Kinokritik: Die Stimme des Regenwaldes Ein Schweizer kämpft in Borneo um ein irdisches Paradies

Von Bernd Haasis 

Das Spielfilmdrama über die Mission den Schweizer Umweltaktivisten und Menschenrechtler Bruno Manser startet am 22. Oktober in den Kinos.

Nick Kelesau (vorne links) und Sven Schelker (vorne rechts) als Bewohner des Dschungels von Borneo Foto: Camino/Tomas Wüthrich 6 Bilder
Nick Kelesau (vorne links) und Sven Schelker (vorne rechts) als Bewohner des Dschungels von Borneo Foto: Camino/Tomas Wüthrich

Stuttgart - Zuerst ist es nur Hörensagen, dann tauchen gelbe Kreuze auf den Bäumen im Dschungel von Borneo auf – und irgendwann die Holzfäller. Fassungslos schauen die Ureinwohner auf eine braune Wüste, wo vor Kurzem noch der Regenwald stand, Lebensraum für sie und ihre Vorfahren.

Der Schweizer Filmemacher Niklaus Hilber erzählt die Geschichte seines Landsmannes Bruno Manser, der 1984 einer unbestimmten Sehnsucht folgt, in die malayische Provinz Sarawak aufbricht und beim Volk der Penan lebt. Als 1987 der Kahlschlag beginnt, organisiert Manser den friedlichen Widerstand der nomadischen Jäger und Sammler und gerät in Lebensgefahr. Zurück in Europa wird er ein unbeugsamer Umweltaktivist und Menschenrechtler – bis er 2000 nach Malaysia zurückkehrt und verschwindet.

Großartige Laiendarsteller

Hilber gibt dem Wald viel Raum und vermittelt ein starkes Gefühl der magischen Ureinheit von Menschen und Natur. Die Wirkung verdankt er seinen Laiendarstellern, realen Penan, die nichts spielen müssen, sondern den Geist ihres Volkes im Herzen tragen. Sie formulieren Grundwahrheiten über das Menschsein, die in der Zivilisation oft aus dem Blickfeld geraten. Dieses quasidokumentarische Element gibt dem Film Wucht.

Der Manser-Darsteller Sven Schelker spielt einen anfangs verhuschten Protagonisten, der im Clanchef Along Sega (Nick Kelesau) einen Freund und mit der klugen Ubung (Elizabeth Ballang) die Liebe findet. Erst im Protest gewinnt er an Statur, wenn er sich als gegen Gier, Korruption und Menschenverachtung stellt, um ein irdisches Paradies zu retten.

Wichtiges Zeugnis menschlicher Kultur

Leider verliert sich Hilber auf seiner Mission etwas im Klein-Klein, wo er hätte verdichten und die niederschmetternde Wirkung noch steigern können. Auch so ist sein Film ein wichtiges Zeugnis menschlicher Kultur zwischen „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) und der Doku „Song from the Forrest“ (2013).

Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes. Schweiz 2019. Regie: Niklaus Hilber. Mit Sven Schelker. 142 Minuten. Ab 12 Jahren. Atelier am Bollwerk.

Am 22. Oktober kommt Niklaus Hilber um 17.45 Uhr ins Atelier im Bollwerk und um 20 Uhr ins Delphi.




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