Jugendhaus Vaihingen Kinder erwecken Spielzeugfiguren zum Leben

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Das Team des Jugendhauses Vaihingen geht mit der Zeit und will nach und nach eine Medienetage einrichten. Schon jetzt können Mädchen und Jungen in Workshops lernen, wie Radiosendungen oder Trickfilme entstehen.

Playmobilmännchen  sind die Protagonisten in den Trickfilmen. Foto: Alexandra Kratz
Playmobilmännchen sind die Protagonisten in den Trickfilmen. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Vor zehn Jahren haben Klaus Hausch und sein Team im Jugendhaus den ersten Computerraum eingerichtet. Damals wollte man den Kindern einen Zugang zum Internet und damit der Welt der neuen Medien ermöglichen. „Inzwischen hat fast jeder zu Hause einen Internetanschluss und in der Tasche ein Smartphone“, sagt Hausch.

Für ihn und sein Team bedeutet das, dass sie umdenken müssen. Zwar gibt es nach wie vor Kurse, in denen die Mädchen und Jungen beispielsweise etwas über die Gefahren im Netz lernen. „Doch im Grunde wollen die Jugendlichen heute etwas anderes“, sagt Hausch. Da kam Silvia Karrer gerade recht. Die 30-Jährige hat Kultur- und Medienbildung studiert. Zudem hat sie als freie Redakteurin für den Radiosender Dasding gearbeitet. „Wir haben bewusst jemanden gesucht, der Vorkenntnisse auf dem Gebiet der Medien mitbringt“, sagt Hausch.

„Medien sind nach wir vor trendy und chic“, sagt Silvia Karrer. Wenn sie die Jugendlichen frage, was sie später einmal werden wollen, bekomme sie häufig zur Antwort: „Irgendwas mit Medien.“ Klaus Hausch ergänzt: „Wir wollen zeigen, was hinter der Fassade steckt und erklären, wie Medien gemacht werden.“

Ein kleines Trickfilm-Studio ist das Ziel

Nach und nach will das Team des Jugendhauses ein kleines Trickfilm-Studio aufbauen. Dazu braucht man vor allem sogenannte Trickboxen. In den großen flachen Holzkoffern steckt unter anderem eine Art Faltwand, die als Kulisse dient. Dort können verschiedene Hintergrundbilder angebracht werden, sei es eine Wüstenlandschaft oder ein Foto vom Regenwald. Dann braucht es noch eine Webkamera und einen Laptop. Nun können die Kinder kleine Spielzeugfiguren animieren. Dazu werden die Männlein arrangiert und anschließend zwei Bilder gemacht. Danach werden die Figuren minimal bewegt und erneut Fotos mit der Webkamera geschossen. Wenn die Kinder ganz viele Bilder zusammenhaben, entsteht eine Art Daumenkino, ein Animationsfilm. „Pixilation“ nennt man das im Fachjargon.

Silvia Karrer hat während ihrer Zeit im Jugendhaus schon ein paar Filme produziert. Unter anderem mit Schülern der Möhringer Schule für Körperbehinderte. „Die Jugendlichen haben alles selbst gemacht: sich die Story ausgedacht, die Requisiten gebastelt und den Film gedreht“, sagt Karrer. Sie war von dem Können der behinderten Mädchen und Jungen beeindruckt. Auch in den Sommerferien gab es verschiedene Workshops. Silvia Karrer hat mit den Kindern einen Radio-Beitrag produziert, der dann auch im Freien Radio gesendet wurde. „Die Mädchen und Jungen haben beispielsweise Umfragen auf der Straße gemacht und dabei gelernt, offen auf fremde Menschen zuzugehen“, nennt die Jugendhaus-Mitarbeiterin einen positiven Effekt des Kurses. Bei der Kunst- und Medienwoche Anfang September konnten die filmbegeisterten Kinder unter anderem in die Produktion kleiner Trickfilme schon einmal hineinschnuppern.

Bislang leiht sich das Team des Jugendhauses noch viel Material für seine neuen Medien-Workshops aus. Nach und nach will es aber einen eigenen Fundus aufbauen. Das sei aber natürlich eine finanzielle Frage, gibt Hausch zu. Denn der laufende Etat des Jugendhauses biete dafür keinen Spielraum. „Wir laden aber immer wieder zu Veranstaltungen ein. Der Reinerlös kann dann in solche Projekte fließen“, sagt der Hausleiter. So soll in mehreren Stufen aus dem bisherigen kleinen Medienbereich im Jugendhaus eine ganze Medienetage entstehen. „Das ist ein schönes Feld und eine gute Ergänzung zu unserem zweiten Schwerpunkt im Jugendhaus: den Werkstätten“, sagt Hausch. Schließlich sei es ein Spezifikum der offenen Jugendarbeit, dass man mit der Zeit gehe und immer nah dran sei an den Wünschen der Jugendlichen. Da komme man an den Medien nicht vorbei.

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