Kein Weihnachtsmarkt in Stuttgart Den Handel trifft und schmerzt die Absage

Korbmayer-Chef  Florian  Henneka will, wie hier in der Schulstraße, ein bisschen Weihnachtsstimmung in der City retten – trotz Absage des Weihnachtsmarktes. Foto: Haar
Korbmayer-Chef Florian Henneka will, wie hier in der Schulstraße, ein bisschen Weihnachtsstimmung in der City retten – trotz Absage des Weihnachtsmarktes. Foto: Haar

Ohne die Besucher des Weihnachtsmarktes befürchtet der Einzelhandel große Frequenz- und Umsatzverluste im Weihnachtsgeschäft.

Lokales: Martin Haar (mh)
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Stuttgart - Noch vor weniger Monaten keimte im Einzelhandel ein zartes Pflänzchen namens Hoffnung. Dabei schwang nach den Lockdowns die Sehnsucht nach nach Normalität mit. Auch Florian Henneka (Korbmayer) wähnte sich zusammen mit anderen Händlern in der Innenstadt zuletzt auf einem guten Weg. Die steigenden Passantenfrequenzen an den Samstagen machten ihm Mut. Aber so wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, wollte keiner diese guten Samstage überbewerten. Henneka mahnte stets: Erstens dürfe es keinen erneuten Rückschläge geben, zweitens spiele das Weihnachtsgeschäft verbunden mit einem gut besuchten Weihnachtsmarkt eine übergeordnete Rolle. Pointiert ausgedrückt: Ohne den Weihnachtsmarkt könnte alles wieder nichts sein.

Die Absage trifft alle im Mark

In dieser Situation ist der Handel nun. Die Absage trifft alle im Mark. „Das ist ein weiterer harter Einschnitt für die Innenstadt“, sagt Sabine Hagmann vom Handelsverband Baden-Württemberg, „es wird schmerzhaft werden, damit trägt der Handel erneut einen schweren Rucksack.“ Denn für manche Händler macht der Umsatz in der Adventszeit bis zu 40 Prozent des Jahresumsatzes aus. Sabine Hagmann bringt es daher auf eine einfache Formel: „Im Weihnachtsgeschäft potenzieren sich die Umsätze.“ Voraussetzung dafür sind die hohen Frequenzen, für die unter anderem der Weihnachtsmarkt mit seinem Besuchern aus der Region, dem Um -und Ausland sorgt.

Doch genau die bleiben jetzt weg. Vor allem die kaufkräftigen Schweizer. „Es gab nach der Absage bereits die ersten Hotel-Stornierungen aus der Schweiz und anderen Ländern“, weiß City-Manager Sven Hahn. Viel wichtiger ist ihm aber, den Blick auf die Gesamtlage zu richten. Hier entdeckt er eine gravierende und massive Verunsicherung, die Menschen von einem Besuch in der Stadt abhalten. Es ist die Summe vieler Nachrichten, Ankündigungen und Spekulationen, die ein Klima der Verunsicherung herbeigeführt hätten: „Die Vielzahl der Fragen und Themen führt dazu, dass keiner mehr Bescheid weiß, was jetzt eigentlich gilt: 3-G im Handel? Ja oder nein? 3-G im ÖPNV oder 2-G-Plus? Solche Fragen und Unsicherheiten sind grundsätzlich schlecht für den Umsatz.“

Auch die 3-G-Regel verunsichert

Die 3-G-Regel im Handel ist auch Sabine Hagmann eine Erwähnung wert: „ Der Einzelhandel – das bestätigen sowohl das RKI als auch die Auswertung der Warnmeldungen der Lucca-App – ist kein Treiber der Pandemie.“ Weiter sagt sie: „Die zur Grundversorgung zugerechneten Teile der Branche waren die letzten 19 Monate konstant geöffnet, ohne dass es hier eine nennenswerte Anzahl an Infektionen gab.“ Ihre Schlussfolgerung: „Die Hygienekonzepte im Einzelhandel funktionieren, der Einkauf in den Geschäften ist sicher“, sagt Hagmann, „deshalb wäre es folgerichtig, wenn die Nachweis- und Kontrollpflicht im gesamten Einzelhandel fallen würde.“ Das Gegenteil ist der Fall. Alle rechnen eher mir einer Verschlechterung der Situation. Damit keine Missverständnisse entstehen: Sowohl Hagmann als auch Sven Hahn erkennen die aktuelle pandemische Lage samt der politischen Reaktionen an. Und dennoch sei „der Handel abermals das Stiefkind der Nation“ (Hagmann). Auch Sven Hahn will bei der Weihnachtsmarkt-Absage kein Schwarzes-Peter-Spiel betreiben: „Egal, wie man in der Causa Weihnachtsmarkt entschieden hätte, man wäre immer daneben gelegen.“

Henneka gibt sich kämpferisch

Auch Korbmayer-Chef Florian Henneka, der mit seinem Standort Schulstraße und der Nähe zum Marktplatz besonders von der Absage betroffen ist, mag jetzt lieber nach vorne schauen und nicht den Kopf den Sand stecken: „Diese Situation ist jetzt zwar eine der größten Herausforderungen für alle in der Stadt, sei es für die Gastronomie, den Handel oder die Veranstalter“, sagt Henneka, „aber wir müssen jetzt alle zusammenarbeiten, dass wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung in der City entsteht und die Nöte und Sorgen nicht überwiegen.“




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