Kinder-Boom in Rutesheim Eine Stadt hält sich nicht an den Trend

Von Arnold Einholz 

Die Grundschule im Ort ist eine der wenigen in ganz Baden-Württemberg, die wachsen und deshalb ausgebaut werden.

Zu dem geräumigen Anbau an die Grundschule  ist auch ein  neuer neu  gestalteter Pausenhof  hinzugekommen, der  von den Kindern gerne genutzt wird. Foto: factum/Bach
Zu dem geräumigen Anbau an die Grundschule ist auch ein neuer neu gestalteter Pausenhof hinzugekommen, der von den Kindern gerne genutzt wird. Foto: factum/Bach

Rutesheim - Rutesheim ist die Mitte der Welt“ – selbst die Jüngsten im Ort sind überzeugt davon und singen es lauthals. Einen solchen Festakt hat es landauf und landab schon lange nicht mehr gegeben. Nicht dass die Rutesheimer die offizielle Eröffnung des neuen Schulhauses, das an die Grundschule in der Hindenburgstraße angebaut wurde, besonders pompös gestaltet haben. Ein anderes Allein­stellungsmerkmal macht es aus: Es ist seit ­Jahren die erste Grundschule in Baden-Württemberg, die erweitert werden muss.

Hohe Geburtenzahl

Wer als Stadt kontinuierlich wächst und dabei auch noch überdurchschnittliche viele Geburten im Ort hat, der muss auch dafür sorgen, dass die Kinder später genügend Schulräume und Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung haben. Noch vor der Sommerpause im Jahr 2015 wurde im Gremium diskutiert, wie am Gebäude der alten Grundschule in der Hindenburgstraße neue Fluchtwege für den Fall eines Brandes geschaffen werden können.

Doch schon im Herbst war das Thema obsolet, denn es hatte sich abgezeichnet, dass das historische Schulhaus zu klein ist für den Kinder-Boom im Ort. Wurden 2011 noch 72 Kinder geboren, so erblickten 2012 schon 91 das Licht der Welt. Im Jahr darauf waren es bereits 105 und im Folgejahr sogar 130, während 2015 mit 124 Babys erneut ein kinderreiches Jahr war. 2016 sind 116 Babys in Rutesheim auf die Welt gekommen.

Im alten Schulhaus gibt es neun Klassenzimmer. Doch dort hätten pro Jahrgang drei Grundschulklassen mehr untergebracht werden müssen, also statt derzeit neun deren zwölf. Zudem werden zusätzlich Räume für die Kernzeitbetreuung und für den Hort an diesem Standort benötigt. Also musste die Grundschule in der Hindenburgstraße, die 1907 gebaut und 1937 erweitert wurde, vergrößert werden.

Mit der Planung wurde das örtliche Architekturbüro Carl Martin betraut. „Wir wurden früh in die Planungen eingebunden und die Kooperation mit der Verwaltung und dem Architekten war sehr gut“, zeigte sich die Leiterin der Theodor-Heuss-Schule, Friederike Baier, voll des Lobes. „Nun gilt es so zu wirken, dass diese Schule ein Ort der guten Erfahrungen für alle bleibt, die hier aus- und eingehen“, ­sagte Friederike Baier.

Mit dem pünktlich zum Schuljahres­beginn 2017 fertiggestellten Anbau verdoppelt sich beinahe die Nutzfläche des Schulgebäudes an der Hindenburgstraße. Zu den vorhandenen 560 Quadratmetern sind weitere 480 Quadratmeter hinzugekommen. Dafür wurde der Holzbau im Schulhof abgebrochen, in dem hatte der Hort zwei Räume genutzt – um diese Fläche ist nun der knappe Pausenhof vergrößert worden. Im Anbau gibt es im Erdgeschoss zwei Räume für den Hort sowie eine Mensa. In der ­ersten Etage sind das Lehrerzimmer, zwei Klassenzimmer sowie ein Raum unter­gekommen, der als Klassenzimmer oder vom Hort genutzt werden kann. Das zweite Obergeschoss mit der Dachterrasse, beherbergt zwei weitere Klassenzimmer und einen Besprechungsraum.

Wer als einzige Kommune in ganz Baden-Württemberg seine Grundschule ausbaut, kann auch schon mal mit mehr Fördergeldern rechnen als ursprünglich vorgesehen. Das ist nämlich beim Anbau in der Hindenburgstraße der Fall. Die Stadt wird bei diesem Projekt, dessen Gesamtkosten sich auf rund drei Millionen Euro belaufen, vom Land mit 747 000 Euro unterstützt.

Ein Teil des Geldes stammt aus dem Programm „Chancen durch Bildung – ­Investitionsoffensive Ganztagsgrundschulen“. Dabei geht es um Zuschüsse in Höhen von 479 000 Euro. Aus der üblichen Schulbauförderung des Landes fließen außerdem 268 000 Euro nach Rutesheim.

Sinnvoll eingesetztes Geld

Bürgermeister Dieter Hofmann lobte den Schulanbau, als ein architektonisch und funktional gelungener Neubau, der harmonisch Alt und Neu verbinde. Die Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz (CDU), zeigte sich zufrieden, dass die Fördergelder des Landes sinnvoll eingesetzt worden sind.




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