InterviewInterview mit Landrat Wolff „Zum Kredit gab es keine Alternative“

Von Klaus Nonnenmacher 

Der Landrat Edgar Wolff ist betroffen über die Situation bei der WMF, verteidigt aber auch die Kreissparkasse, die die Übernahme durch den Finanzinvestor KKR finanziert hatte. Insgesamt sieht er den Landkreis, trotz aller Probleme, auf einem guten Weg.

„Ich versuche, meine Arbeit recht zu machen“, sagt Landrat Edgar Wolff. Foto: Horst Rudel
„Ich versuche, meine Arbeit recht zu machen“, sagt Landrat Edgar Wolff. Foto: Horst Rudel
Göppingen – - Die Amtszeit von Edgar Wolff geht in die entscheidende Phase. Fünf Jahre sind vorbei, drei Jahre hat der Göppinger Landrat noch vor sich. Vieles ist angestoßen, doch vieles geht nur zäh voran. „Natürlich bin ich damit nicht zufrieden“, sagt er. Trotzdem bleibt er Optimist und freut sich auf den neuen Kreistag.
Der Kampf der WMF-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze ist zurzeit das beherrschende Thema im Kreis. Was kann die Kreispolitik tun, um den Mitarbeitern zu helfen?
Wir empfinden Solidarität mit den Betroffenen und helfen gerne zum Beispiel in allen sozialen oder auch Beschäftigung betreffenden Fragen. Die Solidarität war und ist mir ein wirkliches Anliegen. Jetzt ist das zum Teil leider in Widerspruch gebracht worden zur Finanzierung der KKR-Übernahme durch die Kreissparkasse. Ich glaube aber, dass wir mittlerweile klarmachen konnten, dass wir vor zwei Jahren bei der Kreditbewilligung uns auch solidarisch mit der WMF gefühlt haben. Wir waren der festen Überzeugung, zum Wohl des Unternehmens zu entscheiden.
Sie sitzen im Kreditausschuss der Sparkasse. KKR war für Sie damals nicht als Heuschrecke erkennbar?
Manche sagen, man hätte nur googeln müssen, um negative Beispiele zu finden. Aber man findet eben genauso auch positive Beispiele, auch Beispiele, wo ein Investor wie die KKR die Belegschaft nach der Übernahme deutlich erhöht hat. Damals sprachen viele Gründe für ein Engagement. Und die  Entscheidung, die WMF als größten Arbeitgeber mit einer traditionellen Geschäftsbeziehung zur Kreissparkasse nicht zu unterstützen, war eben keine wirkliche Alternative. Hätte es dann nicht geheißen: Warum macht ausgerechnet die Kreissparkasse nicht mit? Wir konnten damals nicht voraussehen, dass jetzt so viele Arbeitsplätze wegfallen sollen. Ich sehe das natürlich mit großer Sorge.
Für die Sparkasse war es ein Imagefiasko.
Ja, ein Imageschaden ist sicher entstanden. Aber Risiken zu übernehmen gehört zu den Kernaufgaben einer Bank. Bei der Finanzierung von Unternehmen entstehen finanzielle Risiken. Aber es können auch Risiken in der Unternehmensentwicklung bestehen. Das lässt sich nie ganz ausschließen. Mit Standortgarantien hat die Kreissparkasse versucht, diese Risiken zu begrenzen.
Offenbar sind sie nicht viel wert. Wurden im Krisenmanagement bei der Sparkasse Fehler gemacht?
Ich neige immer dazu, die Dinge auf den Tisch zu legen und Informationen transparent zu machen. Aber in so einem Fall, in dem es auch um die Interessen von Firmen beziehungsweise Kunden geht, ist die Kreissparkasse gefordert, sensibel mit Informationen umzugehen und das Bankgeheimnis zu wahren.
Das Bekenntnis, „Hoppla, wir hatten uns das auch anders vorgestellt“, wäre aber sicher früher möglich gewesen.
Sicherlich ist das Engagement aus heutiger Sicht zu hinterfragen. 2012 war das aber ganz anders. Die Entscheidung wurde vor dem Hintergrund der damaligen Situation und der damaligen Rahmenbedingungen getroffen.
Jetzt gibt es eine kleine Hoffnung. Der Aufkauf der restlichen Vorzugsaktien durch die KKR läuft offenbar schleppend.
Daran hat sich die Kreissparkasse bewusst nicht beteiligt. Aber wenn die komplette Übernahme der WMF misslingt, ändert dies wohl nichts an den beschlossenen Maßnahmen.