Integration im Sport Neues Deutschland

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Deutschland verändert sich und damit auch die Nationalmannschaften. Sportler mit Migrationshintergrund wie beispielsweise Fußballnationalspieler Mesut Özil oder Jérôme Boateng gelten als Prototypen der Integration.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Spielern wie Mesut Özil (links) und Jérôme Boateng ist das Vorzeigeobjekt des deutschen Sports. Foto: dpa
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Spielern wie Mesut Özil (links) und Jérôme Boateng ist das Vorzeigeobjekt des deutschen Sports. Foto: dpa

Stuttgart - Von den erfolgreichsten Europameisterschaften in der Geschichte des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) mit acht Medaillen beim Turnier in Wien in diesem Oktober ist bei vielen vor allem ein Satz hängengeblieben.

„Wir klatschen nicht für Chinesen“

Der Satz soll auf der Tribüne gefallen sein, als die deutschen Frauen um EM-Gold in der Mannschaft kämpften. Die deutschen Frauen, das waren Han Ying und Shan Xiaona, Jiaduo Wu und Zhenqi Barthel. Alle in China geboren, alle haben sie einen deutschen Pass. Sie sind zwar nicht hier geboren, aber sie haben nach jahrelangem Aufenthalt auf ganz normalem (nicht vom Verband beschleunigten) Weg die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Und doch entzündete sich an ihnen eine politische Debatte: weil sie das vielleicht markanteste Beispiel eines Wandels sind, der seit Jahren in Deutschland und damit natürlich auch im deutschen Sport vor sich geht und 2013 sichtbar war wie nie.

Deutschland verändert sich, und damit auch das Gesicht der deutschen Nationalmannschaften. Aber die Reaktionen zeigen: nicht immer verläuft die Veränderung reibungslos – auch wenn das Beispiel Tischtennis vielleicht extrem sein mag. Der DTTB-Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig sagt: „Die Spielerinnen leben und spielen seit vielen Jahren in Deutschland und haben auf dieser Grundlage die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Also, wenn man moralisieren will, stellt man damit auch unser gesellschaftspolitisches System infrage. Insofern ist eine Nationalmannschaft nur ein Abbild unserer multikulturellen Gesellschaft.“

Die multikulturelle Sportgesellschaft

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu, am Sonntag werden Deutschlands Sportler des Jahres gekürt (siehe „Die Sportlerwahl“). Und bei der traditionellen Bilanz der zurückliegenden Monate werden viele Namen auftauchen, die für Deutschland Erfolge gefeiert haben und einen Migrationshintergrund haben. Deutschland ist Thomas Müller und Sebastian Vettel und Timo Boll und Michael Jung. Aber eben nicht nur. Deutschland heißt heute oft anders, und es sieht auch anders aus.

Schwarz. Rot. Bunt.

Der in Kiew geborene Dimitrij Ov­tcharov wurde Tischtennis-Europameister; in Moskau wurde der dunkelhäutige Raphael Holzdeppe als erster Deutscher Stabhochsprung-Weltmeister; in Wimbledon erreichte Sabine Lisicki, Tochter polnischer Eltern, das Finale; in der NBA gilt der Basketballer Dennis Schröder, Sohn einer gambischen Mutter, als Hoffnungsträger; der Fußballer Mesut Özil ist heute ein Weltstar; beim EM-Titel der Fußballfrauen wurden Dzsenifer Marozsán und Célia Okoyino da Mbabi, die nach ihrer Heirat Sasic heißt, als deutsche Vertreter in das All-Star-Team gewählt.