Karibikstaat "Little England" Barbados trennt sich von der Queen

Aidan Taylor, ein Bürger von Barbados, in Nationalfarben gekleidet. Sein Heimatstaat hat sich von der britischen Krone losgesagt und zur Republik erklärt. Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa Foto: dpa
Aidan Taylor, ein Bürger von Barbados, in Nationalfarben gekleidet. Sein Heimatstaat hat sich von der britischen Krone losgesagt und zur Republik erklärt. Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Das Herrschaftsgebiet der Queen ist ein Stück kleiner geworden: Der Inselstaat Barbados hat sich von der britischen Krone verabschiedet und ist eine Republik geworden.

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Bridgetown - Die königliche gelbe Flagge ist zusammengefaltet, die Queen hat eine ihrer Perlen verloren: Vor den Augen des Thronfolgers Prinz Charles hat sich die Karibikinsel Barbados von der britischen Monarchie losgesagt.

Die Richterin Sandra Mason wurde in der Nacht zum Dienstag mit einer feierlichen Parade und Salutschüssen in der Hauptstadt Bridgetown als erste Präsidentin des Landes vereidigt. Das Herrschaftsgebiet der Queen ist damit geschrumpft: Neben dem Vereinigten Königreich ist sie nun noch Staatsoberhaupt von 14 statt wie bisher 15 weiteren Ländern.

Die Zeremonie auf dem Platz der Nationalhelden fand nicht vor der Statue des britischen Admirals Horatio Nelson statt, die dort - bis vor einem Jahr - gut 200 Jahre gestanden hatte. Inmitten von Protesten gegen Rassismus und Kolonialismus auf der ganzen Welt hatte die Regierung damals die Statue von dem zentralen Platz entfernt, wo die Helden des Landes geehrt werden sollen. "Wenn wir nicht wissen, wer wir sind; wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind, wofür wir kämpfen wollen, dann sind wir dazu verdammt, wieder ausgebeutet und kolonialisiert zu werden", sagte dazu Premierministerin Mia Mottley.

"Es ist an der Zeit"

Gut 14 Monate vor der Zeremonie war der Bruch mit der Krone verkündet worden. "Es ist an der Zeit, unsere koloniale Vergangenheit vollständig hinter uns zu lassen", hieß es von Mottley in der jährlichen sogenannten Thronrede. Die Ansprache las Mason in ihrer bisherigen Rolle vor: als Generalgouverneurin des Inselstaates - also Vertreterin der Königin. Vor einigen Wochen hatte das Parlament von Barbados die 72-Jährige in das neu geschaffene Amt der Präsidentin gewählt. Regierungschefin bleibt Mottley.

Die Reaktion des Buckingham-Palasts fiel zurückhaltend aus: Die Angelegenheit sei "Sache der Regierung und des Volkes des Commenwealth-Staates", hieß es im September 2020. Prinz Charles, der seine 95 Jahre alte Mutter in Barbados vertrat, betonte nun dort: Auch wenn sich einiges ändere, werde manches gleich bleiben - etwa die "enge und vertrauensvolle Partnerschaft" und gemeinsame Werte.

Die Queen selbst sendete Gratulationen: Sie beglückwünsche die Präsidentin zu ihrem ersten Tag im Amt und sende die besten Wünsche für "Glück, Frieden und Wohlstand" an alle Menschen in Barbados, schrieb die 95-Jährige in einer Botschaft.

Auch Popstar Rihanna war bei der Zeremonie dabei. Mottley verkündete, dass die barbadische Sängerin, die auch Sonderbotschafterin ihres Landes ist, in den Orden der Nationalhelden aufgenommen werde.

Lose Verbindung von Staaten

Das Commonwealth of Nations ist eine lose Verbindung von Staaten, die aus Großbritanniens ehemaligen Kolonien hervorgegangen sind. An der Spitze der Organisation steht Königin Elizabeth II. Barbados wurde am 30. November 1966 unabhängig von Großbritannien, die Queen blieb aber bisher Staatsoberhaupt. Zuletzt hatte sich im Jahr 1992 mit Mauritius ein Commonwealth-Mitglied von der Monarchie losgesagt.

Vor 394 Jahren waren die ersten englischen Siedler nach Barbados gekommen. Bald bereicherten sie sich am Zuckeranbau durch afrikanische Sklaven. In seinem Buch "Die erste Gesellschaft schwarzer Sklaven" von 2016 beschrieb der barbadische Historiker Hilary Beckles die Insel zwischen 1636 und 1876 als "die systematisch gewalttätigste, brutalste und rassistisch unmenschlichste Gesellschaft der Neuzeit". Prinz Charles sprach in seiner Rede von der "entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei, die unsere Geschichte für immer befleckt".

Wegen dieser Vorgeschichte gibt es auf Barbados Forderungen nach Reparationen und Stimmen gegen den Besuch von Prinz Charles, wie der Aktivist Suleiman Bulbulia am Montag in der britischen Zeitung "The Guardian" schrieb. Zugleich wird das Land mit knapp 300 000 Einwohnern aufgrund des starken Einflusses britischer Kultur auch "Little England" (Klein-England) genannt. "Natürlich wird Barbados eine enge Beziehung zum Vereinigten Königreich aufrechterhalten", betonte Bulbulia. Dies sei aber eine neue Ära. "Was "Little England" angeht, so erfordern diese Zeiten vielleicht einen neuen Kosenamen."

© dpa-infocom, dpa:211130-99-194202/8




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