Katholische Pfarrhaus in Schmiden Statt dem Pfarrer ziehen Alleinerziehende ein

Von Ingrid Sachsenmaier 

Der Umbau im katholischen Pfarrhaus Schmiden ist fast abgeschlossen – das Obergeschoss belebt als Erste eine Mutter mit zwei Kindern. Wer sich in einer der Wohnungen für eine auf drei Jahre begrenzte Zeit einrichten möchte, muss sich bewerben.

Martin Wunram zeigt vom neuen Gemeinschaftsraum aus den Blick auf eine prächtige Buche vor dem Pfarrhaus. Foto: Ingrid Sachsenmaier
Martin Wunram zeigt vom neuen Gemeinschaftsraum aus den Blick auf eine prächtige Buche vor dem Pfarrhaus. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Schmiden - Die Umbaumaßnahmen im Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde in Schmiden sind soweit abgeschlossen, dass der erste Wohnbereich, eine größere Wohneinheit im Obergeschoss, jetzt bezogen wird. Eine alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern ist die erste Mieterin. Das ehemalige Pfarrhaus in der Uhlandstraße soll, so hat es der Kirchengemeinderat mit einer Projektgruppe beschlossen, ein „Haus für Alleinerziehende und deren Kinder“ sein.

Den ganzen Sommer hindurch wurde das Haus umgebaut

Am 1. November soll es komplett bezugsfertig sein. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen stemmt die Schmidener Kirchengemeinde alleine, sie hatte – um kurze Wege möglich zu machen – erst gar nicht bei der Diözese in Rottenburg angefragt. „Gerechnet hatten wir mit 60 000 bis 80 000 Euro, aber es werden mit Sicherheit mehr“, rechnet der Pastoralreferent Martin Wunram hoch.

Den ganzen Sommer hindurch wurde das Haus umgebaut. 1960 wurde es erstellt, damals im Zusammenhang mit dem Bau der Dreifaltigkeitskirche, und es ist mit dem Gotteshaus baulich verbunden. Zunächst wohnten dort der Pfarrer und ein Vikar. Auch für eine Pfarrhaushälterin hätte es eine eigene Wohnung gegeben, die allerdings nie genutzt wurde. Die Stelle einer Haushälterin blieb vakant.

Zuletzt haben Diakon Peter Seidl und seine Frau – mehr als 20 Jahre lang– im Pfarrhaus gewohnt. Im Sommer 2016 sind sie aus der Hauptwohnung ausgezogen, in dem Gebäude war dann nur noch das Pfarrbüro untergebracht. Die Hauskapelle, rechts vom Eingang, ist seit Jahren aufgelöst und im Untergeschoss des Kirchturms untergekommen.

Vier Ehrenamtliche haben sich in den letzten Monaten intensiv um das Projekt gekümmert

Jetzt werden dort die Utensilien für den Blumenschmuck in der Kirche gelagert. Seit vier Jahren war nur noch das Pfarrbüro im Erdgeschoss, die restlichen Räume und Geschosse standen leer. An Verkaufen oder Abreißen der Immobilie dachten die Schmidener Katholiken nie wirklich, stattdessen gründeten sie die „Projektgruppe Wohnen im Pfarrhaus“ und stellten die Weichen für eine neue Zukunft und neues Leben in dem Gebäude. Vier Ehrenamtliche haben sich in den letzten Monaten intensiv um das Projekt gekümmert, die Umbaumaßnahmen werden von Hannelore Störzinger, Margret Kaimer, Udo Meyer und Stefanie Stern sowie Pastoralreferent Martin Wunram begleitet, ebenso die Vorbereitungen auf das, was künftig im Haus geplant ist. In enger Zusammenarbeit mit der Caritas sind unter anderem die Mietverträge formuliert worden.

Nachdem mit einem Grundsatzbeschluss entschieden wurde, dass das Pfarrbüro im benachbarten Maximilian-Kolbe-Haus untergebracht werden könnte, stand schnell fest, dass im Pfarrhaus soziales Wohnen möglich gemacht werden soll. Dafür wurde das Gebäude dergestalt umgebaut, dass nun vier Wohnbereiche zur Verfügung stehen, alle mit eigenen Küchen und Bädern, die zum Teil schon vorhanden waren. Im Dachgeschoss sorgen jetzt große Dachfenster für Helligkeit, auf allen Stockwerken gibt’s Wlan, das Gebäude hat neue Elektroleitungen und fast überall neue Fußböden bekommen.

Die Wohnbereiche haben unterschiedliche Größen

Als Gemeinschaftsfläche, rund 40 Quadratmeter, wurde ein großes Wohnzimmer geschaffen. Und es gibt ein Zimmer, wo Kinder spielen und Hausaufgaben machen können. Das Haus soll von Alleinerziehenden und deren Kindern bewohnt werden, die Mietzeit ist auf jeweils drei Jahre befristet. „Das soll nichts für die Ewigkeit sein,“ sagt Pastoralreferent Martin Wunram, sondern den Alleinerziehenden – es können auch Väter sein – die Möglichkeit geben, „wieder auf die Füße und im Alltag anzukommen.“ Vermieter ist die Kirchengemeinde. Wer dort einziehen möchte, muss sich bewerben. Der entsprechende Bewerbungsbogen ist auf der Homepage der Kirchengemeinde hinterlegt. Die Projektgruppe berät, wer einzieht, „die Familien müssen nicht zwingend aus Fellbach sein“, erklärt Wunram.

Die Wohnbereiche haben unterschiedliche Größen und reichen von 64 Quadratmetern im Dachgeschoss über 56 und 40 im Obergeschoss bis zum Erdgeschoss, wo ein 63 Quadratmeter großer Wohnbereich entstanden ist. Für die individuelle Möblierung sorgen die Mieter größtenteils selbst, sagt Pastoralreferent Martin Wunram, einen großen Tisch im Gemeinschaftsraum hat die Kirchengemeinde angeschafft. Er steht schon bereit.

Die Kirchengemeinde trägt die Kosten

Während im Pfarrhaus die Handwerker noch die letzten Arbeiten im Sanitärbereich fertigstellen und der Maler im Dachgeschoss pinselt, ist das Pfarrbüro schon seit Ende der Sommerferien im Maximilian-Kolbe-Haus funktionsbereit. Martin Wunram ist schon vorher mit seinem Büro dort eingezogen. Nur noch ein paar Kleinigkeiten fehlen, die jedoch den Betrieb nicht beeinträchtigen.

Für die Umbaumaßnahmen wird die Kirchengemeinde wahrscheinlich einen sechsstelligen Betrag ausgeben, obwohl das Architekturbüro Ziegler aus Oeffingen darauf geachtet hat, „guten Bestand“ zu übernehmen. Für den Umzug des Pfarrbüros ins Maximilian-Kolbe-Gemeindehaus wurden rund 30 000 Euro ausgegeben, vor allem für neue Büromöbel und die Ausstattung des Arbeits- und Besprechungsraums von Martin Wunram.




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