Jaguar-Prozess in Stuttgart Gaspedal bis zwei Sekunden vor dem Aufprall durchgedrückt

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Wie stark hat der Unfallfahrer vor dem Zusammenstoß mit einem Kleinwagen beschleunigt? Ein Experte des Landeskriminalamts hat die Daten.

Beim Unfall im März kamen zwei Menschen ums Leben. Foto: 7aktuell/Simon Adomat
Beim Unfall im März kamen zwei Menschen ums Leben. Foto: 7aktuell/Simon Adomat

Stuttgart - Fünf Sekunden vor dem Crash hat der Unfallverursacher noch einmal richtig Gas gegeben. Von 141 Stundenkilometern kommt er in drei Sekunden auf Tempo 168. Mehrmals schaltet der Wagen mit 550 PS runter, in den vierten Gang von acht. Zwei Sekunden vorm Aufprall geht der Fahrer vom Gas – und rauscht mit 114 Kilometern pro Stunde in den kleinen Citroën des jungen Paares, das beim Zusammenprall ums Leben kommt. Fünf Sekunden vorher ist das Gaspedal ganz durchgedrückt. Auch vier Sekunden vorher, drei Sekunden vorher ebenfalls. Erst zwei Sekunden vorm Aufprall lässt der Fahrer es los.

LKA-Experte wertet Steuergerät aus

Die letzten Sekunden vorm Unfall hat ein Experte des Landeskriminalamts am Montag im Jaguar-Prozess beschrieben. Die Daten hat er im Steuerungsgerät gefunden, das für die Airbags und die Gurtstraffer zuständig ist. Einen kleinen grauen Kasten zieht der Beamte aus seinem Rucksack und legt ihn auf den Tisch, an dem im Laufe des Prozesses etwa 100 Zeugen Platz nehmen werden. Er hat die harten Fakten des Unfalls, bei dem ein damals 20-Jähriger mit einem gemieteten Jaguar F-Type R an der Rosensteinstraße Anfang März einen tödlichen Unfall verursacht hat. Er verlor aufgrund eines Ausweichmanövers die Kontrolle und schleuderte in den Kleinwagen zweier Kinomitarbeiter. Die standen an der Ausfahrt der Personaltiefgarage des Ufa-Palastes und wollten nach der Arbeit heimfahren.

Das Gerät speichere die Daten in den letzten fünf Sekunden vor einem sogenannten Event – also einem Ereignis, bei dem Airbags und Gurtstraffer auslösen, erläuterte der Fachmann vom LKA. Beim Gaspedal gibt es Prozentzahlen an – in diesem Fall 100 Prozent betätigt, also am Anschlag, bevor es zum Unfall kam. Neben der Geschwindigkeit zeichnete das Gerät auch noch die Stabilität des Wagens auf. Daraus war abzulesen, dass er stabil gefahren sei, bis es zu der Ausweichbewegung kam. Der Jaguar-Fahrer war ausgewichen, als er einen Linksabbieger sah, der etwa auf der Höhe des Kinos in eine Seitenstraße bog. Diesem Fahrer ist laut den Ermittlern kein Vorwurf zu machen, da der Jaguar so schnell war, dass er ihn nicht sehen konnte, als er zum Abbiegen ansetzte.

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