Kickers gewinnen 2:0 Auswärtssieg mit Schönheitsfehlern

Von Jürgen Scharf 

Die Stuttgarter Kickers haben in der dritten Liga den zweiten Auswärtssieg der Saison geschafft. Nach dem 2:0 in Regensburg kletterten sie auf Platz drei.

Fabian Baumgärtel  (2. v. l.) findet vor dem 1:0 das Loch in der Mauer. Foto: Eibner
Fabian Baumgärtel (2. v. l.) findet vor dem 1:0 das Loch in der Mauer. Foto: Eibner

Regensburg - Horst Steffen weiß, was sich gehört. Ohne eine Miene zu verziehen, sitzt er bei der Pressekonferenz nach dem Spiel in Regensburg neben seinem arg gebeutelten Kollegen Christian Brand. Dieser sagte, dass sein SSV Jahn zumindest in der ersten Hälfte ein gutes Spiel gemacht, aber eben kein Tor geschossen habe. Steffen formuliert es nun genau andersrum: So richtig zufrieden sei er mit seinen Kickers nicht gewesen, meint der Trainer, um dann aber doch das Entscheidende herauszustellen: „Unterm Strich bin ich aber froh, auswärts endlich mal wieder drei Punkte eingefahren zu haben.“

Mit einem 2:0-Sieg haben die Stuttgarter ihre Auswärtstour in die bayerische Oberpfalz abgeschlossen. Dass diese Fahrt des Drittligisten zu einem Erfolg werden würde, dafür standen die Zeichen sehr früh sehr günstig: Die knapp 3000 Zuschauer hatten kaum Platz genommen, da lagen die Gäste bereits mit 1:0 vorn. Fabian Baumgärtel schoss einen Freistoß aus 20 Metern einfach in Richtung der Mauer. Dort klaffte eine kleine Lücke – der Ball flutschte hindurch und hoppelte langsam aufs Jahn-Tor zu. Regensburgs Keeper Stephan Loboué, der sich schon in die andere Ecke bewegt hatte, kam nicht mehr heran – 1:0 (3.).

Doch nur fünf Minuten später hätten die Regensburger beinahe zurückgeschlagen: Uwe Hesse wurde von Aias Aosman bedient, der Kickers-Keeper Korbinian Müller lenkte seinen Schuss aber um den Torpfosten herum. Der Jahn blieb dran und kombinierte sich immer wieder gefällig bis zum Strafraum der Gäste, war dort dann aber meist mit seinem Latein am Ende.

Die Kickers schauten sich die Bemühungen der Regensburger etwa eine halbe Stunde lang an. Dann demonstrierten sie, wie man im Fußball mit wenig Aufwand gefährlich werden kann. Gleich zweimal kombinierten sich die Blauen schnörkellos bis vors Tor des Jahn. Der hatte viel Glück, dass Elia Soriano mit seinem Kopfball nur die Latte traf (38.) und Gerrit Müller kurz danach knapp vorbei schoss. Der Kickers-Verteidiger Hendrik Starostzik brachte es nach der Partie richtig auf den Punkt: „In der ersten Hälfte sind wir nicht so richtig ins Spiel gekommen. Es war sicher ein glückliches Freistoßtor.“

In der zweiten Hälfte ließen die Kickers aber wenig Zweifel daran, welches der beiden Teams hier in der Tabelle oben mitspielt. „Da waren wir besser drin“, meinte Starostzik, „und der Sieg war dann auch verdient, denn wir hatten die bessere Spielanlage.“ Dabei waren die Regensburger nach der Pause mutiger aus der Kabine gekommen. Aosman und Lukas Sinkiewicz gaben die ersten Schüsse des zweiten Durchgangs ab. Richtig gefährlich wurde es aber erst wieder vor dem Jahn-Tor. Der einmal mehr sehr agile Kickers-Spielmacher Besar Halimi schlenzte den Ball über Loboué, traf aber nur die Latte (52.).

Die Kickers verwalteten danach clever ihre knappe Führung – und verpassten dem Jahn letztlich den Knockout. Stanislaus Herzel ging im Strafraum unbeholfen gegen Gerrit Müller zu Werke. Der fiel – und es gab Elfmeter. Marc Stein verwandelte diesen souverän zum 2:0 (74.).

Die Gästefans feierten den Treffer auf ihre ganz eigene Art und Weise: Sie zündeten eine Rauchbombe. Ein paar Minuten später bekamen sie dann auch noch Besuch. Eine ganze Schar der befreundeten Jahn-Fans marschierte zu ihnen in den Block. Dort wurde gemeinsam gefeiert.

Horst Steffen war derweil nicht rundum glücklich: „Wir hatten heute nicht so viel Spielkontrolle wie sonst, haben viele Bälle verspielt. Das ist ungewöhnlich für meine Mannschaft“. Dem Gegner attestierte er, dass dieser „eine Menge Möglichkeiten“ gehabt habe: „Da hatten wir auch in der einen oder anderen Situation Glück.“ Letztlich reichte es den Kickers aber aus, gegen den teilweise überforderten Abstiegskandidaten aus Regensburg ein paar Mal das Tempo anzuziehen.




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