Interview mit Ulrike Folkerts Der „Tatort“ bringt ihr Freiheit

Von Ulla Hanselmann 
Mit der Konkurrenz und der Popularität steigt aber auch der Quotendruck, wer da absackt läuft Gefahr, aussortiert zu werden.
Die Quote ist kein Maßstab für Qualität, aber man benutzt sie als Messinstrument dafür, das ist die Crux. Andererseits steht die Quotenfixierung im Widerspruch zum Sparkurs, den die ARD beim „ Tatort“ fährt.
Wie macht sich der Sparzwang bemerkbar?
Als ich anfing, hatte ich 32 Drehtage für eine Folge, heute sind es 24, und ich weiß, dass andere mit 21 oder 22 Tagen auskommen müssen. Wir hatten viel mehr Zeit, Dinge auszuprobieren. Und aus Kostengründen wird heute mehr geschummelt.
Geschummelt?
Unser „Tatort“ wird nicht unbedingt an Originalschauplätzen gedreht. Dabei ist Ludwigshafen so eine spezielle Stadt, da vergibt man sich eine Farbe, die uns guttun würde! Wir sind freilich nicht die Einzigen, ich habe gehört, der Münster-„Tatort“ wird in Köln gedreht.
Für die Mutlosigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist aber nicht allein das Geld ausschlaggebend.
Nein, das liegt an den persönlichen Haltungen der Macher: Was traut man sich, wie kritisch will man sein? Früher hieß es: macht einfach, und man musste nicht wegen jedem Satz, den man im Drehbuch änderte, Rücksprache halten. Ich war gerade beim First Steps Award, einer Auszeichnung für junge Filmemacher. Die haben Fantasie und den Mut, das Erzählen neu zu erfinden. Denen sagt man dann: Lasst euch nicht verbiegen! Ich würde stattdessen eher den Sendern raten: Lasst euch doch mal von der Fantasie der Jungen beeindrucken!
Ihr Kollege Dominic Raacke nannte seinen Ausstieg aus dem Berliner „Tatort“ eine „Befreiung“. Selber schon mal ans Aufhören gedacht?
Nein. Ich sehe das anders: Ich bin frei, gerade weil ich den „Tatort“ machen darf. Ich liebe den „Tatort“, ich habe dadurch gut zu tun und darüber hinaus kann ich frei entscheiden, was ich zusätzlich machen will. Ohne „Tatort“ müsste ich wie viele Kollegen manche Rolle annehmen, nur um meine Miete bezahlen zu können.
Wo sehen Sie Lena Odenthal in zehn Jahren?
Keine Ahnung. Das hängt auch vom SWR ab, ich bekomme nur von Jahr zu Jahr einen Vertrag. Eine Altersgrenze habe ich mir nicht gesetzt. Interessant ist doch die Frage, ob Lena noch eine Entwicklung durchmacht und wenn ja, wohin. Womöglich wird sie noch Privatdetektivin, wie Miss Marple, die fand ich immer klasse.




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