Interview mit Basels-Trainer Heiko Vogel "Es gibt kein Bayern-Gen"

Von Oliver Trust 

Der Trainer Heiko Vogel trifft mit dem FC Basel am Mittwoch auf den FC Bayern München. Er setzt auf das Selbstvertrauen der Mannschaft.

Der deutsche Trainer des FC Basel, Heiko Vogel, hebt den Daumen am 07.12.2011 nach dem Champions-League-Gruppenspiel FC Basel gegen Manchester United in Basel. Foto: dpa 2 Bilder
Der deutsche Trainer des FC Basel, Heiko Vogel, hebt den Daumen am 07.12.2011 nach dem Champions-League-Gruppenspiel FC Basel gegen Manchester United in Basel. Foto: dpa

Basel - Basels Trainer Heiko Vogel kennt den Gegner Bayern München noch aus seiner Zeit als Nachwuchscoach. "Das war wie ein Sechser im Lotto", sagt der gebürtige Pfälzer.

Herr Vogel, wir hören immer wieder, dass die Schweizer die Deutschen mit Misstrauen betrachten. Wie ist es bei Ihnen?

Ich gebe mir Mühe, dass sie mich mögen können. Die Schweizer halten uns Deutsche für übertrieben selbstbewusst. Ich versuche, offen auf die Menschen zuzugehen. Nur einmal hatte ich zuletzt meine Probleme mit der Schweiz.

Wobei?

Ich habe mich beim Umzug verletzt.

Haben die Nachbarn nicht genug geholfen?

Nein, ich habe mich mit einem Schweizer Taschenmesser geschnitten und geblutet wie verrückt. Ich musste aber so lachen, weil ich mich als deutscher Trainer des FC Basel mit einem Schweizer Taschenmesser schneide. Der Zeigefinger musste genäht werden, aber ich habe es überlebt.

Sie sind in Bad Dürkheim in der Pfalz geboren, da hat Sie sicher der Pfälzer Fußball geprägt, also Leidenschaft und Kampf?

Ich war als Kind Bayern-Fan.

Das klingt nach einer schweren Kindheit.

Man könnte sagen, ich habe mich schon damals nicht verbiegen lassen. Oder ich war mutig. Wie Sie wollen.

Wie viel FC Bayern steckt noch in Ihnen?

Neun Jahre Lebenserfahrung. Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag das "Mir san mir" aufsage.

Und wie viel Bayern-Gen?

Es gibt kein Bayern-Gen.

Mit dieser Aussage revolutionieren Sie seit Jahrzehnten unumstrittene Erkenntnisse der Sportwissenschaft.

Es gibt gewisse Schemata, die zeigen, warum etwas gut funktioniert. Etwa, weil es innovativ und trotz Talent fleißig ist. Wenn das ein Sieger-Gen ist, bitte.

Hat jemand, der Manchester United geschlagen hat, Angst vor Bayern München?

Ich habe nur Höhenangst. Bayern ist eine Herausforderung, die wir nicht unterschätzen.

Was imponiert Ihnen an Bayern München?

Trotz der Konzerngröße, ist es ein familiärer, nachhaltig und gnadenlos effizienter Verein. Der FC Bayern ist die Topmarke im Weltfußball, wenn man alle Faktoren nimmt. Gesünder kann ein Verein wirtschaftlich und sportlich nicht dastehen.

Wie intensiv ist der Kontakt nach München noch heute?

Meine Familie lebt am Tegernsee und bleibt dort. Ich will ihr kein Nomadentum zumuten. Das wird auch mein Fixpunkt bleiben.

Als Fußballer haben Sie es nicht weit nach oben geschafft, dann waren Sie Jugendtrainer und Assistent.

Durch die Nichtprofikarriere habe ich Fußball aus anderen Blickwinkeln gesehen. Und das hilft mir, mich als Trainer durchzusetzen.

Sie haben in München Sport studiert . . .

. . . die 90 Minuten auf dem Rasen und alles außen herum haben an Intensität gewonnen. Da hilft es, wenn man über die Begebenheiten des menschlichen Körpers und der Trainingslehre Bescheid weiß.

Was ist Ihnen als Trainer wichtig?

Würde und Respekt. Ehrlich zu sein, offen, authentisch, verlässlich - und ich will Spaß am Spiel vermitteln.

Das heißt, Sie sind ein sehr positiver Mensch?

Ich lache gerne und liebe Humor. Lachen drückt für mich ein Lebensgefühl aus.




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