Jakobsweg Die meisten Pilger sind Frauen

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Unter der Autobahnbrücke der A 8 geht es weiter Richtung Oberensingen. Der Lärm der Autobahn sitzt mir wie ein Alb im Nacken. Es sind nur noch 41 Kilometer nach Tübingen, das müsste in zehn Stunden zu schaffen sein.

Ein Albvereinsschild verkündet, man möge bei hohem Grundwasser vom Pilgerweg abweichen und eine andere Route wählend. Weil Regen ja wohl kein Grundwasser ist, stapfe ich voran. Der Weg führt in einen Sumpf, der in ein Moor geht, das in ein Ried mündet, welches in einer ziemlichen Patschelacke endet. Ich schlage mich durch Brombeeren. Bei den Lindenhöfen wird das Wetter besser. Dort weiden glückliche Kühe mit ihren Kälbern.

Etwa 300 Personen gehen diese schwäbische Route des Jakobsweges jährlich. Ein Rinnsal, aus dem sich der große Fluss der Pilger speist, der sich über die spanische Grenze ergießt. Die meisten Pilger auf dem schwäbischen Jakobsweg sind Frauen; viele, so meint Hans-Jörg Bahmüller, versuchten Depressionen oder einem schweren Schicksal zu entfliehen und so im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen. Etliche Privatpersonen haben sich in den vergangenen sieben Jahren bereit erklärt, Pilger aufzunehmen; in Frommenhausen bei Rottenburg gibt es inzwischen wieder eine richtige Pilgerherberge.

Belohnt wird der Pilger mit einem amtlichen Ausweis

Es gibt in Deutschland mittlerweile drei Jakobusgesellschaften, die einen amtlichen Pilgerausweis ausstellen. Als Wallfahrer mit Brief und Siegel gilt man, wenn man die Wegstrecke zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Pferd zurücklegt.

Hinter den grünen Tüchern der Buchen bei Unterensingen ruht einer der größten römischen Gutshofe Württembergs, jetzt nur ein paar Schutthügel. Das bleibt also von den Menschenwerken. Der Wald lichtet sich, ein Acker liegt da wie eine offene Wunde, das ist der Nürtinger Stadtteil Hardt. Berühmt wegen des Pfeifers von Hardt, der einst den Herzog Ulrich versteckte, weswegen die Bauern von Hardt über Jahrhunderte keine Steuern zahlen mussten. Vielleicht gibt es deswegen so erstaunlich wenige Gehwege im Flecken. Die Strecke senkt sich ins Aichtal.

"Da nemlich ist Ulrich gegangen", dichtete Friedrich Hölderlin über den Herzog und den Winkel von Hardt, der zu meiner Rechten liegt, ich muss herab zum Flüsschen Aich. Die Sonne lässt die Bäume erblühen. Die Aich überquert man auf einer Holzbrücke mit einem wackeligen Drehkreuz, das verhindern soll, dass Kompanien von Wanderern sie zum Einsturz bringen.

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