Stadtkind Stuttgart

Interview zum Cro-Film „Unsere Zeit ist jetzt“ „Der Typ hat so verdammt viel Fantasie“

Von Björn Springorum 

Nach vier Millionen verkauften Tonträgern und großen Konzerten bringt der Stuttgarter Rapper Cro seinen ersten Kinofilm raus. Der Regisseur, der Drehbuchautor und der Produzent standen dem Stadtkind Rede und Antwort.

Der Stuttgarter Rapper Cro spielt sich im Film Unsere Zeit ist jetzt selbst. Foto: Warner Bros. 2 Bilder
Der Stuttgarter Rapper Cro spielt sich im Film "Unsere Zeit ist jetzt" selbst. Foto: Warner Bros.

Stuttgart - Nach Kinderzimmern und Konzertbühnen erobert Cro das nächste Territorium. Mithilfe von Til Schweigers Produktionsfirma und seinem Label Chimperator bringt der Stuttgarter Rapper mit „Unsere Zeit ist jetzt“ am 6. Oktober 2016 ein betont zeitgeistiges Generationenportrait auf die Leinwand, das die Kinokassen natürlich ähnlich klingeln lassen soll wie man das von seinen Albumverkäufen kennt. Vier Millionen Tonträger hat der 26-jährige Panda bis heute abgesetzt, natürlich wird es auch in seinem ersten Film neue Songs von ihm geben. Dass es in „Unsere Zeit ist jetzt“ aber eigentlich gar nicht um ihn sondern eher um drei Heranwachsende geht, wird einerseits fleißig betont; andererseits möchte man natürlich trotzdem den beachtlichen Werbeeffekt nutzen, der von dem Maskenjungen ausgeht. Regisseur Martin Schreier von der Filmakademie Ludwigsburg, Drehbuchautor Arend Remmers und Produzent Sebastian Fruner von Chimperator Films standen dem Stadtkind Rede und Antwort.

 

Als das erste Mal das Gerücht die Runde machte, es gäbe einen Cro-Kinofilm, da dachten nicht wenige: Na super, Geburtsjahr 1990 und schon ein Film über sein Leben...

 

Martin Schreier: Klar, Cro steht am Anfang seiner Karriere. Einen Film über sein Leben zu machen, ergäbe natürlich wenig Sinn, also beschlossen wir, eher einen Film über sein Lebensgefühl zu machen. Der Typ hat so verdammt viel Fantasie und ein tolles visuelles Gespür. Das wollten wir einfangen.

 

Das Endprodukt ist ein ganz schöner Genre-Clash zwischen romantischer Komödie, Doku und Animationsfilm, der anfangs doch recht verworren wirkt. Wie entstand die ungewöhnliche Idee überhaupt?

 

Arend Remmers: Cro wollte von Anfang an kein Biopic über sich. Er wollte nicht, dass es sich nur um ihn dreht und hatte die klare Vorstellung, den Film als überbordendes Spektakel zu inszenieren. Wir hatten zig Ideen, wie der Film aussehen könnte – Hollywood-Flair, Doku, Animationsfilm, Zukunftsvision... und irgendwann beschlossen wir, das alles in einen Film zu packen.

 

Klingt so, als wäre es eine riesige Herausforderung gewesen, daraus einen stimmigen Film zu machen.

 

Arend Remmers: Es war ein ziemlicher Kraftakt, den uns von Anfang an eine ganze Menge Leute ausreden wollten. Wir und Cro haben aber an das Konzept geglaubt und darum gekämpft.

 

Inwiefern war Cro am Entstehungsprozess beteiligt, inwiefern ließ er euch freie Hand?

 

Sebastian Fruner: Er war von Tag eins an stark beteiligt, hat besonders am Anfang jede Menge Input beigesteuert. Sobald alles mal grob stand, ließ er uns durchaus freie Hand, war aber an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt.

 

Martin Schreier: Beim Cast zum Beispiel. Da habe ich mich immer mit ihm abgestimmt.

 

Und wie nähert man sich einem Phänomen wie Cro nun filmisch? Wie fängt man das viel zitierte Lebensgefühl ein, für das er steht?

 

Martin Schreier: Wir begleiten drei junge Leute, die jeweils für eine Lebenswirklichkeit ihrer Generation stehen. Ihre Wünsche, ihre Probleme, ihre Ziele stehen im Vordergrund. Wir wollten Stereotypen vermeiden und die Zeit abbilden, in der man Entscheidungen trifft, die das künftige Leben stark beeinflussen können. Eine Coming-Of-Age-Geschichte, die sich damit auseinandersetzt, das Leben anzupacken und seinen Träumen hinterherzujagen.

 

Martin, du hast in Ludwigsburg studiert und schon in Hollywood gearbeitet. Wie vergleichst du den Film mit anderen Regiearbeiten, die du bisher gemacht hast?

 

Martin Schreier: Der Film ist natürlich eine komplett andere Größenordnung. Cro, Til Schweiger, Warner Brothers... die richtige Balance zu finden, war durchaus schwierig. Ansonsten war es eben der übliche Wahnsinn einer Filmproduktion...

 

Es wurde auch in Stuttgart gedreht, oder?

 

Martin Schreier: Ja, unter anderem waren wir im Perkins Park. Zudem wurde auch in Aalen gefilmt, wo Cro vor 50.000 Leuten in der Scholz Arena aufgetreten ist.

 

Zum Schluss die Frage aller Fragen für Fans: Wird neue Musik von Cro zu hören sein?

 

Sebastian Fruner: Ja, es wird neue Songs geben. Daneben hat Cro auch am Soundtrack mitgearbeitet und einige Songs für Künstler komponiert, die ebenfalls in der Filmmusik vertreten sein werden. Das folgt dem Tenor des Films, weil Cro auch hier lieber anderen die Plattform überlässt, die er geschaffen hat.




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