Jakobsweg Von der finsteren Grube zum heiligen Grab

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Die romanische Denkendorfer Klosterkirche steht auf einem kleinen Hügel. Die Mauern der Basilika schneiden den allgegenwärtigen Straßenlärm ab, endlich. Die Kirche vertreibt sich die Zeit damit, das Gebälk knacken zu lassen. Ob der Verzehr von Süßspeisen hier erlaubt ist? Ich lasse die Pilgertasche zu. Schon merke ich, wie der Weg den Menschen bessert: mit dem Regenschirm vom Schlecker komme ich nicht mehr in Versuchung, einen Schirm aus der Kirchengarderobe zu stehlen.

In der Krypta, so erklärt der Reiseführer, stehe eine Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem. Dort sieht es aus wie im Stuhllager einer Brauerei. Der Mann, der erfolgreich verbreitet hat, diese finstere Sickergrube aus Backsteinen sei die Nachbildung des Heiligen Grabes dürfte selbst hartgesottene Marketingleute vor Neid erblassen lassen. Es war anscheinend ein gewisser Berthold von Denkendorf. Ein angestaubter Gebetsgarten, der inmitten nackter Steine steht, lädt zum Nachdenken ein. Ich zünde eine Kerze an.

Die letzte Etappe schließt die Lücke

Vielleicht rechnet man auf solchen Touren nicht mit Regen, weil auf den Werbebroschüren der Himmel immer blau ist. Das grüne Heftchen über den Jakobsweg haben der Tübinger und der Esslinger Landrat im Frühjahr auf der CMT in Stuttgart präsentiert, als sie den Lückenschluss der letzten Etappe des Jakobsweges von Rothenburg ob der Tauber nach Rottenburg feierten.

Eigentlich ist der Lückenschluss allein der privaten Initiative von Hans-Jörg Bahmüller aus Winnenden zu verdanken. Bahmüller ist ein ruhiger und gelassener Mann im besten Rentenalter. Im Jahr des Jakobus 2004 beschloss er als neue Lebensaufgabe, den Jakobsweg in Württemberg zu rekonstruieren. Alle Kirchen, die dem Jakob geweiht waren, viele Flur- und Straßennamen, die einen Jakob nannten, verband er auf einer gedachten Line und wies dann auf vorhandenen Wanderwegen eine Route aus. Er baute ein Netzwerk auf, kaufte etwa 4000 blaue Schilder mit der gelben Muschel drauf und schraubte und klebte sie auf der über 200 Kilometer langen Strecke an Schilder, Bäume und auch an Hauswände. "Wir haben immer geklingelt, und wenn keiner zu Hause war, sind wir davon ausgegangen, dass der Hausbesitzer zustimmt", sagt er augenzwinkernd.

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