Kevin Kuranyi im Gespräch „Der VfB sollte sich auf seine Stärken zurückbesinnen“

Kevin Kuranyi hat gut lachen: am Freitag feiert er Geburtstag Foto: dapd
Kevin Kuranyi hat gut lachen: am Freitag feiert er Geburtstag Foto: dapd

Am Freitag hat Kevin Kuranyi Grund zum Feiern. Der frühere VfB-Torjäger wird 30. Gleich danach geht für ihn in Moskau die russische Meisterrunde weiter.

Sport: Thomas Haid (T.H.)
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Stuttgart - Am Freitag hat Kevin Kuranyi Grund zum Feiern. Der frühere VfB-Torjäger wird 30. Gleich danach geht für ihn und seinen Club Dynamo Moskau die russische Meisterrunde weiter.


Herr Kuranyi, wann sind Sie zuletzt in Stuttgart gewesen?
Vor ungefähr vier Wochen.

Bei dieser Gelegenheit haben Sie mit Ihren Bekannten sicher auch über den VfB gesprochen. Was haben Ihnen die Leute erzählt?
Vieles. Beispielsweise, dass der Club eine schwierige Phase hinter sich hat, in der einiges durcheinandergeraten ist. Es waren unruhige Zeiten. Oder dass es wieder junge Spieler gibt, die sich gut entwickeln können, wenn man ihnen die Chance gibt. Das war früher die große Stärke des Vereins. Darauf sollte sich der VfB zurückbesinnen.

Welche Talente meinen Sie konkret?
Der VfB hat ja mehrere junge Spieler mit einem Profivertrag ausgestattet. Zudem habe ich gehört, dass der Präsident Gerd Mäuser einen „Stuttgarter Weg“ ausgerufen hat, um den eigenen Nachwuchs zu fördern und in die Bundesliga zu bringen. Das halte ich für den richtigen Ansatz.

In der aktuellen Profimannschaft stehen aber nur wenige junge Spieler.
Das kann man in der Tat so sehen. Aber für mich ist auch Serdar Tasci noch ein junger Spieler, obwohl er schon eine Menge Erfahrung besitzt. Und es gibt auch Timo Gebhart oder Julian Schieber. Wenn sie ihre Einsätze bekommen, können sie mithelfen, den VfB wieder in eine bessere Zukunft zu führen. Davon bin ich überzeugt.

Für diese bessere Zukunft muss speziell der Manager Fredi Bobic sorgen.
Ich kenne ihn gut, weil wir einst zusammen in der Nationalmannschaft gespielt haben. Von daher weiß ich, dass er ein Fußballfachmann ist. Er ist auf jeden Fall in der Lage, ein Team aufzubauen. Fredi kann den VfB nach vorne bringen, aber nicht von heute auf morgen. Man braucht Geduld.

Wo hat es Ihnen besser gefallen – beim VfB oder auf Schalke, Ihrem zweiten Ex-Verein?
Ich bin froh, dass ich bei beiden Vereinen spielen durfte. Beim VfB hatte ich eine tolle Ausbildung, von der ich später profitierte. Mein Karrierebeginn in Stuttgart war unbeschreiblich. Wir qualifizierten uns gleich für die Champions League. Schalke ist ganz anders. Das ist ein klassischer Arbeiterverein, geprägt von der Mentalität der Bergleute, die unter Tage arbeiten. Die Fans sind einmalig. Schalke ist eine Religion.

Der einzige Spieler, der aus Ihrer Zeit beim VfB noch übrig geblieben ist, ist Cacau. Momentan ist er aber nur Ersatz – und gehört im Gegensatz zu Ihnen trotzdem zum Kader der Nationalmannschaft. Ist das nicht ein bisschen ungerecht?
Schwer zu beantworten. Ich schätze Cacau als Mensch sehr. Er ist ein Supertyp. Und im Fußball ist es nun einmal so, dass der Trainer entscheidet, wer dabei ist und wer nicht. Cacau ist dabei. Ich gönne ihm das. Neid kenne ich sowieso nicht.

Haben Sie die Nationalelf abgeschrieben?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber der Assistenztrainer Hansi Flick hat kürzlich ja erklärt, dass ich kein Thema mehr bin. Deshalb mache ich mir da keine Illusionen.

Der Cheftrainer ist aber Joachim Löw. Wann hatten Sie zuletzt Kontakt mit ihm?
Vor der WM 2010. Da haben wir über alles gesprochen. Er hat damals ja auch öffentlich gesagt, dass alles ausgeräumt sei. Zwischen uns gibt es keine Probleme.

Sie wären also bereit für ein Comeback?
An mir würde es nicht scheitern.

Wer wird im Sommer Europameister?
Ich glaube, dass Deutschland momentan mit Spanien und Holland zu den besten drei Teams der Welt zählt. Das haben die Qualifikationsspiele gezeigt. Deutschland kann den Titel gewinnen.

Und Russland?
Diese Mannschaft sollte man nicht unterschätzen. Der Fußball hat da eine positive Entwicklung genommen.

Weil einige reiche Leute viel Geld in die Vereine pumpen?
Auch. Aber das Geld wird sinnvoll angelegt, So wird bei Dynamo Moskau gerade das legendäre alte Stadion aufwendig renoviert, mit allem Komfort. Die Infrastruktur wird überall verbessert. Und sportlich sieht man schon an den letztjährigen Ergebnissen im Europapokal, dass die russischen Clubs immer konkurrenzfähiger werden.

Am Wochenende geht die seit November unterbrochene Meisterrunde weiter. Dynamo ist Tabellendritter. Welche Ziele haben Sie in dieser Saison noch?
Wir wollen international spielen und haben die Champions League im Blick.

Vor Kurzem haben Sie Ihren Vertrag bei Dynamo bis 2015 verlängert. Wo wollen Sie nach dem Ende Ihrer Karriere leben?
In Stuttgart. Das ist meine Heimat.

Dann könnten Sie ja vielleicht auch eine Funktion beim VfB übernehmen?
Ja, vorstellbar ist alles. Aber es ist noch zu früh, um konkret darüber nachzudenken.




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