Jugendwort des Jahres Mama und Papa sind oft „cringe“

Der Begriff „cringe“ wird mittlerweile inflationär verwendet. Foto: imago images/Sven Simon/Frank Hoermann
Der Begriff „cringe“ wird mittlerweile inflationär verwendet. Foto: imago images/Sven Simon/Frank Hoermann

„Cringe“ ist das Jugendwort des Jahres 2021. Damit setzt sich ein Begriff durch, der von Jugendlichen schon seit Jahren verwendet wird. Ein Erklärungsversuch für Eltern.

Volontäre: Sebastian Xanke (xan)
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Stuttgart - Das Jugendwort des Jahres 2021 steht fest. Gewonnen hat die Wahl laut dem Stuttgarter Langenscheidt-Verlag das englische Wort „cringe“. Wem das nichts sagt, der kann sich dieses simple Szenario vorstellen: Mama (46) und Papa (48) bewegen sich gegen 23 Uhr gemütlich aus einer Kneipe. Sohnemann (16) steht mit Schulfreunden zufällig in einer nahe gelegenen Ecke. Weiterlaufen, vielleicht kurz winken und ignorieren? Mama und Papa entscheiden sich dagegen, laufen zur Gruppe, stellen sich vor, lassen einen „flotten“ Spruch ab, wünschen noch einen „coolen“ Abend und dampfen ab.

Alles gut? Mitnichten! Für den 16-Jährigen war diese Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit „cringe“ (Aussprache: „krinj“). Im Klartext bedeutet das: Mama und Papa haben ihren Sohn gerade so peinlich berührt, dass er ein überwältigendes Gefühl von Fremdscham für seine Eltern empfand.

Bereits seit Jahren nutzen vornehmlich Jugendliche für solche Situationen das Wörtchen „cringe“. Nun hat es sich bei der Wahl zum Jugendwort mit 42 Prozent der Stimmen gegen die Begriffe „sheesh“ (Ausruf des Erstaunens) und „sus“ (Kurzform des englischen Wortes „suspicious“, zu deutsch „verdächtig“) durchgesetzt. 1,2 Millionen Jugendliche waren an der Online-Abstimmung beteiligt.

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Organisiert wird die Wahl vom Langenscheidt-Verlag bereits seit 2008 – zuletzt vermehrt unter starker Kritik. Denn: Diejenigen, die das Jugendwort über lange Jahre hinweg auswählten, waren selbst schon weit über das Jugendalter hinaus. Erst seit 2020 stimmen auch tatsächlich junge Menschen über die Begriffe ab, die sie am meisten gebrauchen. Im vergangenen Jahr gewann das Wort „lost“. Es beschreibt meistens einen Menschen, der ahnungslos und verwirrt erscheint. Wer als Elternteil nun in Versuchung kommen sollte, bei den Kindern mit den neu gelernten Wörtern auftrumpfen zu wollen, sei gewarnt: Das wäre nicht nur ziemlich lost, sondern auch über alle Maßen cringe. Gezeichnet, ein Sohn.




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