Kinderfamilien-Zentren im Stuttgarter Norden Hilfe für Kinder, die Hilfe brauchen

Von Georg Linsenmann 

Um Kinder aus ärmeren Familien zu fördern, wurden einige Kitas zu Kinder-familien-Zentren ausgebaut. Im Bezirksbeirat Stammheim stellte das Jugendamt das erweiterte Konzept vor.

Die Kita Ottmarsheimer Straße kam in den Genuss der Förderung als   „Kinderfamilien-Zen­trum“, fiel aber 2016 wieder heraus. Foto: Georg Linsenmann
Die Kita Ottmarsheimer Straße kam in den Genuss der Förderung als „Kinderfamilien-Zen­trum“, fiel aber 2016 wieder heraus. Foto: Georg Linsenmann

Stammheim - Kitas sollen viel können. Manchmal auch über die reine Betreuung und Förderung vor Ort hinaus. Besonders dann, wenn Kinder aus dem familiären Zusammenhang heraus schlechte Startbedingungen haben. Alarmiert durch den Kinderarmutsbericht sollten deshalb in Stuttgart ab 2012 ausgesuchte Kitas eine zusätzliche Funktion als „Kinderfamilien-Zentren“ (Kifaz) entwickeln. Dabei gab es ein „hartes Kriterium“: In einer Einrichtung mussten mindestens 40 Prozent der Kinder aus Familien sein, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation ein Anrecht auf die Bonuscard der Stadt haben.

Von Beginn an dabei war in Stammheim die Kita Ottmarsheimer Straße, was ihr eine jährliche Förderung von 10 000 Euro bescherte. Umso härter war dann der Schlag, als die Kita 2016 per Gemeinderatsbeschluss wieder aus dieser Förderung herausfiel. Und dies nur, weil sie zwischenzeitlich zwei Kinder weniger hatte, als die Fördergrenze vorgeschrieben hatte. Aus rein formalen Gründen also, mit einer minimalen Differenz: „Es war sehr schade, dass das passiert ist, denn die Einrichtung hatte eine super Aufbauarbeit geleistet“, stellte dazu Daniela Steinhoff vom Jugendamt in der aktuellen Sitzung des Bezirksbeirates fest und fügte hinzu: „Es war völlig sinnfrei, das abzubrechen.“

Weiterentwicklung des Kifaz-Konzeptes

Unter anderem um darzulegen, dass das künftig nicht mehr passieren kann, stellte Steinhoff die inzwischen erfolgte Weiterentwicklung des Kifaz-Konzeptes dar, wobei sie zunächst nochmals die Ausgangslage betonte, denn daraus resultierten die Aufgaben und Zielsetzungen: „Herkunft und Bildung korrespondieren sehr stark. Armut in der Familie ist signifikant gekoppelt mit Benachteiligung in der Bildungskarriere der Kinder, wobei die Schere immer weiter auseinander geht. Das führt dazu, dass Kinder, die die Unterstützung am dringendsten brauchen, diese am wenigsten erhalten“, sagte Steinhoff.

Um dieser Problemlage von verschiedenen Ansatzpunkten her entgegen zu wirken, hat das weiterentwickelte Konzept laut Steinhoffs Präsentation nun vier verbindliche „Handlungsfelder“: Kinder fördern, Eltern stärken, Familien unterstützen und frühe Hilfen anbieten, etwa bereits über eine Hebamme oder über Krabbelgruppen. Festgeschrieben ist nun, dass bei der Betreuung der Kinder den Bereichen Sprache, Bewegung und Ernährung besondere Beachtung zukommt. Um Eltern zur Zusammenarbeit zu gewinnen und sie auch zu stärken, sollen „sehr niederschwellige Angebote“ gemacht werden. In der dritten Säule geht es auch darum, andere Hilfsangebote aus dem Netzwerk der Möglichkeiten zu vermitteln.

Anderer Stellenschlüssel notwendig

Im Gremium wurde das Konzept mit starkem Interesse aufgenommen. Stefan Kulle (CDU) meinte, dass mit der Präsentation „ein sehr schönes Bild gezeichnet“ worden sei. Ihm sei aber nicht klar „was da neu ist“. Richtig sei auch, „früh mit der Förderung anzufangen“. Damit seien aber auch Ansprüche ans Personal verbunden. Das erfordere „Schulung und einen anderen Stellenschlüssel“. Steinhoff verdeutlichte, dass die Angebote der Kinderfamilien-Zentren bisher einem „bunten, vielfältigen Strauß“ geglichen hätten: „Das war aber teils nicht verbindlich. Wir wollen sicher sein, dass die Basics erfüllt sind.“ Hinsichtlich der Ressourcen berate der Gemeinderat „in diesem Frühjahr“. Dabei gehe es „um Zusatzmittel und zusätzliche Stellen“.

Als schwierig wurde die Aufgabe erachtet, die Herkunftsfamilien zu fördernder Kinder zu erreichen. Steinhoff sagte, daran arbeite ein Experten-Gremium. Etwa bezüglich der Einbeziehung von Kinder- und Frauenärzten. Zusammenfassend stellte die Bezirksvorsteherin Susanne Korge fest: „Das ist keine ganz einfache, aber eine gute Sache. Und gut ist, dass wir nicht wieder so ohne weiteres rausfallen können.“

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