Junge Frau erschossen Bahrains Königsfamilie unter Verdacht

Von red/dpa 

Eine junge Frau in Bahrain wird auf der Straße erschossen. Menschenrechtsaktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen die Königsfamilie. Die geht mit radikalen Aktionen gegen Kritiker vor.

Anhänger der Demokratie-Bewegung demonstrieren in Bahrain auf der Straße. (Archivfoto) Foto: AP
Anhänger der Demokratie-Bewegung demonstrieren in Bahrain auf der Straße. (Archivfoto) Foto: AP

Dubai - Es war ein Mord, der die Menschen auf der kleinen Insel Bahrain schockierte. Eine junge Mutter wird auf der Straße erschossen, vor den Augen ihres sechsjährigen Sohnes. Aber was danach folgte, schlägt noch höhere Wellen: Aktivisten im Ausland sagen, dass es ein Mitglied der sunnitischen Königsfamilie Bahrains und Angehöriger des Militärs war, der die 28-jährige Schiitin Eman Salehi tötete.

Die Anschuldigung wurde vor dem Hintergrund andauernder Unruhen in dem Inselstaat vor der Küste Saudi-Arabiens laut - fünf Jahre nach den Protesten des Arabischen Frühlings in Bahrain und inmitten neuer radikaler Aktionen der Regierung gegen Kritiker. „Wenn man sagt, dass etwas das Militär involviert, dann involviert es den König“, sagt Said Jusif Almuhafdah vom Bahrain-Zentrum für Menschenrechte. „Jeder scheut sich, so etwas zu erwähnen.“

Täter soll sich gestellt haben

Die Schüsse fielen am 23. Dezember. Was dahinter steckt, ist noch immer unklar. Salehi arbeitete als Sportjournalistin für Bahrains staatliche Fernsehgesellschaft. Ihr Wagen wurde an jenem Abend in Riffa angehalten, einer Stadt, die bei Angehörigen der herrschenden Al-Chalifa-Familie und beim Militär populär ist. Ein Mann schoss Salehi in den Kopf, dann stellte er sich sofort den Behörden.

Bahrains Innenminister veröffentlichte auf Twitter eine kurze Mitteilung, in der es hieß, dass es einen „Mord an einer Frau“ gegeben habe. Die staatseigene Nachrichtenagentur identifizierte den Schützen als einen „34-jährigen Mann aus Bahrain“, der „der zuständigen juristischen Partei zur Fortsetzung der nötigen rechtlichen Prozeduren überstellt“ worden sei. Die „Gulf Daily News“, eine regierungsfreundliche englischsprachige Zeitung, ging einen Schritt weiter und beschrieb Salehis Angreifer als einen Offizier der Verteidigungsstreitmacht des Landes.

Aktivisten im Ausland, darunter Almuhafdah und andere mit Verbindungen zur investigativen Beobachtergruppe Bahrain Watch identifizierten den Schützen als Mitglied der Al-Chalifa-Familie und beriefen sich dabei auf Informationen von Ortsansässigen. Die Nachrichtenagentur AP hat sich vergeblich darum bemüht, den von den Aktivisten namentlich genannten Mann zu erreichen.

Bahrains Informationsministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab. Aber am Mittwoch veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur einen Artikel, in der General Jussef Raschid Flaifel, Chef der Militärgerichte des Landes, mit den Worten zitiert wurde, das Verbrechen werde untersucht, und der Tatverdächtige bleibe in Gewahrsam. Die Ermittlungen würden transparent und unparteiisch geführt, so wie es den Gesetzen in Bahrain entspreche, hieß es weiter.

Name des Beschuldigten darf nicht genannt werden

Derweil warnte der staatliche Fernsehsender, dass es illegal sei, den Namen des Beschuldigten zu nennen - offenbar ein Zeichen dafür, dass die Aktivisten einen Nerv getroffen haben. „Die Tatsache, dass der Verdächtige ein Offizier und Mitglied der Herrscherfamilie ist, unterscheidet dieses Verbrechen von anderen und stellt die Verpflichtung des Landes zu Gerechtigkeit und Rechenschaft auf den Prüfstand“, so Fatah Buschehri von Bahrain Watch.

In Bahrain, Heimat der fünften Flotte der US-Marine, ist es zunehmend schwierig, an unabhängige Informationen heranzukommen. Seit April hat die Regierung damit begonnen, massiv gegen kritische Stimmen vorzugehen. Bürgerrechtler sind im Exil, die schiitische Hauptoppositionsgruppe ist demontiert und eine Reihe von Regierungsgegnern im Gefängnis. Aktivisten befürchten, dass der Mord an Salehi am Ende vertuscht wird - denn Militärtribunale in Bahrain finden hinter geschlossenen Türen statt.

Almuhafdah erinnert an die tödlichen Schüsse von Soldaten auf den Demonstranten Abdulredha Buhmaid während einer Protestkundgebung im Jahr 2011. Das Militär hatte nach dem Vorfall, der auch international Wellen schlug, erklärt, man habe bei der Demonstration im Rahmen der Gesetze gehandelt und sei nicht für Buhmaids Tod verantwortlich.