InterviewInterview mit Ex-Biathletin Uschi Disl „Die Frauen müssen sich freischaufeln“

Von Das Gespräch führte Johannes Scharnbeck 

Die frühere Biathletin Uschi Disl spricht über Magdalena Neuner, die Befreiung nach dem Karriereende und Umschulungen.

Uschi Disl war eine der erfolgreichsten Biathletinnen Deutschlands. Foto: TASR
Uschi Disl war eine der erfolgreichsten Biathletinnen Deutschlands. Foto: TASR

Stuttgart - Uschi Disl ist eine der erfolgreichsten Biathletinnen Deutschlands gewesen. Die 41-jährige Doppel-Olympiasiegerin schwärmt von Magdalena Neuner, die heute (15.15 Uhr/ARD) in der Staffel und morgen im Massenstart ihre letzten WM-Rennen bestreiten wird „Alles prallt von ihr ab. Ich bin mit dem Druck nicht so gut klargekommen.“


Frau Disl, die Arena in Ruhpolding galt als Ihr „Wohnzimmer“. Mit der WM ist der Ort erneut in neue Dimensionen vorgestoßen.
So etwas habe ich nicht erwartet. Bei meinem ersten Weltcup 1991 sind die Zuschauer uns wieder entgegengekommen und heimgegangen. Da hatten wir Frauen überhaupt keine Besucher. Und jetzt sind es 28 000. Es ist unglaublich, was für eine Entwicklung Biathlon genommen hat. Aber es ist ja auch der schönste Sport, den es gibt.

Wird der Boom noch weitergehen?
Man sagt immer, eigentlich geht es nicht mehr. Aber am Ende geht es doch weiter. Selbst das neue Stadion in Ruhpolding ist ja fast wieder zu klein. Es ist alles voll.

Die Zuschauer kommen besonders wegen Magdalena Neuner. Warum hat sie trotz des großen Drucks bereits einen kompletten Medaillensatz beisammen?
Lena ist einfach cool geworden. Sie hat ja früher immer mal Schießproblemchen gehabt. Die hat sie aber völlig in den Griff gekriegt. Jetzt prallt alles von ihr ab, und sie macht das einfach toll.

Wieso tritt sie so dominant auf?
Sie hat eben das große Glück, dass zurzeit keine große Konkurrentin da ist. Darja Domratschewa kann zwar läuferisch mithalten. Aber dann wird es dünn: Es gibt zwar noch Tora Berger und Kaisa Mäkäräinen, doch Lena muss schon danebenschießen, damit die anderen eine Chance haben.

Sehen Sie zwischen ihnen Parallelen?
Nein, ich war beim Schießen nicht so cool. Ich habe es eben nicht von der Pike auf gelernt, musste mir vieles selbst beibringen – und dabei schleichen sich Fehler ein. Aber ich habe immer getroffen, wenn es wichtig war. So hatte ich natürlich schöne Erfolge bei Olympia und Weltmeisterschaften, aber bei mir lief es ja auch nicht immer so.

Sie haben ihre Karriere 2006 nach 16 Jahren beendet. Hatten Sie schon vorher daran gedacht, aufzuhören?
Nein, und man muss eines auch ganz klar sagen. Lena kann es sich bestimmt auch leisten. Wer mit 25 ausgesorgt hat – und das hat sie mit Sicherheit – kann sich locker überlegen, aufzuhören. Das war zu meiner Zeit nicht der Fall. Mit 25 hatte ich keinen Cent verdient. Da wäre es nahtlos ins Berufsleben übergegangen und ich hätte nicht sagen können: Ich mache nur noch etwas, woran ich Spaß habe.

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