InterviewInterview mit „Toni Erdmann“-Regisseurin Maren Ade „Das Scherzen ist auch Zeichen der Verzweiflung“

In Winfried Conradi, den Lehrer, der gern Scherze mit Plastikzähnen und Perücken treibt und seiner Tochter in Verkleidung in Bukarest nachstellt, seien Züge Ihres eigenen Vaters eingeflossen, haben Sie einmal bekannt. Welche denn?
Mein Vater hat immer schon gerne gescherzt und war auch mal albern. Er hat einen sehr guten Humor, von dem ich hoffentlich ein bisschen etwas geerbt habe. Aber bei Winfried Conradi ist dieses Scherzen ja auch Zeichen einer Verzweiflung. Seine Verkleidungen und Streiche steigern sich zu einer Ausbruchsfantasie, zur Figur Toni Erdmann. Die ist der Kontrast zur Tochter, die in ihrem Leben blieben und ihre Rolle immer besser ausfüllen will. Ich habe über Komiker und ihre Nummern lange recherchiert, und bin auch auf den sehr bitteren Amerikaner Andy Kaufman gestoßen. Der hat ziemlich schräge Sachen gemacht. Eine seiner Bühnenfiguren war der unglaublich mies gelaunte Lounge-Sänger Tony Clifton, der sein Publikum beschimpft hat. Der Vorname von Toni Erdmann ist ein kleiner Hinweis auf Clifton.
Aber steckt in Conradis Humor nicht auch viel des alten deutschen Filmklamauks, ins Ernste gewendet. Kann man da nicht den Humor von Heinz Erhardt und Co. durchschimmern sehen?
Es sind ja immer eine ganze Menge Sachen, die zusammenfließen, um etwas Neues zu formen. Heinz Erhardt war nicht ganz meine Zeit, aber mit Loriot und vor allem Gerhard Polt konnte ich immer viel anfangen. Da ist bestimmt etwas eingeflossen.
Aber noch die naivsten Figuren von Polt haben etwas Böses und Verschlagenes.
Das ist der Unterschied. Egal, was er anstellt, Winfried Conradi ist nicht böse.




Unsere Empfehlung für Sie