Jakobsweg "Wo eine Kirche ist, ist auch eine Wirtschaft"

Von  

Bald taucht die Neckartailfinger Martinskirche auf mit dem berühmten schiefen Turm. Er hat sich nach Westen geneigt, in meine Richtung, nach Spanien zu. Willst du mit? Die Kirche bleibt im Dorf, und der Anstieg nach Schlaitdorf tut weh nach einer so langen Strecke, selbst wenn er durch einen bezaubernden Märchenwald führt.

In einer Schlaitdorfer Gastwirtschaft raste ich, am Nebentisch vespern gemütlich die Wirtsleute, was mich dummerweise zu einem Witz verleitet: "Wo eine Kirche ist, ist auch eine Wirtschaft", sage ich keck. Der Wirt gießt mir ein Radler ein und brummelt: "In Schlaitdorf gehen aber die Uhren anders." Doch das stimmt nicht, denn die Turmuhr schlägt zuverlässig eins, als ich das zweite Radler bestelle. Die Kloschüssel hält eine fette Kellerspinne besetzt, ich vertage die Sitzung auf unbestimmte Zeit.

Autolärm trübt die Wallfahrt ein wenig

Nach der Mittagsrast bin ich nicht ganz so blau wie der Himmel, der sich kurz zeigt. Nur noch 25 Kilometer. Von Schlaitdorf kann man nach Altenriet blicken und von Altenriet nach Schlaitdorf, eine Art Ansichtskarten-Pingpong, die beide Dörfer auf ihren malerischen Hügeln spielen. Die drei Kaiserberge - Stuifen, Staufen und Rechberg - sind in Sicht, bestimmt 70 Kilometer Luftlinie. Wolken rollen über die Albgipfel und geben scheibchenweise Aussichtslücken frei. Ein heftiger Anstieg folgt jetzt nach Kilometer 30, es ist der letzte schwere auf dieser Etappe und führt über Dörnach und Rübgarten.

Am Ortseingang von Rübgarten raste ich in einer feudal überdachten Bushaltestelle. Der Weg spult sich entlang der Vorgärten ab. Hand in Hand arbeiten der Reiseführer Bahmüllers und die Wegmarkierungen. Jetzt geht es zum Einsiedel, dem Jagdschlösschen des Grafen Eberhard im Barte. Ich gehe in den Hof, um den Weißdorn zu bewundern, den Eberhard einst aus dem Heiligen Lande brachte. Der Orkan Lothar hatte ihn gefällt, doch ein Schößling des Bäumchens grünt noch. Schilder erklären penetrant, dass die Wirtschaft zu und das Gelände privat sei. Ich habe die Himmelsrichtung verloren und irre ein paar Mal um das Gehöft, immer irgendwelchen blauen Schildern entlang. Das ist die Müdigkeit.

Der Weg verläuft auf der Straße nach Pfrondorf, die ein beliebter Schleichweg ist. Nur: die Autos schleichen nicht. "An langen Wandertagen träumte er davon, ein Radarkasten zu sein", denke ich, dann würden die Autos nicht so rücksichtslos vorbeibrausen.

Unsere Empfehlung für Sie