Eine Million Bäume für Borneo Dieser Mann aus Korb rettet Regenwälder

Von Annette Clauß 

Johannes Schwegler aus Korb hat sich einiges vorgenommen: Seine Organisation Fairventures Worldwide will in Indonesien mit der Hilfe von Bauern eine Million Bäume auf abgeholzte Flächen pflanzen.

Kennt sich bestens aus mit (Tropen-)Holz: Johannes Schwegler aus Korb. Foto: Gottfried Stoppel 11 Bilder
Kennt sich bestens aus mit (Tropen-)Holz: Johannes Schwegler aus Korb. Foto: Gottfried Stoppel

Korb - Die Eine-Million-Marke will Johannes Schwegler aus Korb im kommenden Jahr knacken: Eine Million Bäume sollen indonesische Ureinwohner bis 2018 mit der Hilfe seiner gemeinnützigen Organisation Fairventures Worldwide auf der Insel Borneo pflanzen – auf Flächen, auf denen einst Regenwälder standen. Diese abgeholzten urigen Naturwälder sind zwar unwiederbringlich verloren. Aber damit dem Regenwald, der noch übrig geblieben ist, nicht das gleiche Schicksal widerfährt, hat Fairventures Worldwide zusammen mit dem indonesischen Borneo Institute das Aufforstungsprojekt „One Million trees“ entwickelt (siehe „Hilfe zur Selbsthilfe“).

Die Setzlinge wachsen in Rekordzeit zu Bäumen

Auf den abgeholzten und durch Erosion wenig fruchtbaren Flächen, auf denen einst Regenwald stand, werden Setzlinge der in Indonesien heimischen Baumart Segon gepflanzt. „Segon ist ein Pionierbaum“, sagt Johannes Schwegler über die Pflanze, deren zarte Blätter ein wenig an die einer Mimose erinnern. Allerdings ist der Segon-Baum alles andere als mimosenhaft: Seine kleinen Setzlinge wachsen in Rekordzeit zu Bäumen heran, die bereits nach 14 Monaten deutlich mehr als mannshoch sind und nach fünf bis sieben Jahren geerntet und anstelle des Tropenholzes aus den Naturwäldern verarbeitet werden können. Beispielsweise zu Leimholz, das wegen seines geringen Gewichts gerne im Wohnmobilbau verwendet wird, aber auch im Hausbau eingesetzt werden könnte oder, mit Furnierholz versehen, zum Möbelbau.

„Wir pflanzen Nutzwälder vor den Urwald, dann gehen die Einheimischen nicht an den Regenwald ran“, erklärt Johannes Schwegler. Trotz seines schnellen Wachstums laugt der Segon-Baum den Boden nicht aus, sondern reichert ihn mit Stickstoff an und schafft so gute Bedingungen für andere Pflanzen, die im Schutz seines Blätterdachs heranwachsen können. Zum Beispiel Gemüse und Obst, dessen Anbau den am Projekt beteiligten Inlandbewohnern, den Dayaks, eine weitere Einnahmequelle bietet. „Die Dayaks sind der Schlüssel zum Umweltschutz“, davon ist der 48-Jährige überzeugt.

Jäger und Sammler werden zu Bauern umgeschult

„Die Setzlinge des Segon-Baums wachsen wie Unkraut“, erzählt Johannes Schwegler, der regelmäßig vor Ort ist, um die Fortschritte zu beobachten. Schon Ende der 1990er-Jahre war er in Indonesien als Entwicklungshelfer tätig. Er kennt das Land, weiß, wie seine Bewohner ticken.

Fairventures Worldwide beschafft die kleinen Baumpflanzen und gibt sie an Landbewohner vor Ort weiter, die sich als Bauern haben registrieren lassen. „Die Dayaks sind eigentlich keine Bauern, sondern Jäger und Sammler“, sagt Schwegler. Deshalb organisiere Fairventures Worldwide Schulungen, bei denen die Teilnehmer das Einmaleins der Landwirtschaft erlernen – etwa, wie man Kompost herstellt.

„Die Leute müssen selbst investieren, sonst klappt es nicht“, ist Johannes Schweglers Erfahrung. Vier Hektar Fläche darf jede Familie bewirtschaften. Die Löcher für die Setzlinge buddeln, die Pflanzen während der Pflanzsaison von Dezember bis Februar setzen, und sie anschließend hegen und pflegen – all das gehört zum Job der Teilnehmer. Eine arbeitsintensive Aufgabe, die nur dann attraktiv ist, wenn sie den Bauern ein Auskommen bietet.

Noch 508 232 Bäume bis zur Million

„Im ersten Projektjahr 2014/2015 haben 70 Bauern mitgemacht“, erzählt Johannes Schwegler, „und es war nicht einfach, sie zu finden.“ Mittlerweile hat sich offenbar herumgesprochen, dass das Projekt eine lohnenswerte Sache ist: „Wir werden jetzt überrannt. Derzeit arbeiten wir in acht Dörfern mit jeweils 1000 Menschen.“

Es läuft also ziemlich rund. Dennoch müsse man noch Erfahrungen sammeln, sagt Johannes Schwegler: „Zurzeit testen wir, was die optimalen Pflanzabstände sind.“ Die Idee sei, mit einer Million Bäume zu lernen, wie das System ohne die Hilfe seiner Organisation kommerziell erfolgreich funktionieren könne. Noch fehlen 508 232 Bäume, bis die Eine-Million-Marke geknackt ist.

Hilfe zur Selbsthilfe

Entwicklungshilfe
Fairventures Worldwide ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Stuttgart. Sie hat sich auf internationale Entwicklungszusammenarbeit spezialisiert: Sie entwickelt und betreut Projekte gemeinsam mit Partnern vor Ort in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Ihr Geschäftsführer ist der Korber Johannes Schwegler. Er hat zuvor einige Jahre für den Entwicklungsdienst Dienste in Übersee gearbeitet, welcher Teil von Brot für die Welt ist.

Aufforstung
Ein Projekt von Fairventures Worldwide ist ein Aufforstungsprogramm auf der indonesischen Insel Borneo. Das Ziel dabei ist, auf Flächen, die ehemals von Regenwald bewachsen waren, aber gerodet wurden, neue, schnell wachsende Mischwälder anzupflanzen. Deren Holz kann dann verarbeitet werden, während die Naturwälder erhalten bleiben.

Teilnehmer
Das „Eine-Million-Bäume“-Projekt soll insbesondere den Dayaks, der indigenen Bevölkerung Borneos, eine Einnahmequelle verschaffen und die Brandrodung stoppen. Jede teilnehmende Familie erhält vier Hektar Land. Dort pflanzt sie zum einen Bäume an, deren Holz sie nach wenigen Jahren verkaufen kann. Zum anderen werden auf den Zwischenflächen Gemüse und Obst angebaut.