IS und soziale Medien Der IS macht seine PR jetzt selbst

Von Franziska Meißner 

Im ewig beschworenen Wandel des Gesichts des Krieges – weg von klassischen, zwischenstaatlichen Kriegen hin zu ewig schwelenden innerstaatlichen Konflikten niedriger Intensität, die einer komplizierteren Logik folgen – ist das Ende der Fahnenstange noch nicht in Sicht. Was absehbar ist: es wird brutaler. Noch brutaler.

Nachrichten, Bilder, und Videos verbreiten sich im Internetzeitalter rasend schnell über Länder, Kulturen und Sprachen hinweg; die Inszenierung von Foleys Tod entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum viralen Video. Es erreichte die US-Regierung, die nach den Worten, die Foley in den Mund gelegt wurden, der „wahre Mörder“ des Journalisten sei. Es erreichte die Anhänger der radikalen Terroristen. Es erreichte die zivile Bevölkerung in Syrien und dem Irak, jenen Ländern, in denen der IS sich in den letzten Jahren, vor allem aber Monaten eine essenzielle Rolle erkämpft hat. Es sorgte dafür, dass der Terror des Nahen Ostens in den Wohnzimmern des Westens ankam. Wenn es um die Verbreitung der dschihadistischen Botschaft geht, sind soziale Netzwerke ein zentrales Vehikel.

Verwackelte Al-Kaida-Videos sind Vergangenheit

Das haben terroristische Vereinigungen wie der IS längst erkannt und sich angepasst an die veränderte Wirklichkeit. Vorbei sind die Zeiten, in denen Al-Kaida amateurhaft geschnittene, in mieser Qualität aufgenommene Videos und Audiobotschaften an ausgewählte Pressevertreter geschickt hat. Die Journalisten konnten frei entscheiden, wie sie mit diesem Material umgehen; sie haben die Inhalte oft gekürzt und in Kontext gesetzt – zum Missfallen der Islamisten.

„Das war nicht im Sinn der Gruppierungen“, sagt Christoph Günther, Islamwissenschaftler an der Universität Leipzig. Weil die westlichen Medien die Botschaften der Islamisten nicht wie von denen gewünscht eins zu eins wiedergaben, hätten die Terrorgruppierungen kurz nach der Jahrtausendwende damit begonnen, eigene Medienabteilungen zu etablieren, erklärt Günther. Damit liegt alles in einer Hand: Produktion und Ausstrahlung der Botschaften.

Zur Medientaktik von IS gehört folglich, dass die Gruppierung Bildmaterial fast ausschließlich selbst verbreitet. In einigen wenigen Fällen gewährte der Islamische Staat Medienvertretern als eingebettete Journalisten rare, tiefere Einblicke – darunter ein Reporter von Vice und ein anonymer Journalist der New York Times. Hieraus ergibt sich der für den IS äußerst günstige Umstand, dass seine tatsächliche Größe und Kampfkraft nur grob geschätzt werden kann. Es ist nicht auszuschließen und vielleicht sogar sehr wahrscheinlich, dass sich der Islamische Staat selbst künstlich aufbauscht – und sich damit unter Umständen größer macht, als er eigentlich ist.




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