Impftouren, wie wichtig es sei, Menschen in ihrem Alltag abzuholen, beim Nachhauseweg, Einkaufen, in Schulen. Manchen sei zu umständlich, im Internet Termine zu buchen oder sich auf den Weg zum Arzt zu machen. Dann gebe es die noch Unentschlossenen, Fragenden. „Wir klären auf, führen lange Gespräche, das hilft“, so Reichert. Vor allem viele junge Menschen seien interessiert und in den vergangenen Wochen zum Impfen gekommen.

Besucherinnen und Besucher der Wilhelma gefiel die Aktion. „Gut, weil unkompliziert. Aber bin dennoch unentschlossen“, so eine Endzwanzigerin, während ihre Freundin betonte, sie sei schon geimpft. Das waren die meisten Befragten. Ein junger Mann brachte den Tenor auf den Punkt: „Ich hoffe, dass wir mit solchen Aktionen noch die letzten 15 bis 20 Prozent bekommen, bin aber unsicher, ob es klappt. Klar ist: Jeder Pieks zählt für uns alle!“




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