Krimikolumne

John le Carré:„Der Spion, der aus der Kälte kam“ Intelligente Katz-und-Maus-Spiele statt krachender Action

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So bleibt Leamas seinem Kontrahenten, einem überzeugten Sozialisten, die Antwort schuldig, was ihn eigentlich bei seiner Arbeit antreibt, welcher Philosophie er und seinesgleichen folgen. Er weiß es nicht, hat sich bis dahin keine Gedanken darüber gemacht. Er macht seinen Job, weil es sein Job ist, bereits seit dem Zweiten Weltkrieg, als er sich in seiner Branche einen Namen gemacht hat. Den vermeintlichen Verräter mimt er hauptsächlich, weil er sich damit den Rest seiner nun fast gescheiterten Laufbahn sichern will. „Wir sind keine Marxisten, wir sind gar nichts. Einfach nur normale Menschen“, antwortet er schließlich. Eines weiß er, aber das betrifft nur die Gegenseite: „Ich denke einfach nur, dass ihr ein Haufen Dreckschweine seid.“

Ein Milieu, in dem der Zweck jedes Mittel heiligt

Auch in seinen folgenden Büchern setzte John le Carré auf intelligent verschachtelte Katz-und-Maus-Spiele und die Charakterzeichnung seiner Protagonisten statt auf krachende Action. Was seinen Ruf weiter nährte, er sei ein intimer Kenner der Welt der Spionage. Gar so weit von der Realität scheint er auch nicht gelegen zu haben, wie der bislang einzigartige Blick auf die Trümmer eines echten Geheimdienstes zeigt. Die offengelegten Akten der Stasi offenbarten die Perfidie einer so skrupellosen wie spießigen Machtbürokratie, die in ihrem Wahn, alles und jeden zu bespitzeln, keine Grenzen kannte. Wie der Circus von Control, in dem der Zweck jedes Mittel heiligt. Wobei dem Milieu ganz aus dem Blick geraten ist, was dieser Zweck eigentlich ist.

John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam. Roman. Aus dem Englischen neu übersetzt von Sabine Roth. Ullstein, Berlin. 280 Seiten, 18 Euro. Auch als E-Book (14,95 Euro), Audiobook (19,99) oder Hörbuch-Download (13,95 Euro).

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