Intendantentagung in Stuttgart Die gläserne ARD

Lutz Marmor, der ARD-Vorsitzende, Foto: dpa
Lutz Marmor, der ARD-Vorsitzende, Foto: dpa

Die Intendanten haben viel auf dem Zettel: Sie wollen die „Stadlshow“ umkrempeln, Frauen fördern und Flüchtlinge informieren.

Medien: Ariane Holzhausen (wöl)

Stuttgart - Transparenz – das ist am Mittwoch bei der ARD-Intendantentagung in Stuttgart ein wichtiges Wort gewesen. Und da passt es natürlich ganz gut, dass der ARD-Programmdirektor Volker Herres sich sogar bei einem Thema in die Karten gucken lässt, das gar nicht auf der Tagesordnung steht: der Verjüngung des „Musikantenstadls“. Denn das Quotendesaster der „Stadlshow“ hat bei den Verantwortlichen einen so tiefen Eindruck hinterlassen, dass Herres zugeben muss: „Der Bruch war zu radikal.“ Statt auf Andy Borg und seinen „Musikantenstadl“ hatte man kürzlich bekanntlich auf die beiden jungen Moderatoren Francine Jordi und Alexander Mazza gesetzt. Nur 2,5 Millionen Zuschauer wollten das sehen. Wenn sich die Quote fast halbiere, müsse noch intensiv am Format gearbeitet werden, sagte Herres. Die nächste Ausgabe sei der traditionelle „Silvesterstadl“, der ohnehin ein anderes Sendekonzept habe.

Eine Premiere anderer, freudigerer Art, hatte zuvor der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor zu verkünden – allerdings keinen Film, sondern einen Bericht, in dem Zahlen die Hauptakteure geben: Erstmalig lege man Rechenschaft darüber ab, wie viele Aufträge an wen gehen, sagte Marmor bei der Verkündung des ersten Produzentenberichts. Demnach lag der Gesamtwert aller Auftrags-, Ko- und Mischproduktionen der ARD-Landesrundfunkanstalten und der Degeto im vergangenen Jahr bei mehr als 700 Millionen Euro. 494 Millionen davon gingen an unabhängige Produzenten, und „von deren vielfältiger Kreativität lebt unser Programm“, betonte Marmor. Der Bericht soll künftig jedes Jahr veröffentlicht werden und zur Information auch der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) übermittelt werden. Marmor sprach von „einem weiteren Schritt zu mehr Transparenz“.

Warum sind das so wenig Frauen?

Außerdem wollen die ARD-Sender mehr Produktionen mit Regisseurinnen besetzen. Ein erstes Ziel wurde von Herres so umrissen: In drei Jahren soll bei jeder fünften fiktionalen Produktion eine Frau die Regie führen. Die Erfahrung zeige laut Herres: Mit gutem Willen allein lasse sich der Anteil weiblicher Regiebesetzungen offenbar nicht ausbauen. Das Ziel von zwanzig Prozent sei aber nur „ein erster Schritt“ – eigentlich wolle man natürlich mehr. Im Rahmen ihrer Medienforschung unterstütze die ARD auch eine Studie, die den Ursachen des bisherigen Ungleichgewichts – Stichwort Durchsichtigkeit – auf den Grund gehen soll.

Klare Sicht herrscht beim Senderverbund natürlich auch stets, wenn es darum geht, die Zukunft im Blick zu haben. Im „Prozess digitaler Transformation“ stehe auch ein Vollprogramm stets vor Veränderungen, betonte Volker Herres. Leitplanken müssten her, die Frage gestellt werden „Wo sind unsre Stärken?“. Da diese inhaltlicher Natur seien, müsse man im Programm „Ereignisse schaffen“, „bewusst das Regelprogramm sprengen“. Ein Beispiel: An diesem Donnerstag findet der Flüchtlingsgipfel statt – entsprechend dazu widmet sich um 20.15 Uhr das Erste in einer neunzigminütigen Sondersendung der Flüchtlingsproblematik: „Fluchtziel Deutschland – Schaffen wir den Kraftakt?“ Generell zum Thema Flüchtlinge haben sich die Deutsche Welle (DW) und die ARD-Landesrundfunkanstalten auf eine enge Kooperation bei der Berichterstattung verständigt. Vorgesehen ist, den Austausch von Sendungen und Beiträgen zu intensivieren. So hat die DW Erklärfilme des WDR zum politischen System der Bundesrepublik ins Arabische übersetzt. Sie werden bei der DW auf den speziellen Onlineseiten für Flüchtlinge zu sehen sein. Die DW übernimmt Beiträge zum Thema Flüchtlinge von der Tagesschau, den Tagesthemen und vom Morgenmagazin der ARD. Die ARD ihrerseits ist interessiert an Reportagen der Arabisch-Redaktion der DW und deren Kontakte in der arabischen Welt.

Einen Seitenhieb auf das ZDF konnte Herres sich nicht verkneifen: Man habe entschieden, keine Gala rund um das Flüchtlingsthema zu machen, man wolle es rein journalistisch begleiten. Auch wenn es nicht die feine Art ist, sich selbst zu erhöhen, indem man die Zweiten gleich zum Verlierer erklärt – mit der verkorksten Kerner-Gala hatte sich das Zweite wahrlich keinen Gefallen getan.




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