InterviewEx-Bildungsministerin Annette Schavan „Ich ziehe wieder ins Ländle“

Von Almut Siefert 

Die frühere Bildungsministerin Annette Schavan war vier Jahre lang Botschafterin am Heiligen Stuhl, nun kehrt sie wieder nach Deutschland zurück. Ein Gespräch über ihre Zukunftspläne und darüber, wie es sich mit zwei Päpsten in Rom lebt.

Die Amtszeit von Botschafterin Annette Schavan in Rom neigt sich dem Ende zu Foto: Deutsche Botschaft am Heiligen Stuhl
Die Amtszeit von Botschafterin Annette Schavan in Rom neigt sich dem Ende zu Foto: Deutsche Botschaft am Heiligen Stuhl

Rom - Vier Jahre hat Annette Schavan als Botschafterin am Heiligen Stuhl verbracht. Am 28. Juni wird sich die 63-jährige bekennende Katholikin aus Rom verabschieden. Nun schmiedet die Ex-Bildungsministerin Pläne für die Zukunft – und blickt zurück auf ihre wichtigsten Momente im Schatten des Vatikans.

Frau Schavan, am 30. Juni endet Ihre Amtszeit als deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl. Was werden Sie nun tun?
Ich ziehe wieder ins Ländle, nach Ulm und werde im Sommer viel am Bodensee sein. Auf meinem Schreibtisch liegen bereits viele Anfragen, was ich alles machen könnte – die werden auch noch ein paar Wochen liegen bleiben, bevor ich mich entscheide. Den Sommer über werde ich schreiben und im Herbst eine Vortragsreise in die USA machen.
Von wem kommen die Angebote auf Ihrem Schreibtisch?
Die Angebote haben mit Stiftungen zu tun, mit den internationalen Fragen, mit denen ich mich hier beschäftigt habe. Ich werde mir außerdem mehr Zeit nehmen für meine Gastprofessur in Shanghai.
Sie haben vier Jahre in Rom gelebt. Was wird Ihnen fehlen, wenn sie hier wegziehen?
Das Licht. Das Licht in Rom ist etwas wirklich Besonderes.
In Ulm ist es ja etwas trüber.
Sagen Sie nicht trübe!
So war das natürlich nicht gemeint. Haben Sie Angst, dass das alte Thema mit den Plagiatsvorwürfen in Deutschland wieder aufkommt?
Nein.
Was ist das Besondere an der vatikanischen Diplomatie?
Wir haben es mit einem Partner zu tun, der so viel Wissen über Gott und die Welt hat, wie vermutlich keine andere Institution. Hier bekommt man mit, in wie vielen Auseinandersetzungen, in wie vielen schwierigen Situationen die Diplomatie des Vatikans gefragt ist und dass sie eine Autorität hat, die bemerkenswert ist. Der Vatikan ist nicht Mitglied eines Bündnisses, hat aber viel Erfahrung mit der Integration ganz unterschiedlicher Kulturen. Und das ist heute eine ganz entscheidende Frage: Was passiert, wenn Kulturen sich begegnen, wie ist es, wenn man sich immer näher kommt? Die katholische Kirche ist auf allen fünf Kontinenten präsent. Mehr als 180 Länder der Erde pflegen diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl. Darunter sind auch Länder, in denen das Christentum kaum oder gar keine Rolle spielt. Der Heilige Stuhl ist für alle Staaten wichtig, weil er als Gesprächspartner eine besondere Quelle für Einschätzungen und Wissen ist.
Sie haben Papst Franziskus und seinen Vorgänger Benedikt kennengelernt – wie haben die beiden das Amt geprägt?
Wir haben einen Papst: Franziskus. Und wir haben einen emeritierten Papst: Benedikt XVI. Diese beiden aufeinanderfolgenden Pontifikate sind für die Geschichte der Kirche bedeutsam, auch weil sie so unterschiedlich sind. Benedikt, der sich viel mit Europa beschäftigt hat und auch ein großer europäischer Intellektueller ist. Und Franziskus mit seinem starken Appell, die Perspektive zu wechseln, sich der Peripherie zu widmen, um ein Gespür dafür zu bekommen, was für die Zukunft bedeutsam sein kann. Es ist ein Glücksfall für die Geschichte, dass diese beiden Pontifikate hintereinander zustande gekommen sind.



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