Kinokritik: Hello Again – Ein Tag für immer Alicia von Rittberg auf den Spuren von Audrey Hepburn

Von Bernd Haasis 

In dieser deutschen Dramödie möcht eine junge Frau eine Hochzeit verhindern und gerät dabei in eine Zeitschleife.

Edin Hazanovic und Alicia von Rittberg in in „Hello again – Ein Tag für immer“ Foto: Sommerhaus/Warner 14 Bilder
Edin Hazanovic und Alicia von Rittberg in in „Hello again – Ein Tag für immer“ Foto: Sommerhaus/Warner

Stuttgart - Es kommt sehr selten vor, dass Filme im Auftakt zu scheitern scheinen und danach große dramatische Kraft entfalten. Maggie Perens „Hello again“ ist so ein Fall. Die Regisseurin und Drehbuchautorin erzählt die Geschichte der Mittzwanzigerin Zazie (Alicia von Rittberg), die unbedingt die Hochzeit ihres Sandkastenfreundes Philipp (Tim Oliver Schultz) mit der hochmütigen Franziska (Emilia Schüle) verhindern möchte – dabei hat sie vor Jahren den Kontakt zu ihm abgebrochen, und es ist zunächst unklar, warum. Bald zeigt sich, dass die liebenswerte Chaotin Zazie in einer tiefen Krise steckt und dass es keine Kleinigkeit ist, in die Lebensentscheidungen anderer einzugreifen.

Peren kettet die Wandlung ihrer Figur an eine Zeitschleife, wie man sie kennt aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993): Zazie wacht immer aufs Neue am Tag der Hochzeit auf, versucht immer andere Verhinderungsstrategien und erforscht dabei ihre eigenen Gefühle. Zu Beginn tut sie das in einer überspannten deutschen Komödie mit Schenkelklopfhumor und Erbrochenem auf dem Hochzeitskleid, in der Akteure hektisch herumrennen, atemlos Platituden von sich geben, und Torten ins Gesicht bekommen.

Zazie blickt in den Spiegel

Darin soll sich der innere Aufruhr der Protagonistin spiegeln, doch das stellt sich erst später heraus – anspruchsvollere Zuschauer brauchen also ein wenig Geduld. Die Montage lässt bereits hoffen: Peren hat den Auftakt rasant gestaltet wie in Jean-Pierre Jeunets „Amélie“ (1997), und der kraftvolle Soundtrack aus Popsongs erweist sich als durchdacht, sobald der ausgelutschte „Mr. Sandman“ nicht mehr im Original ertönt, sondern in einer von vielen sehr unterschiedlich gestimmten Interpretationen.

Sobald sich der erste Platzpatronen-Pulverdampf gelegt hat, gewinnen die Figuren an Kontur, auch Zazies WG-Kollegen. Der nette, aber immer zur Unzeit in Sekundenschlaf fallende Narkoleptiker Anton (Edin Hazanovic) offenbart eine vielschichtige Persönlichkeit, der von Frauen umschwärmte Herzensbrecher Patrick (Samuel Schneider) ein großes Herz. Zazie selbst blickt in den Spiegel und sieht wie auch die Zuschauer auf einmal keine selbstbewusste Anarchistin mehr, sondern eine verletzliche junge Frau. Nun geht es um die Wirrnisse der verlängerten Adoleszenz, Beziehungsfähigkeit und Verantwortung.

Rittberg zeigt wahrhaftige Emotionen, sie lacht sehnsüchtig, wenn sich die umwölkte Betrübnis ab und zu lichtet, mit der sie ihre Figur umgibt. So betritt Zazie die Sphäre jener­ unglücklichen Mädchen in inneren Turbulenzen, deren Lichtgestalt Holly Golightly ist, Audrey Hepburns Figur in „Frühstück bei Tiffany“ (1961). Hätte Maggie Peren nur gleich dort angesetzt.

Ab 6 Jahren, in Stuttgart in den Kinos Cinemaxx SI und Metropol.




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