Kinderbetreuung Wie eine Kommune Tageseltern unterstützen kann

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Die Stadt Leinfelden-Echterdingen tut viel für eine optimale Betreuung von Kindern, sagt Sibylle Schober. Sie muss es wissen, denn sie ist die Geschäftsführerin des Tageselternverein Kreis Esslingen. Was ist das Besondere?

Tageseltern betreuen bis zu fünf Kinder bei sich zu Hause, im Zuhause der Kinder oder in anderen geeigneten Räumen. Foto: Halfpoint/z/Tageselternverein Esslingen
Tageseltern betreuen bis zu fünf Kinder bei sich zu Hause, im Zuhause der Kinder oder in anderen geeigneten Räumen. Foto: Halfpoint/z/Tageselternverein Esslingen

Leinfelden-Echterdingen - Der Tageselternverein im Landkreis Esslingen feiert sein zehnjähriges Bestehen. In dieser Zeit habe er sich zu einem konstanten und verlässlichen Ansprechpartner für alle Beteiligten entwickelt, sagt die Geschäftsführerin Sibylle Schober. Der Verein ist für 44 Kommunen zuständig. Acht Beratungsstellen gewährleisten kurze Wege. Auch in Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen profitieren viele Familien von dem Angebot. Die politisch Verantwortlichen wissen das zu schätzen, insbesondere in L.-E.; dort bekommen Tagesmütter und -väter so viel Unterstützung wie in keiner anderen Kommune im Landkreis.

Welche Vorteile bietet die Kindertagespflege?

Tagesmütter und -väter betreuen bis zu fünf Kinder im Alter von null bis 14 Jahren bei sich daheim, im Zuhause der Kinder oder auch in anderen geeigneten Räumen. „Die Kindertagespflege bietet Eltern bessere Chancen, eine passgenaue Betreuung zu finden“, sagt Sibylle Schober. Das beziehe sich einerseits auf die Zeiten, denn im Vergleich zu Kindertagesstätten mit starren Öffnungszeiten seien Tagesmütter und -väter flexibler. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei das wichtig. Zum anderen können Tageseltern aber auch individueller auf die Erziehungsziele und Werte der Eltern eingehen oder auf Schlaf- und Essgewohnheiten des Kindes, so die Geschäftsführerin. Zudem betreuen Tageseltern auch Kinder, die jünger als ein Jahr sind. Das biete nahezu keine Kindertagesstätte an. Viele Eltern würden die Betreuung im familiären Rahmen, also in kleinen Gruppen mit meist nur einer Bezugsperson, sehr schätzen. Doch auch die Kommunen profitieren. Denn für sie ist der Tageselternverein ein verlässlicher Partner beim Ausbau der Kinderbetreuung, sagt Schober.

Was macht Leinfelden-Echterdingen zur Modellgemeinde?

Grundsätzlich ist die Kindertagespflege eine Aufgabe des Landkreises. Dieser ist auch für die Finanzierung zuständig. In L.-E. haben sich die Verantwortlichen aber schon 2007 und damit sehr früh dazu bereit erklärt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, also Ansprechpartner zu sein und den Zahlungsverkehr selbst abzuwickeln. „Damit sind die Wege für alle Beteiligten kürzer, und auch das Geld fließt schneller“, sagt Schober. Inzwischen seien viele Kommunen diesem Modell gefolgt.

L.-E. sei jedoch nicht stehen geblieben, sondern immer noch Vorreiter. Denn die Kommune fördert ihre Tageseltern seit Langem in vielen weiteren Bereichen. Dazu gehören zum Beispiel die Übernahme der Kosten für die zweite Hälfte der Sozialversicherung, Unterstützung bei Urlaub und Krankheit bis hin zur Finanzierung von Erste-Hilfe-Kursen. Auch diesem Beispiel sind mittlerweile viele Kommunen gefolgt. Insbesondere Filderstadt, Neuhausen und Aichtal hätten sich stark an das Modell L.-E. angelehnt, sagt Schober. Nur sehr wenige Kommunen im Landkreis würden noch eigene Finanzierungsmodelle verfolgen, und mit diesen sei der Tageselternverein im Gespräch.

Doch es geht nicht allein ums Geld, sondern auch um ideelle Unterstützung. L.-E. mache keinen Unterschied zwischen der institutionellen Betreuung und Tageseltern und bringe Letzteren damit eine besondere Wertschätzung entgegen, sagt Schober und ergänzt: „Das motiviert und verbessert weiter die Qualität.“ Im Mai 2018 präsentierte der Tageselternverein Esslingen das „Erfolgsmodell L.-E.“ sogar auf einem Bundeskongress zum Thema „Qualität in der Kindertagespflege“.

Was wünscht sich der Tageselternverein für die Zukunft?

„Jedes Kind soll die gleichen Bildungschancen haben“, sagt Sibylle Schober. Bezogen auf die Tagespflege bedeute das, dass es innerhalb des Landkreises ein einheitliches Fördermodell geben müsse, „und dieses sollte sich an dem Best-Practise-Beispiel L.-E. orientieren“, sagt Schober. So könne auch der Verwaltungsaufwand verringert werden. Zudem wünscht sie sich, dass der Lohn für Tageseltern, der Anfang 2019 auf 6,50 Euro die Stunde angehoben wurde, kontinuierlich überprüft und an Preissteigerungen angepasst werde – so wie in anderen Branchen auch. „Darüber hinaus wollen wir ein verlässlicher Kooperationspartner für die Kommunen und ein attraktiver Arbeitgeber bleiben“, sagt die Geschäftsführerin.

Wie feiert der Verein seinen zehnten Geburtstag?

Der Verein möchte mit allen Beteiligten feiern. Darum lud er bereits im Dezember Tageseltern zu einem Fachtag in Heilbronn ein. Für Mai plant er eine Aktionswoche für Eltern und Kinder. Im Herbst soll es in allen 44 Kommunen im Landkreis Laternenumzüge geben.

Wer möchte Tagesmutter beziehungsweise Tagesvater werden?

Beim Tageselternverein Esslingen waren zum Stichtag 31. Dezember 2019 insgesamt 431 Tageseltern gelistet, die 1451 Kinder betreuten. In Filderstadt waren es 46 Tagesmütter und -väter für insgesamt 143 Kinder, in Leinfelden-Echterdingen 35 Tageseltern für 99 Kinder. Der Verein ist ständig auf der Suche nach weiteren Tagesmüttern und -vätern. Wer Interesse hat, kann sich im Internet informieren.