Insolvenz von Märklin Simba-Dickie-Chef übernimmt Märklin

Der Chef der Simba-Dickie-Group Michael Sieber hat Märklin gekauft Foto: dpa
Der Chef der Simba-Dickie-Group Michael Sieber hat Märklin gekauft Foto: dpa

Das schon totgesagte Traditionsunternehmen Märklin aus Göppingen dockt beim größten deutschen Spielwarenhersteller Simba-Dickie an. Der neue Eigentümer verspricht sieht Wachstumschancen im Ausland.

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)

Fürth - Ob das Firmenschild an der Einfahrt zur Fürther Zentrale der Simba-Dickie-Gruppe erweitert werden muss, darüber herrscht noch Uneinigkeit. Neben einem riesigen Bobbycar, dem Aushängeschild des Unternehmens, sind dort die Logos der zahlreichen Töchter des Spielwarenherstellers aufgelistet. Auch wenn Simba-Dickie-Chef Michael Sieber gemeinsam mit seinem Sohn Florian, eigens um Märklin zu übernehmen, ein neues Unternehmen gegründet hat, die Sieber & Sohn GmbH, wird der Modellbahnhersteller faktisch doch ein weiteres „Familienmitglied“ der fränkischen Simba-Dickie-Gruppe. Das Bobbycar bekommt also Konkurrenz vom „Krokodil“, dem wohl bekanntesten Lokmodell von Märklin.

„Der Verkauf ist ein doppeltes Happy End für uns“, sagt Michael Pluta, der In­solvenzverwalter des Unternehmens, das 2009 im 150. Jahr der Firmengeschichte in die Pleite geschlittert war, aber aus eigener Kraft wieder aufs Gleis gekommen ist. Zum einen sei Märklin in die richtigen Hände gekommen, nämlich in die eines Käufers „mit Herzblut, der nötigen Größe und dem erforderlichen Knowhow“ – ein „Traumpartner“, schwärmt Pluta. Zudem bekämen alle Gläubiger, neben drei Banken fast 1400 Zulieferer und Mitarbeiter, ihre Forderungen zu 100 Prozent erstattet. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Übernahme, der das Kartellamt noch zustimmen muss, ist gestern notariell besiegelt worden.

Sieber senior musste erst vom Kauf überzeugt werden

„Ich bin in einem Alter, wo ich mir nicht mehr ein Unternehmen wie Märklin an die Brust heften muss“, hatte der 56-jährige Sieber gesagt, als Pluta vor zwei Jahren an ihn herangetreten war. Märklin sei „Spielzeug für alte Männer“ – so dachte Sieber damals, gesteht er heute ein. Sein Sohn Florian habe ihn letztlich vom Gegenteil überzeugt. Seine Argumente waren die positive Entwicklung während der Sanierung, die Rückeroberung der Kinderzimmer sowie die große Historie von Märklin: „Die Firma ist eine von drei Ikonen der deutschen Spielwarenindustrie neben Schuco und Steiff“, sagte Sieber. Vor allem in den internationalen Märkten sehen Vater und Sohn noch Wachstumspotenzial für die Modellbahnen. Aus diesem Grund rückt der 28-jährige Florian Sieber in den Kreis der Geschäftsführer bei Märklin auf. Die beiden Geschäftsführer Stefan Löbich und Wolfrad Bächle behielten ihre Positionen, sagte Sieber senior. Auch sonst bleibe alles, wie es ist, versichert der neue Eigentümer, der ein langfristiges Engagement verspricht: „Wir denken in Generationen, um die Erfolgsgeschichte Märklin fortzuführen.“ Kooperationen mit anderen Simba-Dickie-Marken sind denkbar, die eigenständige Markenidentität soll aber erhalten bleiben.

Kritische Töne zur „Traumhochzeit“ in der Spielwarenbranche stimmt die Gewerkschaft an: „Wir sind uns ziemlich sicher, dass Märklin nicht mehr so aussehen wird wie heute“, sagte Renate Gmoser von der IG Metall in Göppingen. Generell sehe man die Übernahme zwar positiv, allerdings gebe es auch Grund zur Sorge: „Bei Unternehmen der Simba-Dickie-Gruppe gibt es weder Betriebsräte noch Tarifbindung.“ Die Franken haben zwar eine Beschäftigungssicherung bis 2019 mit der Märklin-Belegschaft vereinbart, allerdings verzichten die Mitarbeiter des Modellbahnbauers schon heute auf tarifliche Leistungen. Der Haustarifvertrag sieht eine 39,5-Stunden-Woche vor, bezahlt werden aber weniger als die tariflich festgelegten 35 Stunden. Tariferhöhungen werden nur zur Hälfte an die Beschäftigten weitergegeben, zudem gibt es nach Gewerkschaftsangaben nur ein Drittel des branchenüblichen Weihnachts- und Urlaubsgeldes. Ein Teil der Einbußen sei aber durch ergebnisabhängige Bonuszahlungen kompensiert worden.

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