Jugend im Corona-Jahr Jugendliche lesen mehr

Die Nase im Buch hat dieser Junge – das ist auch bei mehr als der Hälfte der Sechs- bis Dreizehn-Jährigen mindestens einmal pro Woche der Fall. Foto: dpa
Die Nase im Buch hat dieser Junge – das ist auch bei mehr als der Hälfte der Sechs- bis Dreizehn-Jährigen mindestens einmal pro Woche der Fall. Foto: dpa

Rund zwanzig Minuten mehr als noch ein Jahr zuvor haben Jugendliche im Corona-Jahr 2020 täglich mit Lektüre verbracht, so die Einschätzung der Stiftung Lesen. Die große Frage bleibt: Wie kann man Kinder fürs Lesen begeistern?

Mainz - Jugendliche haben im Corona-Jahr 2020 mehr Zeit für das Lesen verwendet als im Vorjahr. Bei den 12- bis 19-Jährigen sei die tägliche Lesedauer nach deren Schätzung um knapp 20 Minuten gestiegen, sagte Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme der Stiftung Lesen in Mainz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings habe sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die regelmäßig Bücher lesen, während der Pandemie nicht stark verändert. Von den 6- bis 13-jährigen Kindern lese mehr als die Hälfte mindestens einmal in der Woche in der Freizeit ein Buch. Dabei seien vor allem Comics beliebt. Von den 12- bis 19-Jährigen lesen nach Angaben der Bildungsexpertin 35 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche Bücher.

Nationaler Lese-Summit

„Kinder und Jugendliche fürs Lesen zu begeistern ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft“, sagte die Expertin. Neben Eltern, Verwandten und Lehrkräften sollten sich noch mehr Vertreter und Institutionen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Bildung an der Leseförderung beteiligen. Die Stiftung Lesen habe daher gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Nationalen Lesepakt ins Leben gerufen. Zum Auftakt findet am Mittwoch als digitale Gesprächsrunde der „Nationale Lese-Summit“ statt. Schirmherrin ist Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU).

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Um Kinder zum Lesen zu motivieren, sollte man die Interessen der Kinder aufgreifen, riet Uehlein. „Das klappt zum Beispiel gut mit TV-Serien: Die meisten Kinder haben Lieblingsserien im Fernsehen oder auf Streaming-Diensten. An diese Begeisterung können Eltern anknüpfen, um ihren Kindern vorzulesen und sie fürs Lesen zu begeistern“, sagte die Bildungsexpertin. „Eltern sollten den Lesewünschen ihrer Kinder folgen, denn nur so entwickeln sie Spaß an Geschichten. Kindern und Jugendlichen, die sich mit Büchern schwertun, kann man Zeitschriften oder Apps anbieten“, sagte Uehlein.

Trend zum Comicroman

Es gebe für Kinder und Jugendliche eine große Auswahl an Lesestoff: „Derzeit bemerken wir einen Trend zum Comicroman – also einer starken Verschränkung von Texten und Bilden. Geschichten wie ‚König Guu’, ‚Mein Lotta-Leben’ oder ‚Planet Omar“ begeistern viele Kinder“, sagte Uehlein. Auch Sachbücher rund ums Klima und um den Schutz von Tieren und Pflanzen seien gefragt.

Uehlein widersprach der Einschätzung, dass die Nutzung digitaler Angebote im Internet durch Kinder und Jugendliche zulasten des Bücherlesens gehe. Auch bei der Internetnutzung spiele das Lesen eine große Rolle. So verzeichneten digitale Angebote von Tageszeitungen und Magazinen einen Zuwachs. Apps, Websites und Messengerdienste böten viele Leseanlässe und erforderten häufig gute Lesekompetenzen, sagte die Expertin.




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