IS und soziale Medien Warum es so schwer ist, gegen die radikalen Islamisten vorzugehen

Von Franziska Meißner 

Etwa 450 Menschen sind nach Informationen des Bundesamts für Verfassungsschutz seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im März 2011 aus Deutschland in den Irak und Syrien gereist. Wer schlicht eine private Reise unternommen hat und wer zum Selbstmordattentäter wurde, bleibt unklar. Fakt ist: Es handelt sich um überwiegend junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, oft mit Migrationshintergrund, aber auch viele Konvertiten, die sich zum Teil sehr rasch radikalisieren.

Es bleibt die Frage, wie man der terroristischen Propaganda in sozialen Netzwerken Einhalt gebieten kann.

Für die Betreiber sozialer Medien ist es häufig äußerst schwierig, den Überblick über die vielen Nutzer, Fotos und anderen Inhalte zu behalten, die wie Unkraut aus dem Boden sprießen. Den Social Media-Kanälen ist das Problem bewusst, Bemühungen, die Aktivität von IS-Sympathisanten zu beschneiden, gibt es. Facebook etwa beschäftigt extra ein spezielles Team, das radikal-islamische Inhalte aufspürt und löscht. Gleichzeitig laufen Algorithmen im Hintergrund, spezielle Programme, die entsprechende verbotene Inhalte finden sollen.

Auch der Verfassungsschutz weist die entsprechenden Provider darauf hin, wenn verbotene IS-Symbolik auf einer Seite entdeckt wird. Twitter, lange die bevorzugte Plattform der IS-Kämpfer, löscht ebenfalls Konten von Nutzern, die mit dem IS sympathisieren – Twitter-CEO Dick Costolo musste daraufhin feststellen, dass mit den Islamisten nicht zu spaßen ist, als IS-Anhänger zum Mord an Twitter-Mitarbeitern aufriefen.

Mit dem simplen Löschen von Usern und Inhalten ist das Problem jedoch nur aufgeschoben. Solange das IS-Bündnis Erfolge verbuchen kann, werden seine Anhänger Wege finden, diese zu kommunizieren. Wird ein Nutzer gelöscht, meldet er sich eben unter anderem Namen erneut an – oder weicht gleich auf alternative Netzwerke aus. Die offene Plattform Diaspora ist aktuell eine solche Alternative. Diaspora ist so gut wie nicht kontrollierbar, denn es ist benutzergeführt und basiert allein auf von Nutzern eingestellten Inhalten. In einem Statement gaben die Blogbetreiber im August zu, wie schwierig es sei, in einem dezentral organisierten Netzwerk wie Diaspora effektiv gegen die IS-Anhänger vorzugehen.

Inhaltliche Auseinandersetzung vernachlässigt

Um den IS tatsächlich wirkungsvoll zu bekämpfen – im Internet ebenso wie vor Ort in den besetzten Gebieten – reicht eine sture Unterdrückung seiner Auswüchse wohl nicht aus. Christoph Günther jedenfalls hält die reine Bekämpfung des IS mit militärischen Mitteln für die falsche Taktik, um die Bedeutung der Radikalislamisten einzudämmen. „In der westlichen Staatengemeinschaft und innerhalb der Regierungen der arabischen Welt gibt es zu wenige Rezepte dafür, wie man den IS dort bekämpft, wo er angreifbar ist – bei seiner Ideologie.“

Günther plädiert dafür, sich auf inhaltlicher Ebene mit den Radikalen zu befassen, da ihnen mit Militärschlägen nicht beizukommen sei. „Warum sind so viele junge Menschen bereit, für den Dschihad zu sterben?“, fragt Günther und gibt die Antwort selbst: „Diese Menschen wurden von der westlich dominierten Globalisierung ins Abseits gedrängt.“ Der Dschihad sei eben der Weg dieser Personen, selbst Einfluss zu nehmen auf globale Strukturen und Prozesse, die sie als ungerecht empfinden.

In einem jedoch sind sich Experten einig: Der IS ist vermutlich kein kurzzeitiges Phänomen. So, wie sich der IS mit seiner PR-Strategie an die Realität der Digital Natives angepasst hat, müssen nun auch diejenigen, die seine Bedeutung mindern wollen, neue Wege beschreiten.




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