Kaeser will seine Manager straffer führen Siemens-Chef Kaeser setzt neue Akzente

Von Thomas Magenheim 

Der Wechsel an der Siemens-Spitze vom gescheiterten Löscher zum Hoffnungsträger Kaeser ist geschafft. Priorität hat für ihn die Beruhigung des Unternehmens.

Joe Kaeser rückt deutlich von den Renditezielen und den Umsatzplänen seines Vorgängers Peter Löscher ab. Foto: AFP
Joe Kaeser rückt deutlich von den Renditezielen und den Umsatzplänen seines Vorgängers Peter Löscher ab. Foto: AFP

München - Der Wechsel an der Siemens-Spitze vom gescheiterten Peter Löscher zum neuen Hoffnungsträger Joe Kaeser ist geschafft. Nachdem der Österreicher nach einem vorangegangenem Machtkampf dem Aufsichtsrat nun doch seinen Rücktritt angeboten hat, wurde Finanzchef Joe Kaeser vom Gremium wie erwartet zum Nachfolger ernannt. „Unser Unternehmen ist bestimmt nicht in der Krise und auch kein Sanierungsfall“, betonte Kaeser, der ab sofort Löschers Geschäfte übernimmt. Priorität habe jetzt die Beruhigung des Unternehmens.

Diesem Ziel müssten sich alle auch im Management und Aufsichtsrat unterordnen. Wer das nicht verstehe, habe bei Siemens keine Zukunft, warnte der neue Konzernchef. Zugleich kündigte Kaeser Korrekturen an. „Ich werde nicht versuchen, Siemens neu zu erfinden“, stellte er klar. Siemens sei und bleibe eine Elektrifizierungsfirma, die von der Produktion des Stroms in Kraftwerken bis zu dessen Verwendung in Anlagen aktiv sei.

Die Serie hausgemachter Probleme, von der verspäteten Auslieferung von ICE-Zügen bis zu den technischen Problemen bei der Anbindung von Windparks wolle er beenden, sagte der neue Siemenschef. Wenn wie derzeit konjunktureller Rückenwind ausbleibe, müsse sich der Konzern verstärkt auf Produktivität und Innovation konzentrieren. Bei strategischen Zielen hinsichtlich Marge und Umsatzwachstum sei der Vergleich zu Wettbewerbern das Maß der Dinge. Hier gebe es eine Lücke zu den Besten, die er schließen wolle.

Umsatz von rund 80 Milliarden Euro bei Siemens

Das absolute Ziel sieht Kaeser als beweglich an. Vor eineinhalb Jahren hätte das zum Beispiel zwölf Prozent Marge bedeutet. Das ist die Vorgabe, an der Löscher gescheitert war. Derzeit kämen die Branchenbesten aber nur noch auf knapp elf Prozent, betonte Kaeser. Eindeutig Abschied nahm er von Löschers Umsatzziel von 100 Milliarden Euro. Das habe keine Priorität mehr. Derzeit kommt Siemens auf einen Umsatz von rund 80 Milliarden Euro.

Mit seinen Vorstellungen kommt Kaeser den Arbeitnehmern entgegen. Siemens müsse wieder Innovation und Qualifikation statt Rendite in den Mittelpunkt stellen, forderte IG Metall-Chef Berthold Huber, zugleich Vizechef im Siemens-Aufsichtsrat. Mensch und Marge seien gleichgewichtig, das Vernichten von Arbeitsplätzen keine unternehmerische Leistung, betonte Kaeser. Nicht die eigenen Beschäftigten, sondern die Konkurrenten müssten Angst vor Siemens haben. Klar sei dass Siemens keine geschäftlichen Chancen mehr verpassen dürfe wie in jüngster Vergangenheit. Das Wachstum müsse aber kontrolliert sein. Zuletzt habe sich Siemens vereinzelt auf unbekanntes Terrain vorgewagt wie etwa bei der Anbindung von Windparks auf hoher See.

Kaeser lobte Löscher für dessen „richtungsweisende Aufarbeitung von dunklen Siemens-Zeiten“. Er meint damit den Korruptionssumpf, den trockenzulegen Löscher 2007 angetreten war. „Das wäre mit keinem Internen zu machen gewesen“, sagte Kaeser. Zum Verhängnis geworden ist Löscher jetzt die Rücknahme zentraler Renditeziele für das kommende Geschäftsjahr 2013/14, das bei Siemens Anfang Oktober beginnt. Im Mai hatte er auch die Gewinnziele für die laufendende Periode 2012/13 kassiert. Die korrigierten Ziele mit vier Milliarden Euro Gewinn, leicht sinkendem Umsatz und deutlich höherem Auftragseingang werde man aber nun erreichen, betonte Kaeser. Dazu werde ein außerordentlicher Gewinn von rund 400 Millionen Euro beim jüngsten Verkauf der Anteile an Nokia Siemens Networks (NSN) an den finnischen Partner Nokia helfen, räumte er ein.

Größter Umsatzbringer ist Sektor Energie

Beim Auftragseingang, der im Ende Juni beendeten dritten Geschäftsquartal um gut ein Fünftel auf über 21 Milliarden Euro zugelegt hat und beim Umsatz, der um zwei Prozent auf gut 19 Milliarden Euro abgebröckelt ist, liegt man im Plan.

Die einzelnen Bereiche von Siemens haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Star ist die Medizintechnik, die derzeit 14,6 Prozent operative Umsatzrendite erreicht. Zugleich nimmt hier der Margendruck zu. Am anderen Ende der hausinternen Skala rangiert der von Löscher geschaffene Sektor Infrastruktur und Städte mit noch mageren 1,1 Prozent Rendite. Hier ist unter anderem die so viel Probleme bereitende Bahntechnik angesiedelt. Der Bereich wird bisweilen als Resterampe verspottet. Kaeser will aber auf alle Fälle an ihm festhalten. Größter Umsatzbringer ist der Sektor Energie mit einer verbesserungsfähigen Marge von 7,2 Prozent. Hier leidet Siemens unter den Problemen mit Windparks und dem Ausstieg aus der Solartechnik, die gerade abgewickelt wird. Der Industriesektor schließlich leidet unter der Konjunkturschwäche, schafft aber immerhin noch 8,4 Prozent Rendite.