Jagd nach Joseph Kony Suche nach einem Phantom

Der achtjährige Moses wurde von Joseph Kony verschleppt. Foto: dpa
Der achtjährige Moses wurde von Joseph Kony verschleppt. Foto: dpa

Der ugandische Warlord Joseph Kony hat mehr als 60.000 Kinder verschleppt und versklavt. Heute wird er per internationalem Haftbefehl gesucht.

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Kampala - Das „Endspiel“ für Joseph Kony hat begonnen. Zu dieser Einschätzung gelangte die Expertenorganisation International Crisis Group, als US-Präsident Barack Obama Ende 2011 den Einsatz von 100 amerikanische Militärberatern genehmigt hatte. Von der ugandischen Hauptstadt Kampala aus sollen sie Einheiten der Afrikanischen Union bei der Suche nach Kony unterstützen. Ziel der Mission ist, den berüchtigten Rebellenführer an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu überstellen. Dieser hat 2005 Haftbefehl gegen den Anführer der ugan­dischen Widerstandsarmee des Herrn (LRA) erlassen: wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der selbst ernannte Prophet Kony sieht seinen gottgegebenen Auftrag darin, einen Staat auf der Basis der Zehn Gebote zu errichten. Viel Persönliches ist nicht über den etwa 50-jährigen Warlord bekannt. Es heißt, er habe mehr als 60 Ehefrauen und 42 Kinder. Sein mörderisches Lebenswerk ist dagegen vielfach beschrieben: Konys Feldzug gegen die Regierung und die Bevölkerung Ugandas dauert bereits seit zweieinhalb Jahrzehnten an. Der Bürgerkrieg forderte etwa 100 000 Menschenleben, mehr als zwei Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben, unzählige verstümmelt und entstellt. Bis zu 66 000 Minderjährige sollen seit 1986 gekidnappt worden sein: die Mädchen wurden missbraucht und versklavt, die Jungen als Kindersoldaten zum Töten gezwungen. Kony ließ seine Anhänger morden, brandschatzen und vergewaltigen, während er ihnen eine wirre christlich-fundamentalistische Lehre predigte.

Heute ist in Uganda relative Ruhe eingekehrt. 2008 wurde sogar ein Friedensvertrag ausgearbeitet und in Kraft gesetzt, den Kony allerdings nie unterzeichnete. Er befürchtete, anschließend nach Den Haag ausgeliefert zu werden. Der Konflikt ist mittlerweile längst über die Grenzen Ugandas hinausgeschwappt. Nach wie vor verüben kleine LRA-Truppen Gewalttaten, etwa in der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik oder der sudanesischen Darfurregion. Die verbliebenen Rebellen sind genau wie ihr Führer Joseph Kony im zentralafrikanischen Dschungel untergetaucht. Die Suche läuft.




Unsere Empfehlung für Sie