Internationaler Tag der Pflege in Stuttgart Jetzt brauchen die Pfleger Unterstützung

Zur Pflege gehört Zuwendung, doch dafür braucht das Personal Zeit. Foto: dpa/Tom Weller
Zur Pflege gehört Zuwendung, doch dafür braucht das Personal Zeit. Foto: dpa/Tom Weller

Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflege. Eine Gruppen von Beschäftigten aus Kranken- und Gesundheitsberufen setzt sich für höhere Personalschlüssel und bessere Arbeitsbedingungen ein und fordert gesellschaftliche Unterstützung. Der Walk of Care findet in Stuttgart auf dem Schlossplatz statt.

Lokales: Barbara Czimmer (czi)
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Stuttgart - Zu Beginn der Pandemie waren sie Helden der Arbeit: Krankenpfleger, Altenpfleger, Helfer in sozialen Diensten. Der Beifall, der ihnen von Balkonen herab und auf Plätzen gespendet wurde, ist verklungen, geblieben seien „chronische Überlastung, die anhaltend schlechten Arbeits- und Rahmenbedingungen und das mangelnde Mitspracherecht der Pflegeprofis“, monieren die Beschäftigten. Darauf wollen sie am Mittwoch, 12. Mai, bundesweit und in Stuttgart (Schlossplatz) von 6 bis 18 Uhr mit einer Mahnwache aufmerksam machen.

Viele kehren dem Beruf den Rücken

Der „Walk of Care“ wird getragen von Menschen aus Pflege- und Gesundheitsberufen unabhängig von der Betriebs- oder Gewerkschaftszugehörigkeit. Die Bewegung entstand 2016 in Berlin und engagiert sich für eine bessere Personalausstattung, Ausbildung und Fortbildung. „Aufgrund der Missstände haben allein im vergangenen Krisenjahr über 9000 Pflegende den Pflegeberuf verlassen“, argumentieren sie. „Es nützt ja nichts, die Intensivkapazitäten auszubauen, wenn das nötige Pflegepersonal nicht bereitsteht“, sagt einer von ihnen, der Stuttgarter Krankenpfleger Johannes Lechner, der in Freiburg Angewandte Pflegewissenschaften studiert.

Der Personalbedarf deckt Pflegerisches nicht ab

Nicht eine Untergrenze, sondern der reelle Personalbedarf müsse gesetzlich festgeschrieben werden, die Pflegediagnose müsse in den Leistungskatalog der Fallpauschalen aufgenommen werden und insbesondere die Fort- und Weiterbildung brauche Festlegungen, weil es derzeit viele Angebote, aber Differenzen bei der Anerkennung gebe. Die Pflegenden plädieren unter anderem deswegen für eine eigene berufsständische Vertretung wie eine Pflegekammer, die Fortbildungen regulieren könnte.

Die Gewerkschaft Verdi hat Vorbehalte gegen eine Kammer, weil sie keine anderen Instrumente zur Verfügung stelle als die, die es schon heute gebe, um auf die Politik einzuwirken. Bei den jüngsten Tarifverhandlungen haben die Gewerkschaften ein höheres Einstiegsgehalt für Berufsanfängerinnen und -anfänger erreicht sowie eine Gehaltserhöhung für Beschäftigte mit langer Berufserfahrung.

Mahnung an die Gesellschaft

Um mehr politische Mitbestimmung der Pflegenden, um eine gerechte Finanzierung des Gesundheitssystems und um die Unterstützung der Gesellschaft werben Johannes Lechner und seine Mitstreiter am Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai zudem. „Wir setzen uns täglich für die Gesellschaft ein. Deswegen geht Pflege uns alle an.“




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