Interview mit Michael Zeyer vom 5 „Als Profi habe ich auch nie aufgegeben“

Von Michael Weier 

Michael Zeyer ist einen für frühere Fußball-Profis ungewöhnlichen Weg gegangen: Es hat mitten in der Stuttgarter Innenstadt ein Restaurant eröffnet, das seit vielen Jahren einen Michelin-Stern erhält. In der Krise steht für ihn klar: Kämpfen bis zur letzten Minute.

Michael Zeyer präsentiert die Dinner-Box fürs Menü to go. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Michael Zeyer präsentiert die Dinner-Box fürs Menü to go. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Michael Zeyer war schon als Fußball-Profi ein bisschen anders. Er spielte beim SC Freiburg, beim 1. FC Kaiserslautern und eine Saison beim VfB Stuttgart. Aber auch zum Ende der Karriere auf Island, weil ihn das Land reizte. Und dann studierte er BWL – unter anderem in Sankt Petersburg. Michael Zeyer legte immer Wert darauf, über den Tellerrand raus zu blicken. Heute leitet er zusammen mit seiner Partnerin Anja Dold das Restaurant 5 an der Bolzstraße, das von der Internet-Plattform Tripadvisor (also durch Gästebewertungen) zum besten Gourmet-Tempel Deutschlands gekürt worden ist, zudem vom „Großen Guide“ zum „Lifestyle-Restaurant des Jahres“. Der Vater von zwei kleinen Kindern geht die Krise an wie einst ein Fußballspiel: Aufgeben verboten.

Herr Zeyer, hier brodelt es normal wie in einem Fußballstadion. Nun ist der Laden leer wie ein solches. Wie ist da Ihre Gefühlslage?

Das waren in den vergangenen Wochen verschiedene Zustände, von verärgert bis verzweifelt. Schlaflose Nächte waren auch einige dabei ...

... aber als ehemaliger Fußballprofi sind Sie das Kämpfen gewohnt?

Genau. Ich war immer der Typ, der bis zur 90. Minute nie aufgegeben hat, der immer an die Wende geglaubt hat. So ist das nun auch in der Coronakrise. Wir haben uns geschüttelt und mit den Mitarbeitern geredet, und nun gehen wir es an.

Ihr Konzept unterscheidet sich etwas von Lieferservice und Abholung bei anderen Lokalen?

Wir haben auch tischfertige Gerichte zwischen 10 und 20 Euro im Angebot. Aber eben auch das „To go – Chef de Cuisine“.

Das bedeutet?

Das Menü ist von unserem Küchenchef Alexander Dinter zubereitet, hier können die Gäste eine Dinner-Box mit nach Hause nehmen oder sich liefern lassen, in der schon alles für ein feines Essen vorbereitet ist. Dazu gibt es eine Anleitung, wie genau sie dieses dann zu Hause fertig stellen. Eigentlich braucht man nur eine Pfanne.

Das Lokal zu schließen war keine Option?

Nein. Über die Kurzarbeit wird das Problem ja nur auf die Mitarbeiter verlagert. Viele hätten halt sehr wenig. Und unsere Mitarbeiter sind letztlich unser Kapital. Was wir hier erreicht haben, geht nur mit entsprechend guten Leuten – und die wollen wir natürlich nicht verlieren. Zuletzt waren wir so gut unterwegs wie noch nie, nachdem wir von Trip-Advisor als beliebtestes Gourmetlokal Deutschlands ausgezeichnet worden sind.

Spüren Sie Solidarität?

Wir haben von unseren Gästen auf unser Angebot einen guten Zuspruch. Aber natürlich ist das eine echte Belastungsprobe.

Als Ex-Profi können Sie nicht kurz auf Ihr Erspartes zurückgreifen?

(lacht) Zu meiner Zeit gab’s noch nicht so viel. Und das steckt alles hier drin.

Wie sehen Sie die Soforthilfen?

Das lief recht unbürokratisch und einfach. Ich hoffe, das läuft. Wobei es dabei ja zunächst nur darum geht, die Zeit zu bekommen, um sich zu sortieren.

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