Interview mit Erik Meijer „VfB-Profis könnten profitieren“

Erik Meijer kennt sich mit dem Jubeln aus – und mit Geisterspielen. Wir zeigen in der Bilderstrecke noch einmal Eindrücke aus dem Hinspiel des VfB gegen Lazio. Foto: dpa 13 Bilder
Erik Meijer kennt sich mit dem Jubeln aus – und mit Geisterspielen. Wir zeigen in der Bilderstrecke noch einmal Eindrücke aus dem Hinspiel des VfB gegen Lazio. Foto: dpa

Stuttgart - Am Donnerstag tritt der VfB Stuttgart ohne Publikum bei Lazio Rom in der Europa League an. Was die Mannschaft des Trainers Bruno Labbadia erwartet, weiß der Niederländer Erik Meijer (43). Der frühere Stürmer, der mittlerweile als TV-Experte für Sky tätig ist, stand am 26. Januar 2004 beim ersten Geisterspiel im deutschen Profifußball auf dem Platz: bei der Zweitliga-Partie zwischen Alemannia Aachen und Nürnberg (3:2). Sie wurde vor leeren Rängen wiederholt, weil Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf im ersten Spiel von einem Wurfgeschoss am Kopf getroffen worden war.

Herr Meijer, machen Geisterspiele Spaß?
Nein. Ich erinnere mich vor allem daran, wie untypisch alles rund um diese Partie war. Eigentlich ist ja immer viel los, wenn man zum Stadion in Aachen kommt. Aber damals gab es keinen Rummel, keinen Lärm, überhaupt nichts. Es war eines der seltsamsten Spiele meiner Karriere. Besonders als ich zum Aufwärmen zum ersten Mal auf den Platz gelaufen bin, hatte ich ein ganz komisches Gefühl.

Warum?
Ich habe mich gefragt: Geht es hier wirklich um etwas? Oder spielt Traktor Dorf gegen einen anderen Provinzclub? Es waren ja nur wir da, die Nürnberger und Betreuer.

Wie lief es dann während der Partie?
Es kam einfach nichts von den Tribünen – und so hatte das Ganze wenigstens ein Gutes: wir konnten uns mit den Mitspielern enorm gut auf dem Feld verständigen. Sonst versteht man ja nie, was einer ruft, wenn er 50 Meter entfernt steht.

Dann hat so ein Spiel vor leeren Rängen also auch Vorteile?
Ach Quatsch, man wird doch Profifußballer, um etwas zu zeigen – vor vielen Zuschauern. Ich hätte ansonsten ja auch beim Dorfverein in meinem Heimatort Meerssen bleiben können. Die Stimmung in einem Stadion ist eine große Motivation.

Könnte die Situation im leeren Stadio Olimpico dem VfB nützen?
Die Stuttgarter könnten davon profitieren, weil sie nicht von den Ultras abgelenkt werden. Normalerweise schaukelt sich die Stimmung in Rom ja schon hoch. Nun können sie sich allein darauf konzentrieren, was sich auf dem Platz abspielt. Und sie werden sich wohl zum ersten und einzigen Mal bei so einem großen Spiel gut untereinander verstehen – zumindest akustisch. Aber die Chancen der Stuttgarter sind nach dem 0:2 im Hinspiel nur minimal, ob nun mit oder ohne Publikum.

Können Sie sich erklären, warum der VfB so eine seltsame Saison spielt?
Es ist wirklich ungewöhnlich, dass die Stuttgarter im DFB-Pokal das Halbfinale erreicht haben, in der Europa League so weit gekommen sind, aber in der Liga so schlecht dastehen. Normalerweise läuft es ja überall nicht. Eine einfache Erklärung kann ich nicht liefern, zumal ja auch Vedad Ibisevic seine Form sucht, seit es kalt ist.