Interview mit Unheilig Adel verpflichtet

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Die Band Unheilig ist ganz oben angekommen: Drei Tage nach seiner Veröffentlichung hat das neue Album „Große Freiheit“ Goldstatus erreicht. Vor dem Konzert in Stuttgart am Freitag spricht der Graf im StZ-Interview über Selbstzweifel, die Gothic-Szene und Carmen Nebel.

Der Graf kommt mit  Unheilig auf den Cannstatter Wasen. Foto: dpa 6 Bilder
Der Graf kommt mit Unheilig auf den Cannstatter Wasen. Foto: dpa
Stuttgart – Vor wenigen Jahren kannten nur die wenigsten die Band Unheilig, heutzutage zählt sie zu den deutschen Topstars. Von ihrem vorletzten Album „Große Freiheit“, erschienen 2010, hat die Band Unheilig über anderthalb Millionen Exemplare verkauft, es war das mit Abstand meistverkaufte Album in Deutschland im Jahr 2010. Das im März dieses Jahres veröffentlichte Unheilig-Album „Lichter der Stadt“ hat bereits drei Tage nach seiner Veröffentlichung mit 100 000 verkauften Exemplaren Goldstatus erreicht, mit Sicherheit wird es abermals das bestverkaufte Album des Jahres werden.
Herr Graf, sind Sie von Ihrem plötzlichen Erfolg überrascht worden?
Im Jahr 2010 schon. Geplant ist ja eigentlich nur ein Album gewesen und eine kleine Tour über zwei Monate. Dann nahm das Züge an, die wir nicht geplant haben. Ich glaube, so etwas kann auch niemand planen. Es gab nie einen großen Masterplan, der da hieß: wir bringen jetzt ein Album raus, und das wird der absolute Wahnsinn. Das war schon eine Welle, die da auf einen zukam, und das war auch nicht ganz leicht. Aber ich mache das ja auch gerne. Ich habe einen Plan gehabt, und ich habe zehn Jahre drauf hingearbeitet. Ich kam mir mit dem Erfolg vor wie der kleine Junge vom Land, der plötzlich in die Großstadt kommt – wo du dich gar nicht zurechtfinden kannst, wo alles neu ist, ungewohnt.

Haben Sie Erklärungsversuche unternommen nach der Art: Warum hat das eine funktioniert, das andere nicht?
Man überlegt schon, warum manche Dinge erfolgreich sind. Der Tenor für mich ist: wir waren zehn Jahre lang wirklich fleißig. Wir haben das Ziel gehabt, irgendwann mit unserer Musik Erfolg zu haben, und wir haben auch sehr viel dafür getan. Im Grunde genommen ist es ein Arbeitserfolg. Wir haben vor zehn Jahren schon mit unserem ersten Album in Clubs gespielt, aber natürlich haben wir nie in den großen Medien stattgefunden. Und auf einmal kommt da ,Geboren um zu leben‘ und die Leute rufen bei den Radios an und sagen: Spielt das doch mal. Und plötzlich läuft deine Musik im Radio, und du kannst dich einem Publikum stellen, was vorher noch gar nichts von deiner Musik gehört hat. Der Erfolg ist nicht von einer Minute auf die andere gekommen, sondern der ist ja gewachsen.

Wie viel Prozent Arbeit, wie viel Prozent Glück stehen dahinter?
Neunzig Prozent Arbeit, zehn Prozent Glück.

Wenn man Erfolg hat, versucht man dann, die Rezepte zu kopieren? Oder sagt man: jetzt kann ich endlich mal machen, was ich schon immer mal machen wollte?
Ich sehe Musik noch immer als eine Art Freizeitbeschäftigung, als Hobby. Musik ist für mich immer noch nichts, wo ich völlig entnervt dasitze und denke: um Gottes willen, du musst jetzt wieder dieses oder jenes tun. Ich glaube, wenn der Anspruch im Jahr 2000 gewesen wäre, damit mal richtig Geld zu verdienen, wäre es in die Hose gegangen.