Investition in Fellbach Neue Finanzbasis für die Kinderbetreuung

Von Dirk Herrmann 

Vertreter der freien Träger sowie Elternvertreter tüfteln zusammen mit der Stadtverwaltung an einem verbesserten Konzept. Genauere Details sind noch nicht bekannt.

Sie sind unsere Zukunft: Fellbachs Kinder – hier lauschen einige von ihnen dem Glockenspiel im Rathaus-Innenhof. Foto: Patricia Sigerist
Sie sind unsere Zukunft: Fellbachs Kinder – hier lauschen einige von ihnen dem Glockenspiel im Rathaus-Innenhof. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Vom noch vor einigen Jahren befürchteten Nachwuchsschwund ist in Fellbach längst keine Rede mehr. Die Kinderzahlen steigen wieder, die vielen Familien sollen dank der Wohnbauoffensive 2020 in Fellbach eine neue Heimat finden. Fellbachs neuer Erster Bürgermeister Johannes Berner wies zu seinem Amtsantritt im Herbst auf die jüngste Entwicklung hin: Bis 2010 gab es deutlich unter 400 Kinder im Jahr, 2017 und 2018 stieg die Zahl auf jeweils gut 500 Geburten. Steigende Kinderzahlen bedeuten zugleich aber auch verstärkte Herausforderungen bei der Unterbringung der Kleinen.

Dazu kommen Horte und andere Betreuungseinrichtungen für schulpflichtige Kinder

Derzeit werden, wie aus einer Mitteilung des Rathauses hervorgeht, rund 1750 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren in Fellbach betreut. In den 44 Kindertageseinrichtungen sind diese verteilt auf 115 Gruppen. Dazu kommen Horte und andere Betreuungseinrichtungen für schulpflichtige Kinder. Doch das wird angesichts der Neubaugebiete bald nicht mal reichen. Den Fellbacher Süden bezeichnete Berners Vorgänger Günter Geyer kurz vor Ende seiner Tätigkeit im Rathaus als „unsere Problemzone, hier klemmt’s am stärksten“. Das verschärft sich, wenn das ehemalige Freibad- und Hallenbadareal sowie der Bereich Kühegärten/Apfelweg bebaut sind.

Fellbach steht also vor gewaltigen und kostspieligen Herausforderungen. Der Zuschuss – oder das Defizit, wie man will – ist nach Berners Analyse in den vergangenen 15 Jahren von fünf Millionen Euro auf aktuell 17 Millionen Euro jährlich gestiegen. „Damit muss ein Haushalt erst mal fertig werden“, so der für die Finanzen wie fürs Soziale zuständige Dezernent.

Zusätzliches Personal und geeignete Räume: Um diesen Kraftakt zu bewältigen, will die Stadtverwaltung zusammen mit Vertretern der freien Träger und Elternvertretern in den kommenden Wochen eine zukunftsfähige neue Finanzierungsgrundlage entwickeln. Im Mai soll das Ganze dann vom Gemeinderat in einen umfangreichen Beschluss gegossen werden. Welche konkreten Ideen und Varianten dies sein könnten, darüber gibt es zunächst noch keine Auskunft aus dem Rathaus.

Mit dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ist die Nachfrage in den Einrichtungen stark angewachsen

Sowohl die Personalkosten der freien Träger wie große Teile der Gebäudeinvestitionen werden aus dem städtischen Haushalt finanziert. Die freien Träger der Kinderbetreuung in Fellbach haben im Herbst 2018 in einem offenen Brief an die Stadt Fragen zur künftigen finanziellen Struktur im Betreuungsbereich aufgeworfen.

Die Herausforderungen sind bekannt: Mit dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, der seit 2013 auch für unter Dreijährige gilt, ist die Nachfrage in den Einrichtungen stark angewachsen. Parallel dazu ist die Ausbildung der Erzieher im Wandel. Allerdings werden derzeit weniger pädagogische Fachkräfte ausgebildet als benötigt. Die Folge ist, dass landesweit qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher händeringend gesucht werden.

Die natürliche Fluktuation wird durch einen Generationswechsel verstärkt

Nach den Regeln der kommunalen Aufsichtsbehörde – dem Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) – unterliegen die Betriebsgenehmigungen der Einrichtungen aber klaren Vorgaben. Fallen Erzieher krankheitsbedingt aus oder ist der vorgegebene Betreuungsschlüssel aus anderen Gründen nicht mehr gewährleistet, müssen sofortige Maßnahmen eingeleitet werden – wie die Reduzierung der Öffnungszeiten oder, im schlimmsten Fall, auch die Schließung der Einrichtungen. Die natürliche Fluktuation wird durch einen Generationswechsel verstärkt, zudem ist der Krankenstand bei Erziehern durch vielfältige Ansteckungsmöglichkeiten häufig höher. Eine vorausschauende Personalplanung in diesem Umfeld ist schon bei einer positiven Ausgangslage schwierig. Auch der bauliche Infrastruktur von Kindertageseinrichtungen müssen sich freie Träger und die Stadt Fellbach gemeinsam stellen – durch Erweiterungen, Sanierungen oder Neubauten. Ein deutlicher Investitionsstau macht sich derzeit in den Gebäuden aus den 1950er und 60er Jahren bemerkbar. Die freien Träger mahnen bei der Stadt daher mehr Unterstützung in diesem Bereich an.