Kampagne gegen männliche Unsitten Manspreading – Wenn Männer sich breit machen

Die Designerinnen Mina Bonakdar (links) und Elena Buscaino nehmen sich mit Slogans im Schritt ihrer Hosen das „Manspreading“ vor und posieren in einer Berliner  U-Bahn. Das „Riot Pant Project“ setzt ein Zeichen gegen raumgreifende Macho-Gesten im öffentlichen Nahverkehr. Foto: Jörg Carstensen/dpa
Die Designerinnen Mina Bonakdar (links) und Elena Buscaino nehmen sich mit Slogans im Schritt ihrer Hosen das „Manspreading“ vor und posieren in einer Berliner U-Bahn. Das „Riot Pant Project“ setzt ein Zeichen gegen raumgreifende Macho-Gesten im öffentlichen Nahverkehr. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Zwei Berliner Studentinnen machen Mode gegen Männer, die sich im öffentlichen Raum breitmachen. Ihnen geht es um mehr als nur schlechtes Benehmen in der U-Bahn.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Berlin - Ein Mann sitzt breitbeinig in einem Berliner Zug. Er blockiert zwei Sitze, die Menschen um ihn herum scheinen ihm völlig egal zu sein. Bis die zwei Frauen, die ihm gegenüber sitzen, plötzlich ihre Beine spreizen und einen Schriftzug auf der Innenseite ihrer Hosen offenbaren: „Stop Spreading“ lautet ihre Botschaft. Zu Deutsch „Hör auf, Dich breit zu machen“.

Gegen „Ausbreiten des Mannes“ in Bus und Bahn

Die feministischen Aktivistinnen Elena Buscaino und Mina Bonakdar haben dem Manspreading den Kampf angesagt. Dabei handelt es sich um die Angewohnheit einiger Männer, im öffentlichen Nahverkehr auch ihre Nebensitze durch breitbeiniges Sitzen für sich in Anspruch zu nehmen – ohne jede Rücksicht auf Nebenmann oder Nebenfrau.

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„Es ist absolut möglich, in Verkehrsmitteln bequem zu sitzen, ohne zwei Sitze einzunehmen, indem man die Beine spreizt“, sagt die 25-jährige Bonakdar. Die Aktion ist Teil einer Initiative namens „Riot Pant Project“. Die Idee der Kampagne ist es, Slogans in den Schritt von Second-Hand-Hosen zu drucken, um so auf das Problem des Manspreadings aufmerksam zu machen.

„Halten Sie ihre Beine nicht in einem Winkel von 45 Grad“

Das Problem des Manspreadings gibt es schon seit Beginn des öffentlichen Nahverkehrs. „Sitzen Sie mit geraden Gliedmaßen und halten Sie ihre Beine nicht in einem Winkel von 45 Grad, womit sie den Platz von zwei Personen beanspruchen würden“, schrieb die Times of London im Jahr 1836 in einem Artikel über gutes Benehmen im Bus, wie der Autor Clive D.W. Feather in seinem Buch „The History of Bakerloo Line“ schreibt.

Der Begriff des Manspreadings stammt aus dem Jahr 2013. Damals begannen Menschen in New York City in den sozialen Medien Fotos zu teilen, auf denen breitbeinig sitzende Männer und ihre gequält wirkenden Mitreisenden zu sehen waren. 2014 startete der New Yorker Nahverkehrsbetrieb eine Kampagne gegen das Manspreading. Ähnliche Kampagnen gab es seitdem in Südkorea, Japan oder Istanbul. In Madrid kann seit 2017 für Manspreading sogar eine Strafe fällig werden.

Brauchen Männer tatsächlich mehr Platz?

Der Widerspruch im Internet ließ nicht auf sich warten. Männer führten biologische Unterschiede an, um ihren erhöhten Platzbedarf und das Bedürfnis nach breitbeinigem Sitzen zu rechtfertigen. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

Das Phänomen hat stattdessen wohl mehr mit Geschlechterrollen in der Gesellschaft zu tun, sagt Bettina Hannover, Psychologin von der Freien Universität Berlin. „Männer sitzen stärker besitzergreifend und signalisieren mit ihrer Sitzposition Dominanz, während von Frauen erwartet wird, dass sie weniger Raum in Anspruch nehmen – und vor allem, dass sie sich zurückhaltend verhalten.“




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