Industrie in der Corona-Krise IG Metall: 300.000 Arbeitsplätze sind bedroht

Von red/dpa 

Die IG Metall erwartet angesichts drohender Stellenstreichungen in der Corona-Krise einen heißen Herbst. Zudem warnt sie vor Folgen bei der nächsten Bundestagswahl.

Die Gewerkschaft IG Metall demonstrierte im November 2019 gegen Jobabbau in der Automobilindustrie. Für dieses Jahr erwartet die Arbeitnehmervertretung ebenfalls Grund für den Arbeitskampf. (Archivbild) Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski
Die Gewerkschaft IG Metall demonstrierte im November 2019 gegen Jobabbau in der Automobilindustrie. Für dieses Jahr erwartet die Arbeitnehmervertretung ebenfalls Grund für den Arbeitskampf. (Archivbild) Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski

München - Die IG Metall erwartet einen heißen Herbst mit vielen Auseinandersetzungen um Jobs in Deutschland. „Es wird um viele Arbeitsplätze gehen“, sagte Vorstandsmitglied und Hauptkassierer Jürgen Kerner am Mittwochabend in München. Alleine in den Branchen, für die die Gewerkschaft zuständig sei, stünden ungefähr 300 000 Jobs im Feuer. Der größte Bereich dabei seien die Automobilindustrie und deren Zulieferer, doch auch anderen Branchen seien betroffen.

Der erwartete Jobabbau sei aber keineswegs nur eine Folge der Pandemie, betonte Kerner: „Ein Großteil der 300 000 ist Optimierung der Unternehmen unter dem Deckmantel Corona.“ Vieles davon habe schon vor der Pandemie in der Schublade gelegen. Jetzt sei es wichtig, von Anfang an eine klare Position einzunehmen. „Wenn die ersten Unternehmen damit durchkommen und sich optimieren, dann wird der Druck auf die anderen, die Beschäftigung halten, immer größer werden.“

Arbeitsplätze könnten Thema bei der nächsten Wahl sein

Zwar gebe es im Moment Unterauslastung bei den Unternehmen, aber dafür sei die Kurzarbeit da, sagte Kerner. Dabei zeigte er sich zuversichtlich, dass sie auf 24 Monate ausgeweitet wird. Es gebe dazu positive Signale aus der Politik.

Komme es zum Konflikt um die Arbeitsplätze, werde er „das Thema der Bundestagswahl sein“, meint Kerner. Es brauche ein gesellschaftliches Zeichen, „dass diese 300 000 Arbeitsplätze nicht verschwinden“. Sonst würden „die Rechten“ profitieren. „Wenn Menschen Angst haben, den Arbeitsplatz zu verlieren, dann werden die einfachen Parolen - „Wir schützen den Diesel, wir schützen den deutschen Facharbeiter“ - irgendwann greifen. Das, finde ich, darf man nicht zulassen.“

Pandemie hat Probleme noch verschärft

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall betonte am Donnerstag, dass sich die Metall- und Elektroindustrie schon seit vergangenem Jahr „in einer tiefen Rezession“ befinde. Die Corona-Pandemie habe die Lage noch einmal „erheblich verschärft“. Dass bis zu zwei Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit seien, zeige aber, „dass die Unternehmen alles versuchten, um ihre Beschäftigten zu halten, trotz eines tiefen Einbruchs in der Nachfrage und in der Produktion“.

Laut einer Umfrage aus dem Juni hätten bisher nur 5,9 Prozent der Unternehmen Kündigungen aussprechen müssen, erklärte der Verband. „Jetzt kommt es vor allem darauf an, die Unternehmen so gut es geht durch die Krise zu führen und ihre Existenz zu sichern, denn das sichert auch Beschäftigung.“

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